Terminkalender veröffentlicht
EZB schränkt Investorentreffen ein

Die EZB-Direktoren haben sich vor wichtigen geldpolitischen Entscheidungen mit Bankvertretern getroffen, die dadurch möglicherweise einen Vorteil hatten. Nun verbannt die EZB die brisanten Termine aus ihrem Terminkalender.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) schränkt ihre Treffen mit Banken und Vermögensverwaltern in den Tagen und Stunden vor geldpolitischen Entscheidungen ein. Das zeigt der Terminkalender, den die EZB gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg offenlegte.

Im November räumte die EZB ein, sich kurz vor wichtigen geldpolitischen Entscheidungen mit Bankern und Managern aus der Finanzwirtschaft getroffen zu haben. Die Treffen fanden zum Teil zu einem Zeitpunkt statt, zu dem ihnen öffentliche Diskussionen über geldpolitische Themen untersagt waren. Einzelne Finanzinstitute hatten dadurch möglicherweise einen Vorteil.

Der heute veröffentlichte Terminkalender zeigt, dass die EZB gegen den Eindruck vorgehen will, sie gebe wichtigen Banken einen Zugang zu markrelevanten Informationen. In den letzten Monaten hat die Zentralbank ihre Verhaltens- und Offenlegungsvorschriften verschärft. 

Wie aus den Terminkalendern hervorgeht, hatten EZB-Präsident Mario Draghi, Vizepräsident Vitor Constancio und die Direktoriumsmitglieder Peter Praet, Benoit Coeuré und Yves Mersch in den sieben Tagen vor der Ratssitzung keine Treffen mit Vertretern der Finanzwelt.

Vor ein paar Monaten sah dies noch anders aus: Im Mai hatte es Ärger gegeben, weil EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré bei einer nicht öffentlichen Rede bei einem Dinner vor Hedgefonds-Managern in London über eine Ausweitung der EZB-Anleihekäufe vor den Sommermonaten gesprochen und damit starke Kursbewegungen an den Finanzmärkten ausgelöst hatte. Die anderen Marktteilnehmer erfuhren erst am folgenden Morgen von den Aussagen und konnten damit nur verspätet reagieren.

Die heute veröffentlichten Terminkalendereinträge deuten darauf hin, dass die Direktoriumsmitglieder die Richtlinien einhalten, wonach sie sich sieben Tage vor Entscheidungen nicht zu geldpolitischen Themen äußern sollen.

Laut Kalender habe es zwar keine Treffen mit Fondsmanagern oder Hedgefonds während der so genannten Schweigeperiode gegeben, im September und Oktober hatten aber Direktoriumsmitglieder durchaus Termine mit Fondsgesellschaften. So enthielt zum Beispiel der Kalender von Direktoriumsmitglied Coeuré Treffen mit Moore Europe Capital Management, Paulson & Co und Algebris Investments. Laut EZB hat er bei all diesen Terminen über "Finanzmarkt-Entwicklungen" gesprochen. Sprecher der beteiligten Firmen äußerten sich zunächst nicht.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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