Steigende Inflationsgefahr
Geldmenge im Euroraum schnellt in die Höhe

Im Oktober ist die Geldmenge im Euroraum überraschend deutlich gestiegen. Sie legte so stark zu wie seit April 2009 nicht mehr. Die Zahlen dürften die Bundesbank beunruhigen.
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Berlin/FrankfurtVor der letzten Zinssitzung der EZB in diesem Jahr sehen sich die Währungshüter mit langfristig steigender Inflationsgefahr konfrontiert. Das jährliche Wachstum der für die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank wichtigen Geldmenge M3 schnellte im Oktober auf 3,9 Prozent in die Höhe und war damit so stark wie seit April 2009 nicht mehr. Alle 33 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Analysten wurden von dem starken Anstieg auf dem falschen Fuß erwischt. Die Summe der Bankkredite an Firmen und Privathaushalte schrumpfte den Angaben vom Mittwoch zufolge mit 0,7 Prozent jedoch nicht so stark wie erwartet. Experten rätseln, ob die EZB angesichts der Rezession in der Euro-Zone den historisch niedrigen Leitzins von derzeit 0,75 Prozent weiter kappen wird oder still hält.

"Unter dem Strich dürfte der überraschend deutliche Anstieg der Geldmenge die EZB noch nicht ins Schwitzen bringen", meint Ökonom Thilo Heidrich von der Postbank. Die Wachstumsrate von 3,9 Prozent sei bei längerfristiger Betrachtung vergleichsweise niedrig. Der starke Anstieg in einem Monat begründe zudem noch keinen Trend. Auch spreche die noch immer extrem schwache Kreditvergabe gegen akute Inflationsgefahren, so dass die EZB, die am Donnerstag kommender Woche zu ihrer nächsten Ratssitzung zusammenkommt, die Zinsen in nächster Zeit durchaus senken könne.

Christian Schulz von der Berenberg Bank hält dagegen: "Dieser Anstieg dürfte insbesondere die Bundesbank beunruhigen, deren Einfluss auf die Zinsentscheidungen noch immer sehr groß ist." Aus den EZB-Daten sei herauszulesen, dass in der derzeitigen Vertrauenskrise viel Geld kurzfristig auf Bankkonten deponiert werde. Sobald das Vertrauen zurückkehre, werde es womöglich bereits in der zweiten Jahreshälfte 2013 massiv in den Finanzkreislauf strömen. "In Deutschland, das wirtschaftlich wesentlich besser dasteht als die Südländer, könnte dies einen Investitions- und Kreditschub auslösen - mit den entsprechenden Effekten für die Inflationsentwicklung", sagte Schulz.

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EZB dämpft Hoffnungen auf Zinssenkung

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  • @ tobi59
    Ihre Spareinlagen sind schon sicher, deren Wert aber nicht.
    Also keine Sorge, Sie werden im Alter, im Gegensatz zu vielen Griechen heut, nicht verhungern.
    Vielleicht gibt es dann Cürry-Wurst für alle, und umsonst!
    Wie wäre es damit, aus dem HB von heute: "Etwas Mut beim Investieren in Staatsanleihen hat italienischen Fußballspielern eine Rendite aus Kursgewinnen und Zinsen von 26 Prozent in rund zwölf Monaten eingebracht".

  • Sich um hypothetische Probleme von Morgen (Inflation) kümmern zu wollen und dafür die reale aktuelle Probleme (Jugendarbeitslosigkeit von 50% in vielen Euro-Ländern) zu ignorieren ist schon paranoid.
    Wie eine Zecke die man nicht los wird verhalten sich die deutsche Medien diesbezüglich.

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