Studie zu Europas Unternehmen
Deutsche Firmen bauen auf Bankkredite

Geschäftemachen in Europa: Bankkredite spielen für deutsche Unternehmen auch künftig eine übergeordnete Rolle. In anderen Ländern wünschen sich Firmen zusätzliche Finanzierungsquellen.
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FrankfurtDeutsche Unternehmen verlassen sich bei ihrer Finanzierung auch in Zukunft stärker auf Banken als Firmen in anderen europäischen Ländern. Europaweit wünschen sich vier von fünf Unternehmen in einer Umfrage der Wirtschaftskanzlei Allen & Overy zusätzliche Finanzierungsquellen wie Versicherer und Pensionsfonds. Dagegen hält sie in Deutschland nur ein Drittel der Firmen für nötig. „In Deutschland profitieren die Unternehmen von einem sehr leistungsfähigen Bankensektor“, sagt Senior Partner Neil George Weiand der Nachrichtenagentur Reuters. „Daher ist das Volumen der Bankfinanzierung hier sogar noch leicht gestiegen.“

Europaweit hat die Bedeutung alternativer Finanzierungsquellen für die Kreditvergabe in den vergangenen Jahren zugenommen, wie aus der Studie hervorgeht, die Reuters seit Montag vorliegt. 44 Prozent der Firmen nennen inzwischen europaweit alternative Finanzierungen als Hauptquelle ihres Finanzbedarfs, nur 40 Prozent bestreiten mehr als die Hälfte davon mit Bankkrediten. Und 47 Prozent der befragten Finanzchefs gehen davon aus, dass alternative Geldquellen in den nächsten fünf Jahren wichtiger für sie werden. Der US-Markt für solche Platzierungen ist mit 50 Milliarden Dollar im Jahr dreimal so groß wie der europäische.

Allerdings zeigen sich deutliche nationale Unterschiede. In Spanien und den Benelux-Staaten bleibt der Bankkredit ebenso wie in Deutschland die hauptsächliche Finanzierungsquelle, Firmen in Italien und Großbritannien haben sich deutlich anderen Quellen zugewandt. Die Finanzierung über den Kapitalmarkt macht in Deutschland, Frankreich und Italien jeweils rund ein Viertel des Marktes aus, europaweit sind es nur 16 Prozent.

Auch der etablierte Schuldschein-Markt, der deutschen Firmen relativ leichten Zugang zu Finanzmitteln gibt, trägt laut Weiand dazu bei, dass alternative Anbieter kaum ein Bein auf den Boden bekommen. Doch er stehe nicht allen offen. „Es geht hier auch um die Liquiditätsversorgung von Unternehmen, denen die kritische Größe fehlt. Die Begebung eines Schuldscheins setzt in der Regel ein Investment-Grade-Rating voraus.“ Als Zugpferd für die neuen Finanzierungsformen falle der deutsche Mittelstand daher wohl aus. „Aber Deutschland wird sich opportunistisch verhalten und die neuen - wenn auch nicht aktiv nachgefragten - Möglichkeiten nutzen, wenn sie sich ergeben.“

Eine wichtige Rolle bleibe den Banken aber auch künftig, glaubt Anwalt Weiand - die des Arrangeurs und eines Puffers zu den neuen Finanzquellen. Denn direkt mit den neuen Kreditgebern verhandeln wollten viele Firmen nicht. „Die meisten Unternehmen wünschen keinen direkten Kontakt zu den Nichtbanken. Sie wollen die Kontrolle behalten, wer unmittelbar Gast auf ihrer Bilanz ist.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Deutsche Firmen bauen auf Bankkredite

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    Würden diese Firmen aber so wie es die Deutsche Bundeskanzlerin als Erfolgsformel angibt...

    NUR SOVIEL AUSZUGEBEN WIE MAN ES EINNIMMT...

    und man sich an einem gewissen Geldpolster zurück zu erhalten für eventuell noch schlechtere auf uns zukommende Zeiten sich aufhebt...

    dann würde man weder Investitionen betreiben ...noch Kredite aufnehmen.

    Fraglich ist aber auch wieso man in frage stellt dass etwa im Süden Europas so viele Hochschulabsolventen gibt...und gleichzeitig sich diese Länder überlegen sollen warum diese solch eine Hohe Arbeitslosigkeit haben...

    wo noch vor etwa 10 Jahren man sich innerhalb der " EU " beklagte dass sich der Süden Europas um mehr Qualifikation bemühen müsse.

    MIT ABITUR bekommt man heute keinen Arbeitsplatz mehr...

    was sollen dann Realschüler oder Hauptschüler...

    für Zukunftsperspektiven haben ?

    Schon 1974 haben Männer mit Abitur sich auf Müllwagen der Städtischer Müllabfuhr in Lissabon/Portugal sich sein Brot verdient...was wäre wenn diese nicht einmal die Abitur gehabt hätten ?

    Selbst in Deutschland ist der Durchschnitt von mancher " GUTER ABITURIENT/in " NICHT AUSREICHEND UM EINEN ARBEITSPLATZ zu bekommen.

    In Deutschland beklagt man sich über Hauptschul-ABBRECHER...und wie diese keinerlei perspektiven für dessen eigenen Zukunft hätten...aber den Süden stellt man überlegungsfragen warum man solch eine hohe zahl von Hochschulabsolventen hätte und gleichzeitig eine solche hohe anzahl an arbeitslose Jugend ?

    Was wäre wenn diese Jugend nicht einmal gebildet wäre und etwa wie in Deutschland von vorne herein als Hauptschule-ABBRECHER DIREKT DANACH ZUM HARTZ4 EMPFÄNGER ÜBERGEGANGEN WÄRE ???

    Diese " heutige EU " wird in den nächsten 20 Jahre sich zurück in die Steinzeit zurück bilden....

    Wirtschaftlich...im Gesundheitswesen...in allem.




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