Schuldenkrise
Notenbanken sind zurück im Krisenmodus

Erinnerungen werden wach: Am dritten Jahrestag der Lehman-Pleite pumpen die Notenbanken der Welt Milliarden in die Märkte und versorgen Banken unbegrenzt mit Dollar. Achtung, Anleger: Beim Crash von 2008 war es genau so.
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FrankfurtDer nächste Coup der Notenbanken im Kampf gegen die Vertrauenskrise an den Märkten: Die wichtigsten globalen Zentralbanken wollen den Banken der Eurozone zusätzliche Dollar-Kredite gewähren und sie so bis ins kommende Frühjahr mit Dollar-Liquidität versorgen. Die Finanzinstitute bekommen bei Bedarf so viele Dollars wie sie wollen. Am Finanzmarkt sorgt die gemeinsame Aktion von EZB, Fed & Co. für ein Kursfeuerwerk.   

Wie die Europäische Zentralbank (EZB), die Federal Reserve in den USA sowie die Notenbanken von Großbritannien, Japan und der Schweiz am Donnerstag mitteilten, werden sie im Oktober, November und Dezember jeweils drei Monate laufende Dollar-Refinanzierungsgeschäfte auflegen. Diese ergänzen die bereits seit Mai 2010 laufenden wöchentlichen Dollar-Tender. Die erste Geldmarktoperation beginnt Mitte Oktober und läuft bis Anfang Januar. Der dritte und letzte Tender endet dann Anfang März. Alle drei Geschäfte würden zum Festzins bei voller Zuteilung an alle teilnehmenden Banken abgewickelt.

Am Finanzmarkt sorgte der Coup der Notenbanker für steigende Kurse vor allem von Finanztiteln. Der Leitindex Dax legte am Nachmittag zunächst 3,69 Prozent auf 5537,46 Punkte zu. Auch EuroStoxx und der europäische Bankenindex  zogen kräftig an. Der Euro legte ebenfalls kräftig zu. An der Pariser Börse verteuerten sich die Anteilsscheine von BNP Paribas sogar um 22 Prozent. Aktien von Societe Generale und Credit Agricole zogen um zehn Prozent an. In Frankfurt ging es für das Papier der Deutschen Bank ebenfalls um zehn Prozent nach oben.   

Hintergrund der Aktion waren Refinanzierungsprobleme am Dollar-Interbankenmarkt. Vor allem europäischen Kreditinstituten war es zunehmend schwer gefallen, sich Geld in den USA zu leihen. Ihre dortigen Geschäftspartner, vor allem US-Fonds, hatten zunehmend zögerlicher Geld nach Europa verliehen. Dollar waren zuletzt in Europa Mangelware, vor allem französische Geldhäuser hatten dem Vernehmen nach öfter Probleme. Damit wurde es für viele hiesige Banken zunehmend schwieriger sich zu refinanzieren. Grund für die Zurückhaltung war die Sorge, die europäischen Institute könnten aufgrund der Euro-Schuldenkrise in Schwierigkeiten geraten.

"Die Krise hat nicht so stark zugenommen, dass die Notenbanken etwas ganz Neues erfinden mussten", sagt Lutz Karpowitz, Devisen-Analyst der Commerzbank. Gleichwohl sei die konzertierte Aktion ein Zeichen für die große Unsicherheit im Markt. "Wenn es diese Unsicherheit nicht gäbe, würden die Banken, die Liquidität haben, diese nicht zurückhalten", sagt Karpowitz.

Dass der Geldmarkt nicht rund laufe, zeige sich schon länger daran, dass die Übernacht-Einlagen bei der EZB deutlich zugenommen haben. Nun drohe zudem ein Liquiditätsengpass in Dollar. "Vor diesem Hintergrund versuchen die Notenbanken jetzt rechtzeitig gegenzusteuern und den Geldmarkt zu beruhigen", sagt Karpowitz. "Es ist eine Beruhigungspille der Zentralbanken. Sie haben klar gemacht, dass jede Bank, die solide da steht, in jeder wichtigen Währung Liquidität erhält."

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Die Aktion erinnert an den Höhepunkt der Finanzkrise 2008

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  • Lächerlich, was hier zum Besten gegeben wird. Wie kann man nur so systemgläubig sein...?

    §1. Das Zinsgeld-System ist endlich! Es ist so eingeführt worden und dient einem bestimmten Zweck.

    §2. Gib mir die Welt +5%. Da dies nicht geht, siehe §1

  • Ich denke kha hat Recht. Wenn man den Politikern genau zuhört, dann ist die Lösung vorgezeichnet:

    Griechenland bleibt im Euroraum
    Es erfüllt alle Auflagen
    Die Banken werden unbegrenzt mit Liquidität versorgt
    Der Rettungsschirm kann ab Anfang Oktober auch Banken retten
    Das zusammgefasst meint es, wenn die G7 Staaten beschliessen, alles zu tun um den Euro zu retten
    Das Kontrolltrio reist erst am Montag nach Athen, damit das Ergebnis nicht vor Anfang Oktober vorliegen muss
    Nach Vorlage des Ergebnisses erklärt sich Griechenland zahlungsunfähig, da es zunächst keine weitere Rate aus dem rettungsschirm erhält
    es gibt einen Cut von 65-70%
    Gleichzeitig wird vom Rettungsschirm erklärt, dass Griechenland für die kommenden 5 Jahre nicht an den Kapitalmarkt muss, da nach dem Cut entsprechende Kreditlinien zur Verfügung stehen
    Ferner stehen Kreditmittel und weltweit koordinierte Rettungslinien (EK und FK) für die Banken bereit, die durch den Cut ins Wanken geraten (auch eine Chance zur Zwangskonsolidierung des overbankten europäischen Finanzmarkts)
    Griechenland erfüllt mit dem Cut auf einen Schlag die Maastrichtkriterien (60% BIP Verschuldung und eine deutlich geringere Neuverschuldung wegen geringerer Zinsverpflichtungen über den Rettungsschirm)
    Die Politik hat den Rückhalt der Bürger, weil die Banken über den Cut die Verluste erheblich mit tragen
    Die Glaubwürdigkeit der Eurozone als Währungsverbund mit eigenen Risiken, die sich realisieren können, ist zumindest teilweise wieder hergestellt
    Andere Schuldnerländer wissen, was ihnen blüht, wenn sie sich weiter verschulden
    Das könnte funktionieren..., aber
    was niemand einschätzen kann: wie hoch ist die Belastung durch Credit Default Swaps auf Griechenland? Können alle insoweit weltweit betroffenen Banken gerettet werden?
    Griechenland ist kein wirklich großer Schuldner. Vielleicht ist es den Versuch wert

  • "Die führenden Notenbanken fluten den Markt mit Dollar-Krediten"

    Die Beziehung Notenbank (Monopolist) - Finanzinstitute haben doch gar nichts mit einem "Markt" gemein. Könnte man die Marktfloskel im Zusammenhang mit derartigen Transaktionen nicht in Zukunft weglassen.

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