Staatsbankrott ohne Euro-Austritt Pleite nach Plan

Griechenlands Finanzlage wird immer prekärer. Doch eine schnelle Einigung mit den Gläubigern ist ungewiss. Niemand will eine Staatspleite, doch das Risiko besteht. Dies hätte nicht zwingend den Euro-Austritt zur Folge.
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Die überwältigende Mehrheit der Griechen ist für den Verbleib in der Euro-Zone. Quelle: dpa
Fahnen vor dem griechischen Parlament

Die überwältigende Mehrheit der Griechen ist für den Verbleib in der Euro-Zone.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Haltung der griechischen Bevölkerung zum Euro ist eindeutig. 72,9 Prozent wollen laut einer  repräsentativen Umfrage  der griechischen Zeitung „To Vima“ von Ende April die europäische Gemeinschaftswährung behalten. Dennoch steht die griechische Mitgliedschaft in der Währungsunion auf der Kippe, da der Regierung das Geld ausgeht. Die Finanzlage ist inzwischen so prekär, dass die Regierung die Städte per Gesetz gezwungen hat, ihre Geldeinlagen an die Zentralbank zu überweisen. Keiner der wichtigen Akteure will eine Staatspleite Griechenlands. Doch die Situation ist so komplex, dass dieser Fall dennoch eintreten könnte - und sei es durch einen Unfall.  

Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg rechnet inzwischen eine Mehrheit von Investoren, Analysten und Händlern mit einem Euro-Austritt Griechenlands. Es könnte jedoch sein, dass Griechenland in die Insolvenz geht – und trotzdem im Euro bleibt. „Ein griechischer Zahlungsstopp muss nicht zwangsläufig den Euro-Austritt bedeuten“, sagt Sylvain Broyer, Chefvolkswirt der französischen Investmentbank Natixis in Frankfurt.

Allerdings wäre ein solcher Spagat alles andere als einfach: „Wenn es dazu käme, müssten die  Euro-Länder die griechischen Banken rekapitalisieren“, sagt Broyer.  „Der Zahlungsstopp kann also auf keinem Fall einseitig von Tspiras entschieden werden.“

Mitte April berichtete die „Zeit“ darüber, dass die Bundesregierung  an einem Plan arbeite, Griechenland auch im Falle einer Staatspleite im Euro zu halten. Der Plan ziele darauf ab, die griechischen Banken soweit zu sanieren, dass sie auch nach einem Staatsbankrott an den Geldgeschäften der EZB teilnehmen können. Voraussetzung für ein solches Entgegenkommen sei aber, dass Griechenland kooperiere.

Bei einem solchen Szenario hängt alles vom griechischen Bankensektor ab. Seit Anfang Februar sind Hellas Banken von den normalen Refinanzierungsgeschäften der EZB ausgeschlossen und halten sich mit Ela-Notkrediten der griechischen Notenbank über Wasser. Die Banken bekommen die Kredite jedoch nur, wenn sie zumindest auf dem Papier solvent sind. Im Moment sind sie das noch, vor allem deshalb, weil in ihren Büchern hohe Forderungen gegenüber dem griechischen Staat stehen. Sobald dieser seine Rechnungen nicht mehr zahlt, werden sie wertlos.

Achillesferse: Griechische Banken
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30 Kommentare zu "Staatsbankrott ohne Euro-Austritt: Pleite nach Plan"

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  • Nee, bloß kein €-Austritt.
    Das wäre für die Griechen das Dümmste, was sie machen können.

    Bleiben sie im €, so gibt es in wenigen Jahren den nächsten Schuldenschnitt, also Schuldenerlass.
    Weil: die griechischen Spezis haben einen "negativen Primär-Überschuss", geben also dauerhaft mehr aus als sie einnehmen. D.h. sie bauen flux wieder neue Schulden auf.

