Tagung der Währungshüter
Wiederaufbau von Vertrauen in die Bilanz hat Vorrang

Danièle Nouy, Chefin der neuen Bankenaufsicht für die Euro-Zone, braucht 800 Experten für das Durchforsten von 128 Banken. Doch zunächst will die französische Finanzexpertin die Transparenz von Bankenbilanzen fördern.
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WienDanièle Nouy, Chefin der neuen Bankenaufsicht für die Euro-Zone, hat keine leichte Aufgabe. „Unsere erste und dringendste Herausforderung ist das Wiederaufbauen von Vertrauen in die Bilanzen“, sagte Nouy auf einer gemeinsamen Tagung der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Weltbank in Wien am Montag. Als dringende Aufgaben formulierte die französische Finanzexpertin die Transparenz von Bankenbilanzen zu fördern, gegebenenfalls auch Bilanz mit entsprechenden Maßnahmen zu reparieren sowie das Vertrauen zu stärken, um die Kreditvergabe in der Eurozone zu reaktivieren.

Insgesamt sollen 760 Bilanzen von 128 Banken in der Euro-Zone durchleuchtet werden. Für die neue Aufsichtsbehörde ist das Schwerstarbeit. Es werden 800 Experten gebraucht. Es gebe bereits 8.000 Bewerbungen. „Es gibt keine Knappheit an Talenten“, sagte die frühere Expertin der französischen Nationalbank.„Die Aufsicht braucht einen europäischen Blick“, forderte Nouy in Wien. Die Französin betonte den Anspruch, möglichst effektiv zu arbeiten. Die Politikwissenschaftlerin leitet seit Januar die neue bei der Europäischen Zentralbank angesiedelte Bankenaufsichtsbehörde, auch als Single Supervisory Mechanism (SSM) bekannt. Die zentrale Bankenaufsicht in Europa soll im Herbst die Großbanken mit einer Bilanzsumme von mehr als 30 Milliarden Euro kontrollieren.

Axel Weber, Verwaltungsratspräsident der schweizerischen Großbank UBS, begrüßte die Errichtung des SSM. „Die Kontrolle der europäischen Banken ist aus Sicht einer internationalen Bank hochwillkommen“, sagte der frühere Bundesbank-Chef. Allerdings warnte Weber davor, über die Stresstests noch mehr Druck auf die Banken auszuüben. Weber sah vor allem die in Mittel- und Osteuropa engagierten Banken als fragil an. Er forderte einen differenzierten Blick auf die Bilanzen gerade internationaler Banken. Er verwies darauf, dass beispielsweise die UBS von ihren 60.000 Beschäftigten zwei Drittel außerhalb der Schweiz beschäftigt.

Ein Thema der Tagung ist auch eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die EZB. Derzeit spielt die Bank nach Angaben des EZB-Vizes Vítor Constâncio verschiedene Inflationsszenarien durch. „Wir sind überzeugt, dass sich die Inflation auf einem niedrigen Niveau bewegen wird“, sagte der frühere Chef der Banco de Portugal. Entscheidend sei die Prognose der EZB-Volkswirte für mögliche Maßnahmen.

Ewald Nowotny, Chef der österreichischen Nationalbank und EZB-Ratsmitglied, bemerkte hingegen, dass beim nächsten EZB-Treffen im Juni über geeignete Maßnahmen gegen Deflationstendenzen gesprochen werde. „Wenn man der Meinung ist, man braucht hier neue Maßnahmen, ist es wahrscheinlich vernünftig, ein Paket zu schnüren“, sagte Nowotny. Er hält eine Zinssenkung nicht für ausreichend.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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  • Diese Frau würde sich gut in einer Geisterbahn machen.

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