Starker Franken
Schweizer Notenbank hält an Negativzinsen fest

Führende Schweizer Ökonomen sind sich einig: Die Nationalbank müsse an Negativzinsen festhalten, wolle sie den Franken weiter abschwächen. Freuen dürfte das vor allem die Industrie des Alpenlands.
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ZürichDie Schweizer Währungshüter dürften nach Ansicht von Experten angesichts der Konjunkturabkühlung bis in das kommende Jahr hinein an einem Zielzins unter null Prozent festhalten. Alle 30 Volkswirte erwarten bei der nächsten geldpolitischen Lagebeurteilung der Schweizerische Nationalbank (SNB) am 18. Juni ein Festhalten am Libor-Zielband von minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent, wie eine am Donnerstag veröffentliche Reuters-Umfrage ergab. Ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr dürfte die SNB kaum ändern. Im Schnitt gehen die Befragten davon aus, dass die Notenbank einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,8 Prozent veranschlagen wird. Im März war die Notenbank von einem BIP-Zuwachs von knapp einem Prozent ausgegangen.

Die Abschaffung der mehr als drei Jahre geltenden Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken im Januar führte zu einer starken Aufwertung der Schweizer Währung. Aktuell werden für die Gemeinschaftswährung 1,05 Franken gezahlt. Zu schaffen macht das vor allem den exportorientierten Industriebetrieben des Landes, deren Konkurrenzfähigkeit abnimmt weil sich ihre Produkte im Ausland verteuern. Im ersten Quartal brachen der Branche die Aufträge weg und die schockartige Frankenaufwertung würgte das Wachstum ab. Das Schweizer BIP schrumpfte erstmals seit dem dritten Quartal 2011 .

Zwar setzt die SNB darauf, dass sich der Franken dank der Negativzinsen abschwächen wird. SNB-Präsident Thomas Jordan und seine beiden Direktoriumsmitglieder wollen aber auch nach der Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze am Devisenmarkt eingreifen, falls wieder eine Geldwelle auf die Schweiz zurollen sollte .

Bei der Teuerung dürfte die SNB nach Ansicht der Ökonomen dieses Jahr im Mittel minus 1,0 Prozent veranschlagen und für das kommende Jahr von 0,5 Prozent Preisrückgang ausgehen.

Die Banken müssen nach Einschätzung der Experten noch länger mit einem Strafzins auf ihre Einlagen bei der SNB leben. Frühestens im Juni kommenden Jahres dürfte die Notenbank einzelnen Befragten zufolge den Abschlag von derzeit 0,75 Prozent reduzieren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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