    Wenn sie aber im € bleiben, wiederholt sich dieser wundersame Schuldenschnitt alle paar Jahre und die europäischen Steuerzahler bezahlen die neu aufgehäuften Schulden. Tolle Sache - aus Sicht der Griechen.

    Wie der Tsakifaki sagte: Deutschland zahlt immer, Deutschland zahlt in alle Ewigkeit

  • Ich verstehe die Welt nicht mehr , insbesondere die deutsche Regierung. Dieses Hick-Hack um den Verbleib Griechenlands im Euro ist doch nur mehr peinlich. Wie kann ein großes, wirtschaftsstarkes Land sich von so einem Schwächling solange an der Nase herumführen lassen? Skandalös! Und vonwegen 75% der Griechen möchten im Euro verbleiben...
    Griechenland hat eine Regierung gewählt , die u.a. den Euroaustrit beabsichtigt hatte. Also, nun bitte keine Krokodilstränen für das "arme" Griechenland. Die Milliarden, die deren Reeder im Ausland bunkern, würden sicher ausreichen, das ganze Dilemma vom Tisch zu wischen.
    Also Frau Merckel: Lassen Sie die Dinge laufen, die deutschen Steuermilliarden sind ohnehin für die nächsten Hundert Jahre nicht mehr einforderbar. Mit Ihrer derzeitigen Haltung gefährden
    Sie Ihre Wiederwahl gravierend und helfen der AfD.

  • und nebenbei werden wir planmäßig enteignet, und auf den großen krieg gestimmt, gell?

  • Mit der Übervölkerung, der Erderwärmung und der damit verbundenen Vökerwanderung sowie den Folgen des "Youth Bulge" wird sich Europa nicht nur mit dem Euro abgeben müssen, sondern für Frieden, Ordnung und Ernährung sorgen müssen. Es dürfte nur noch eine Frage von 15 bis 20 Jahren sein.

  • Na hoffentlich stirbt die Scheiss-EU. Je früher, je besser. Cheers.

  • Natürlich kann man das nicht bestreiten, - nur wenn man in Griechenland, als auch hierzulande, nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hat und eben beide Positionen und damit verbundene Alternativen nicht zuträglich sind in der generellen Behebung der Krise bringt es nichts, um Verdienste oder Schuldbekenntnisse zu verorten.

    WIR sollten unser Augenmerk auf die hiesigen dilettantischen politischen Protagonisten lenken, die aktuell den Wohlstand verramschen und die Republik in seiner Konstitution im Generellen ins Risiko bringen.

  • @ Herrn Alraun
    Man kann wohl nicht bestreiten, daß ein Volk seine jeweilige Regierung selbst wählt. Die Griechen haben sich für die jetzige Regierung Tsirpas mit großer Mehrheit entschieden und unterstützen diese nach wie vor. Zugleich ist unbestritten, daß die Griechen seit Jahrzehnten ihrem Staat die Zahlung von Steuern verweigern. Die Solidarität der europäischen Steuerzahler haben die Griechen daher nicht verdient.

  • hier aktuell gleich noch die "passende" Meldung:

    "Griechische Wirtschaft deutlich schwächer als erwartet" - hier im Handelsblatt zu finden

    Die Griechen werden also keine Probleme bekommen und Ihre Schulden bis auf den letzten Euro bedienen...... LOL

  • Wie bekloppt muss man eigentlich sein, dass man diesen Dreckseuro so favorisiert?
    Die gesamte Eurozone muss weg, sonst stirbt die EU.
    Schwachsinnige Gangster!

  • Es geht nicht darum ob irgend jemand etwas verdient hat aufgrund seines Verhaltens, am wenigsten die Griechen selbst. Das waren deren Volksvertreter. Und die sind schon lange nicht mehr in Amt und Würden.

    Aber unsere Volksvertreter sind noch in Amt und Würden, diejenigen die das ebenfalls verzapft haben. Und wir legitimieren sie wieder, Jahr um Jahr, ins Amt.

    Wir sind so bescheuert und bekloppt und haben nichts anderes "verdient".

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