Sabine Lautenschläger
EZB-Direktorin fordert schrittweises Herunterfahren der Anleihenkäufe

EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger spricht sich für ein schrittweises Zurückfahren der billionenschweren Anleihenkäufe aus. Lautenschlägers Äußerungen bewegten die Märkte. Der Euro sprang zeitweise auf ein Tageshoch.
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StuttgartEZB-Direktorin Sabine Lautenschläger hat sich für einen langsamen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik der Euro-Notenbank ausgesprochen. „Ich denke, es ist Zeit, im nächsten Jahr graduell aber vollständig die Nettokäufe von Anleihen zurückzuführen“, sagte das Mitglied des sechsköpfigen Führungsteams der Europäischen Zentralbank (EZB) am Montag auf einer Veranstaltung in Stuttgart. Die Reihenfolge, in der die Euro-Notenbank ihre unkonventionellen Maßnahmen beenden werde, sei zudem klar. Erst werde der Nettoerwerb von Anleihen heruntergeschraubt. Die Schlüsselzinsen dagegen würden weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus niedrig bleiben.

„Was wir noch tun müssen, ist dieser Reihenfolge eine Zeitdimension zu geben“, sagte die EZB-Direktorin. Aus ihrer Sicht sei es wichtig, dass sich die Notenbank in Richtung Ausgang bewege. „Schritt für Schritt, aber stetig und in eine klare Richtung“, sagte sie. Lautenschlägers Äußerungen bewegten die Märkte. Der Euro sprang zeitweise auf ein Tageshoch von 1,1755 Dollar.

Die Geldpolitik bleibt aus Sicht der Notenbankerin aber weiterhin expansiv. Die sei auch deshalb der Fall, da die EZB die Erträge aus auslaufenden Anleihen wieder investiere. „Das Gesamtvolumen bleibt also zunächst konstant und mit ihm der expansive Effekt“, sagte sie. Darüber hinaus würden die üblichen Werkzeuge der Geldpolitik weiterhin wirken.

Die Euro-Notenbank hält ihre Leitzinsen schon länger auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Damit will sie für günstige Finanzierungsbedingungen sorgen. Banken müssen zudem Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der Notenbank Liquidität parken. Das schärfste Schwert der Euro-Wächter im Kampf gegen eine aus ihrer Sicht immer noch zu niedrige Inflation ist momentan aber das auf 2,3 Billionen Euro angelegte und in Deutschland umstrittene Anleihen-Kaufprogramm. Aktuell erwerben die Währungshüter Staatsanleihen und andere Wertpapiere im monatlichen Volumen von 60 Milliarden Euro.

Es könne darauf vertraut werden, dass die Inflation zum Ziel der Notenbank zurückkehre, sagte Lautenschläger. "Darum müssen wir uns aber auch Gedanken darüber machen, wie wir unsere unkonventionelle Geldpolitik beenden können", sagte sie. Die EZB strebt mittelfristig knapp unter zwei Prozent Teuerung für den Währungsraum an. Dies ist aber noch nicht erreicht. Im September lag die Teuerung gerade einmal bei 1,5 Prozent.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte signalisiert, dass die EZB auf ihrer nächsten Zinssitzung am 26. Oktober über die Zukunft ihrer billionenschweren Anleihenkäufe entscheiden wird. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Währungshüter ihre monatlichen Käufe ab Januar verringern werden. In Deutschland erwarten die führenden deutschen Forschungsinstitute, dass die EZB die Käufe 2018 binnen neun Monaten auslaufen lassen wird.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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