Spanien, Italien & Co
„Zombie-Banken“ der EZB bedrohen die Euro-Zone

Ökonomen warnen vor einem gefährlichen Trend in der Euro-Rettungspolitik: der zunehmenden Abhängigkeit europäischer Krisenbanken von der EZB. Am Ende könnte ein „Zombie-Banken-System“ entstehen, das ganz Europa bedroht.
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BerlinDie Abhängigkeit spanischer Banken von der Europäischen Zentralbank (EZB) steigt auf bedrohliche Höhen. 333 Milliarden Euro haben sich die Institute des Landes mit zwei Langfristtendern bereits bei der EZB besorgt, berichtet die Investmentbank Morgan Stanley. Insgesamt haben spanische Banken von der EZB Mittel über 402 Milliarden Euro erhalten. Das sind knapp elf Prozent der gesamten Bilanzsumme. Diese Kennziffer lag vor den beiden Langfristtendern bei weniger als 5 Prozent. Auf der anderen Seite gingen im Juli die Kundeneinlagen spanischer Banken um 74 Milliarden Euro zurück. Seit März haben die Kunden gar 147 Milliarden Euro abgezogen. Grund genug für Ökonomen, die Alarmglocke zu schlagen. Sie schließen inzwischen nicht mehr aus, dass sich Spanien unter den europäischen Rettungsschirm flüchten muss.

„Das großvolumige Refinanzieren der Banken durch den EZB-Rat hält schlechte Banken, die besser aus dem Markt ausscheiden sollten, künstlich über Wasser und ein Zombie-Bankensystem entsteht“, sagt Thorsten Polleit, Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management, im Gespräch mit Handelsblatt Online. Allenfalls im Zuge einer Politik, marode Banken aus dem Markt zu befördern, wäre die Refinanzierung durch die Zentralbank vielleicht zu rechtfertigen: Unprofitablen Banken müsse das Neugeschäft untersagt werden, sie müssten abgewickelt werden, unterstreicht Polleit.

Für Ökonomen wie Polleit steht außer Frage, dass die EZB mit ihren Liquiditätsspritzen am Ende Ländern wie Spanien einen Bärendienst erweist. Denn vermeintlichen Hilfen sind in Wirklichkeit eine große Mogelpackung, die es in sich hat und die Euro-Zone als Ganzes bedrohen.

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, spricht gar von einem "dramatischen Liquiditätsabfluss" und wertet dies als Ausdruck des Misstrauens in das spanische Bankensystem. "Dies kann nur durch eine klare Entscheidung der EZB für einen Anleihenaufkauf auch von spanischen Staatsanleihen aufgefangen werden", sagte Horn Handelsblatt Online. Dies stabilisiere zum einen die Banken direkt auf der Vermögensseite und zum anderen verschaffe es dem spanischen Staat günstigere Möglichkeiten sich zu refinanzieren.

"In einem solchen Rahmen besteht keine Gefahr eines Zusammenbruchs des spanischen Bankensektors mehr, und die Anleger würden zurückkehren", ist sich Horn sicher. Dieses Vorgehen der EZB setze aber voraus, dass Spanien sich unter den Rettungsschirm begebe, um die Auflagen zu erfüllen, die "hoffentlich in vernünftigerer Weise gestaltet" würden als für Griechenland.

Kommentare zu " Spanien, Italien & Co: „Zombie-Banken“ der EZB bedrohen die Euro-Zone"

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  • STOPPT DEN ESM!!!

    http://www.stop-esm.org/unterzeichner

  • Der gesamte EZB "Rettungsschirm" ist in der Realitaet nichts anderes als der von den von der Regierungen der Eurozone praktizierte vorsaetzlicher Raub der erarbeiteten Volksvermoegen. Diese hochkriminellen Handlungen, die realen Auspluenderungen der Volkswirtschaften sind per Gesetz auf Null zu stellen, die Banken zu verstaatlichen, alle Boersen sofort generell verbieten, Zinsen auf Null zu stellen, alle involvierten Personen und Gesellschaften sind voll zu enteignen, insbesondere die verantwortlichen Politiker.

  • Liebe Foristen: Gold kaufen!!!

    Herr Polleit ist Lobbyist der Degussa, Herr Belke hat erstaunlicherweise mehrere Artikel mit Herrn Polleit verfasst und Herr Burghof möchte italienischen Banken verbieten, italienische Staatsanleihen zu kaufen (würde übertragen z.B. auf Japan sofortigen Staatsbankrott bedeuten).
    Also kaufen Sie Gold!! Dann haben Sie keine bösen Euros mehr auf dem Festgeldkonto und tun sicher auch den aufgeführten "Experten" was gutes.

    Ob das allerdings für Sie im Gegensatz zu den "Experten" ein gutes Geschäft sein wird, steht auf einem anderen Blatt.

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