Sitzungsprotokolle EZB diskutiert weitere Schritte zur Zinswende

Die Europäische Zentralbank will möglicherweise schon bald ihre Kommunikation anpassen und die Märkte an eine straffere Geldpolitik gewöhnen, wie aus den Protokollen der Dezember-Sitzung hervorgeht. Der Euro legt zu.
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Bald will der Rat der Notenbank über Änderungen in der Kommunikation sprechen. Quelle: dpa
Europäische Zentralbank in Frankfurt

Bald will der Rat der Notenbank über Änderungen in der Kommunikation sprechen.

(Foto: dpa)

FrankfurtInnerhalb der EZB nimmt die Diskussion über die nächsten geldpolitischen Schritte hin zur Zinswende Fahrt auf. Schon früh in diesem Jahr könnten sich die Währungshüter mit der Kommunikation ihrer geldpolitischen Ausrichtung und ihres geldpolitischen Ausblicks neu befassen, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll der Dezember-Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht.

Der Rat sei größtenteils der Auffassung, dass die Kommunikation graduell angepasst werden müsse, falls sich Wachstum und Inflation positiv entwickelten. „Die Formulierungen hinsichtlich der Ausrichtung der Geldpolitik und des geldpolitischen Ausblicks könnten Anfang des kommenden Jahres angepasst werden,“ heißt es. Die Euro-Notenbank machte zugleich klar, dass sie dabei Änderungen sehr behutsam vornehmen wird. Der geldpolitische Ausblick - die sogenannte „Forward Guidance“ - ist ein wichtiges Instrument der EZB, um Finanzmärkte frühzeitig auf kommende geldpolitische Schritte vorzubereiten.

Bislang kauft die EZB für monatlich 30 Milliarden Euro Anleihen der Euro-Länder. Im vergangenen Jahr lag das monatliche Volumen noch doppelt so hoch. Im Oktober hatte die EZB jedoch angesichts der guten Wirtschaftslage beschlossen, die Käufe ab Jahresbeginn zu reduzieren. Sie sollen aber noch bis mindestens Ende September 2018 fortgesetzt werden. Hochrangige EZB-Vertreter wie Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré haben aber bereits signalisiert, dass die Notenbank ihre Kommunikation schon deutlich früher ändern will. Der Zeitpunkt zum Jahresbeginn kommt für die Märkte dennoch etwas überraschend. Dies könnte ein Hinweis sein, dass die Käufe über den September hinaus nicht weiter verlängert werden. EZB-Präsident Draghi hat dies offen gelassen. Andere Ratskollegen von ihm wie Cœuré haben deutlicher gesagt, dass sie sich ein Ende im September wünschen.

Der Euro reagierte umgehend nach der Veröffentlichung der Protokolle und zog bis auf 1,2026 Dollar von zuvor 1,1940 an. „Der Markt interpretiert das so, dass die Notenbank den Wortlaut ihres Statements im Januar ändern könnte“, sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortlaut. "Der Hinweis zur möglichen Aufstockung oder Verlängerung der Anleihekäufe könnte gestrichen werden." Die nächsten Zinssitzungen der EZB sind am 25. Januar und am 8. März.

„Es wurde nahegelegt, dass sich die Kommunikation des EZB-Rats graduell mit der Zeit ändern sollte, um plötzliche und unerwünschte Entwicklungen bei den Finanzierungsbedingungen zu vermeiden,“ hieß es im Protokoll. Dabei wollen die Euro-Wächter an ihrer Schrittfolge nicht rütteln, die Zinserhöhungen erst nach Ende der Anleihenkäufe vorsehen. Der Leitzins liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Bislang stehen bei der EZB die billionenschweren Anleihenkäufe im Fokus. Sie hält zudem immer noch an der Klausel fest, dass sie die in Deutschland umstrittenen Käufe wenn erforderlich sogar erneut vergrößern oder verlängern könnte. An den Finanzmärkten wird damit allerdings nicht mehr gerechnet.

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