Schweizer Nationalbank
Interventionen sind „zentral“ für Geldpolitik

Strafzinsen, Devisengeschäfte, Interventionen: Für ihre Markteingriffe musste die Schweizer Nationalbank zuletzt schwere Kritik einstecken. Nun rechtfertigte sich Direktoriumsmitglied Andrea Maechler.

ZürichDie Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihre Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt unterstrichen, um einen weiteren Höhenflug des Franken zu verhindern. Dies sei neben den Negativzinsen eine „zentrale Säule“ der Geldpolitik, sagte SNB-Direktoriumsmitglied Andrea Maechler am Donnerstag laut Redetext auf einer Veranstaltung in Genf. Deutliche Schwankungen an den Finanzmärkten könnten zu einem starken Anstieg der Nachfrage nach Franken führen. „Für die Stabilisierung der Märkte spielt in diesem Fall unsere Bereitschaft, am Devisenmarkt aktiv zu werden, eine Schlüsselrolle“, betonte Maechler.

Zuletzt hatte die SNB im Juni ihre Interventionen öffentlich gemacht, als sich Griechenlands Schuldenkrise dramatisch zuspitzte. Damals hatte der Euro zum Franken an Wert verloren . Ein ähnliches Szenario könnte sich Experten zufolge in den kommenden Wochen ergeben, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer nächsten Zinssitzung im Dezember ihr Anleihenkaufprogramm massiv ausweitet oder gar die Zinsen senkt.

Maechler sagte, die Lage am Devisenmarkt habe sich noch nicht normalisiert, der Franken sei nach wie vor deutlich überbewertet. Um die Schweizer Währung zu schwächen, setzen die Währungshüter auf einen Strafzins von 0,75 Prozent auf Sichteinlagen der Banken bei der SNB. Dies sei jedoch kein gewöhnliches geldpolitisches Instrument und eine Folge der international tiefen Zinsen.

Maechler ergänzte, der aktuelle Preisrückgang in der Schweiz sei eine „vorübergehende Phase“. Anfang 2017 sollte die Inflation wieder positiv sein, bekräftigte sie. Eine Deflationsspirale sei nicht zu erwarten. Für das laufende Jahr geht die SNB von einem Preisrückgang von 1,2 Prozent aus.

Die Interventionen am Devisenmarkt haben den Fremdwährungsbestand der SNB auf 566 Milliarden Franken aufgebläht. Verluste auf diese Währungsreserven brachten der Notenbank in den ersten drei Quartalen einen Verlust von 34 Milliarden Franken. Das schmerzt vor allem die größten Eigentümer der Zentralbank: den Bund und die Kantone. „Die Erwirtschaftung und Ausschüttung von Gewinnen ist nicht der Zweck der SNB“, unterstrich Maechler.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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