Streit um Analystengebühren: Banken und Kunden weiterhin uneins

Streit um Analystengebühren
Banken und Kunden weiterhin uneins

Broker-Dienstleistungen und Analysen dürfen in Zukunft in Europa nicht mehr gebündelt werden - so will es ein in Kürze eintretendes Gesetz. Das Gesetz birgt dabei allerdings noch reichlich Diskussionspotential.
  • 0

Nur wenige Monate vor dem Tag, an dem Banken ihren Handels-Kunden keine Markt-Analysen mehr für umsonst überlassen werden, laufen noch immer Diskussionen zu den künftigen Preisen.

In Europa wird ein Verbot in Kraft treten, Broker-Dienstleistungen und Analysen miteinander zu bündeln. Daher hören sich Banken bei Vermögensverwaltern und Hedgefonds um, was diese womöglich zu zahlen bereit sind.

Vermögensverwalter berichten zum Beispiel davon, dass sie von JPMorgan Chase & Co. ein Basis-Paket von den Festverzinslichen-Analysten der Bank für 50.000 Dollar angeboten bekommen. Doch keine Bank will sich schon jetzt genau festlegen.

Deutsche Bank AG und Commerzbank AG preisen informierten Kreisen zufolge ein „Pay-As-You-Go”-Modell an, bei dem nur das zu bezahlen ist, was tatsächlich genutzt wird. Es sei für kleinere Investoren gedacht, die sich große, vorab zu zahlende Abos wohl weniger leisten könnten. Für die größten Hedgefonds sind indes All-Inklusive-Pakete im Angebot mit VIP-Analysten-Zugang, Rabatten bei Konferenzen und unbegrenzten Analysten-Notizen.

„Wir warten noch auf definitive Angaben der Banken dazu, wie viel und was man für bestimmte Preise bekommt“, sagt Richard Benson, Managing Director und Co-Chef für Portfolio-Investment bei Millennium Global Investments Ltd. in London. Die Firma verwaltet 14 Mrd. Dollar (13 Mrd. Euro).

Banken, die sehr wenig in Rechnung stellen, sehen sich womöglich Vorwürfen der Aufsicht ausgesetzt, sie würden das System manipulieren – während falsch angesetzte Preise wichtige Kunden vor den Kopf stoßen und deren Handelsgeschäfte zu anderen Unternehmen lenken könnten.

Der Druck auf die Margen ist in der Vergangenheit im Bereich Aktien und Anleihen bereits so stark gewesen, dass rund 11.500 Verkaufs,- Handels- und Analyse-Arbeitsplätze in den letzten sechs Jahren verloren gegangen sind, zeigen Daten von Coalition Development Ltd. Aktive Vermögensverwalter, die derzeit mit billigeren passiven Strategien zu kämpfen haben, fahren ihre Kosten zurück, etwa im Bereich der Analysen.

Die MiFID-II-Regulierung der Europäischen Union, die ab dem 3. Januar in Kraft tritt, soll Interessenskonflikte vermeiden, indem Vermögensverwalter dazu angehalten werden, die von ihnen gezahlten Handelsgebühren von Investment-Analysten-Kosten getrennt zu halten.

Dahinter stehen Sorgen der Aufsicht, dass Investoren ihre Geschäfte zu Händlern bei ihrem favorisierten Analystenhaus im Gegenzug für bevorzugten Zugang zu den besten Handelsideen leiten könnten, selbst wenn sie nicht den besten Deal für ihre Fonds-Kunden bekommen.

Die britische Financial Conduct Authority und die European Securities and Markets Authority sind auch der Meinung, dass der Mangel an Transparenz dazu führt, dass Investoren für Analysen zu viel ausgeben könnten, ohne dass das bestraft wird.

JPMorgan, Commerzbank und Deutsche Bank wollten auf Nachfrage von Bloomberg keinen Kommentar abgeben.

Der US-Berater Integrity Research schätzt, dass Investmentbanken derzeit ihren Kunden durchschnittlich effektiv 75.000 Dollar pro Jahr für den Zugang zu den Veröffentlichungen ihrer Analysten in Rechnung stellen. Er beruft sich auf Hochrechnungen auf Basis der Preissysteme der Banken und einer Umfrage unter rund 70 Unternehmen.

Die US-Boutique-Firma MoffettNathanson LLC, die ausschließlich Analysen mit Schwerpunkt auf den Sektoren Telekommunikation und Medien anbieten, verlangt jährliche Abo-Preise von 100.000 Dollar und mehr bei Telefon-Zugang zu den Analysten, wie Bloomberg aus informierten Kreisen erfuhr.

Das sind typischerweise Ausgaben, vor den Investoren womöglich zurückschrecken werden. Vermögensverwalter in Europa und den USA könnten in Erwartung der neuen Regulierung mehr als 300 Mio. Dollar aus externen Analyse-Budgets streichen. Diesen Schluss legt eine aktuelle Umfrage von Greenwich Associates unter Fondsmanagern nahe.

„MiFID 2 soll für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen und den kleinen Investoren helfen. Doch es hat den gegenteiligen Effekt, weil wir es uns nicht leisten können, so viel wie die größeren Firmen zu zahlen“, sagt Mark Holman, Geschäftsführer bei TwentyFour Asset Management LLP in London. Das Unternehmen verwaltet rund 5 Milliarden Pfund an Festverzinslichen-Aktiva.

Die Situation ergibt sich allerdings nur in Europa, da die USA keine Pläne für ähnliche aufsichtsrechtliche Anforderungen haben. Das könnte nach Meinung einiger Investoren und Händler dazu führen, dass Firmen einen Teil ihrer Geschäfte auf die andere Seite des Atlantiks verlagern, um die EU-Regeln zu umgehen.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Streit um Analystengebühren: Banken und Kunden weiterhin uneins"

Alle Kommentare
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%