Rubel-Krise
Russische Zentralbank muss erstes Institut retten

30 Milliarden Rubel für eine Krisenbank: Russische Kreditinstitute leiden unter dem schwachen Rubel. Nun muss die Notenbank seit Ausbruch der Krise erstmals eingreifen.
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MoskauDie russische Zentralbank muss erstmals seit Ausbruch der Rubel-Krise eine Bank vor der Pleite retten. Der Trust Bank würden bis zu 30 Milliarden Rubel (rund 435 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt, teilte die Notenbank am Montag in Moskau mit. Die Agentur für Einlagensicherung werde zudem die Aufsicht über das angeschlagene Institut übernehmen. Trust ist gemessen an den Einlagen der Kunden laut dem Portal banki.ru die Nummer 15 im Land. Für sie wirbt auch der Hollywood-Schauspieler Bruce Willis. Die Trust Bank hat 253 Filialen in etwa 160 Städten.

Das Direktorium der russischen Zentralbank traf die Entscheidung bei einer Sondersitzung. Vorbereitet worden war der Schritt von der für die Einlagensicherung zuständigen Aufsichtsbehörde. Diese teilte mit, eine „vorübergehende Geschäftsführung“ sei eingesetzt worden. Gesucht werde nun ein Investor, und zwar eine große russische Bank, die Trust übernehmen soll.

Wegen der westlichen Sanktionen gegen Russland und des Ölpreisverfalls hat der Rubel in diesem Jahr rund 45 Prozent seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren. Das setzt den Bankensektor unter Druck. Der Zinssatz, zu dem Banken untereinander sich Geld leihen, ist in den vergangenen Tagen stark gestiegen – ein Anzeichen für Nervosität und mangelnde Liquidität. Die Regierung will die Branche mit bis zu einer Billion Rubel (knapp 15 Milliarden Euro) stützen.

Russlands Sberbank dementierte derweil am Montag einen Bericht der Nachrichtenagentur Ria Novosti, sie habe die Vergabe von Konsumentenkrediten für Autos sowie von Hypothekenkrediten ausgesetzt. „Die Information über die Aussetzung ist nicht wahr“, teilte die Bank mit. Das Hypothekengeschäft habe für sie Priorität, ihre Tochter Cetelem vergebe auch weiterhin Autokredite. Ria Novosti hatte zuvor gemeldet, Anträge für derartige Kredite würden bis Ende Februar nicht mehr angenommen.

Viele Russen kauften sich zuletzt aus Angst vor einem weiteren Währungsverfall und steigenden Preisen Autos, Immobilien und Luxusgüter.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rubel-Krise: Russische Zentralbank muss erstes Institut retten"

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  • Warum solle der Rubel sich anders verhalten als der Euro oder der Dollar?

  • Der Rubel wird solange steigen, wie die russische Zentralbank Stützungskäufe unternimmt, die höher sind als der tägliche Abwertungsdruck. Ist das nicht mehr der Fall, weil das Geld ausgeht oder die Märkte stärker sind, wird der Rubel umso heftiger crashen.

  • Bankenrettung läuft bei uns doch täglich.
    Warum eine derartige Meldung zu Russland?
    Weil es bisher dort keine Bankenrettung gab, oder weil diese von den dortigen Leuen unverschuldet ist?

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