Staatsanleihen
EZB tüftelt an Details der Stützungskäufe

Mit seinem Versprechen, alles für den Erhalt des Euro zu tun, hat sich Notenbank-Präsident Mario Draghi weit aus dem Fenster gelehnt. Die EZB-Ökonomen nähern sich der finalen Version des Ankaufprogramms, Variante 2.0.
  • 15

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) will bei der Gestaltung ihres künftigen zweiten Staatsanleihenkaufprogramms die Chancen eines Gegenangriffs von Spekulanten so gering wie möglich halten. Statt konkrete Renditeobergrenzen für die Papiere einzelner Länder zu setzen, will der EZB-Rat offenbar Zinsbänder definieren, die er bei den Interventionen anpeilt, aber nicht veröffentlicht.

„Das ist eine der Optionen, die derzeit noch auf der Ebene der eingesetzten Arbeitsgruppen diskutiert wird und dann auch im Rat besprochen wird. Es ist der wahrscheinlichste und erfolgversprechendste Ansatz“, sagte ein mit den internen Diskussionen vertrauter Notenbanker zu Reuters. Ein anderer Insider bestätigte dies. Ein Sprecher verwies auf frühere Erklärungen der Notenbank, wonach Spekulationen über noch nicht getroffene Entscheidungen irreführend seien.

Ob die von der Notenbank anvisierten Zinsbänder etwa für spanische oder italienische Bonds absolut gelten oder aber den Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen markieren, sei noch nicht entschieden, hieß es. Das Anpeilen eines Zinsbandes hätte auf jeden Fall den Vorteil, dass Spekulanten nicht genau wüssten, ab welchem Niveau die EZB in den Markt eingreife und hielte zudem die Flexibilität der Notenbank hoch.

Sie kann dann nämlich je nach Lage an den Finanzmärkten intervenieren, gegebenenfalls das Zinsband verengen oder weiter machen und ist somit gegenüber dem Markt stets im Vorteil. Konkrete Renditeobergrenzen könnten, selbst wenn sie nicht publik gemacht würden, schnell von den Börsianern erkannt und getestet werden. Dann würde die ganze Operation für die EZB im schlimmsten Fall extrem teuer und womöglich ein Fass ohne Boden.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte Anfang des Monats ein zweites, schlagkräftigeres Anleihekaufprogramm angekündigt, um den Euro zu retten und überschuldeten Ländern zu helfen. Details werden zur nächsten EZB-Ratssitzung am 6. September erwartet, wenngleich zu diesem Zeitpunkt wichtige Rahmenbedingungen für die EZB noch unklar sind. Erst am 12. September entscheidet nämlich das Bundesverfassungsgericht, ob eine Beteiligung am permanenten Rettungsschirm ESM mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Wie von an den Verhandlungen beteiligten Personen zu erfahren war, sind zahlreiche Details noch nicht fest geklopft. So wird etwa weiter darüber debattiert, welche Anleihen gekauft werden - Draghi hatte angedeutet, dass es sich eher um kurzlaufende Papiere handeln dürfte. Zudem wird über die Bedingungen gestritten, die Länder erfüllen müssen, um gegebenenfalls in den Genuss einer EZB-Intervention zu kommen. Draghi hatte erklärt, ein Land müsse unter den Rettungsschirm schlüpfen, bevor die EZB am Sekundärmarkt aktiv würde. Dadurch wären bestimmte Bedingungen bereits definiert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Staatsanleihen: EZB tüftelt an Details der Stützungskäufe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Draghi wird im großen Stil Schrottanleihen kaufen!! Eine geplante geheime Zinsobergrenze wird es möglich machen. Seine Exkollegen, mit denen er immer noch aufs Engste verbandelt ist, werden verabredungsgemäß für ein ständiges Erreichen der Obergrenze sorgen. Sein Glaubensbruder Monti freut sich schon über eine rasche und umfassende Hilfe!! Natürlich wird die Vorgensweise alternativlos und auch geheim ablaufen. Parlamente sind nur hinderlich, und sie kennen ja auch nicht die geheime Zinsobergreze.Nicken dürfen sie.

  • Zitat:
    Unter Hochdruck arbeiten die Experten der Europäischen Zentralbank (Europas größte Bad Bank) an einem Hilfsprogramm für angeschlagene Euro-Staaten. Klar scheint, dass die EZB massiv Staatsanleihen der betroffenen Länder aufkaufen wird, um deren Zinsen zu senken. Doch über den genauen Weg sind sich die Währungshüter noch uneins.
    Zitat Ende:

    Natürlich will Goldman Sachs-Draghi dem ClugMed helfen; dafür sollen die Zinsen wie bei der (T)Euroeinführung wieder nivelliert werden.

    "Rendite europäischer Staatsanleihen (10-jährig)"
    http://www.markt-daten.de/charts/zinsen/staatsanleihen-eu.htm

    Damals wurden Blasen aufgebaut (Spanien/Irland) oder das Geld verkonsumiert (Griechenland).

    Draghi ist ja Italiener ...


  • Gesunder Menschenverstand:
    Habe ich kein Geld, kann ich nichts kaufen, sondern muß arbeiten und sparen bis ich es zusammen habe.
    Verbraucherverstand:
    Wozu gibts Dispos?
    Wirschaftsverstand:
    Ich habe eine gute Idee, die Ertrag und Arbeitsplätze schafft, zum Beispiel mit wirklich nützlichen Produkten (solls ja noch geben), habe dafür aber entweder gar kein Eigenkapital oder nur Kapital X.
    Also muß ich jemanden überzeugen, damit ich meine Idee finanzieren kann, oder es wird eben weder Produkt noch Arbeitsplatz geschaffen.
    Habe ich jemanden überzeugt, zahle ich dafür Zinsen und Tilgung. Das muß ich in meiner Preiskalkulation mit einbeziehen. Produkt wird verkauft, Arbeiter haben Arbeit, ich kann Kredit plus Zinsen zurück zahlen, Arbeiter können wieder was anderes kaufen, oder Miete zahlen, alles wird gut.

    Bankenverstand:
    Verleihe ich Geld, verdiene ich Geld, für den Geldverleih muß ich mir selbst Geld besorgen. Das kostet auch Geld und Zinsen. Verleihe ich zuviel, oder gehen viele Kunden mit ihren Projekten pleite, Bank auch pleite, zumindest zwangsläufig sehr sehr knauserig mit Krediten, diese müssen erstmal wieder sehen, selbst nicht pleite zu gehen.

    Staatsverstand:
    Alle Bürger und Firmen müssen arbeiten und Steuern zahlen. Keine Arbeit, weil Vater Staat zuviel von den Banken geholt hat, die sich auch zuviel geliehen haben und nun kein Geld mehr zum verleihen in die Wirtschaft haben, den Rest liest man hier jeden Tag.

    Spekulanten lass ich hier jetzt mal raus, wenn man sich tiefer ins System denkt, kommt man von selbst drauf, und genau das ist passiert. Und dadurch ist das notwendige Verleihspiel, bzw. der Verleihkreislauf in eine Verleihspirale ausgeufert.
    Wann die Spirale mal zu ende ist, entscheidet leider auch die Spekulation. Politik und Banken tun zur Zeit nichts anderes, als das in ein verträgliches Gleichgewicht zu bekommen. Und das richtet sich nach den politischen Willensbildungen mit ein bischen Psycho je nach "Verstand".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%