Thomas Mayer zu Euro und Parallelwährung
Griechenland könnte Montenegro nacheifern

Der frühere Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer hat 2012 eine Parallelwährung für Griechenland empfohlen. Im Interview bringt er noch eine neue Variante ins Spiel, wie Griechenland den Euro weiterführen könnte.
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FrankfurtAls Thomas Mayer 2012 eine Parallelwährung für Griechenland vorschlug, war er Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Damals zeichnete sich ein Wahlsieg der Syriza-Partei ab. Da er sich nicht vorstellen konnte, dass sich die Linksradikalen mit den internationalen Gläubigern einigen könnten, wollte Mayer eine Alternative aufzeigen. Inzwischen regiert die Syriza-Partei unter ihrem Chef Alexis Tsipras tatsächlich und es wird wieder über eine Parallelwährung diskutiert.

Herr Mayer, Sie haben schon vor Jahren eine Parallelwährung für Griechenland vorgeschlagen. Kommt die jetzt wirklich?
Der Vorschlag ging davon aus, dass Griechenland zahlungsfähig bleibt. Das könnte sich jetzt ändern. Trotzdem könnte Griechenland den Euro behalten.

Wie soll das dann funktionieren? Wenn sich die Griechen am Sonntag im Referendum gegen den Vorschlag der Gläubiger aussprechen, führt wohl kein Weg am Euro-Austritt vorbei.
Griechenland könnte den Euro als Fremdwährung weiterführen. Ähnlich macht das zum Beispiel Montenegro, das auch keine eigene Währung hat. Es nutzt den Euro, ohne Mitglied der Währungsunion zu sein. Die Banken dort kommen ohne die Refinanzierung durch die EZB aus.

Griechenlands Banken brauchen aber doch auf jeden Fall viel Geld. Woher soll das kommen?
Die griechische Zentralbank hat den heimischen Banken über Ela-Kredite rund 90 Milliarden Euro geliehen - andererseits hat sie rund  100 Milliarden Euro Verbindlichkeiten im internen Verrechnungssystem der Euro-Zentralbanken (Target).  Bei Zahlungsunfähigkeit könnte sie ihre Target-Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen und das Geld dafür nutzen, die eigenen Banken zu rekapitalisieren. Griechenland käme dann ohne die EZB aus.

Die EZB verzichtet auf 100 Milliarden Euro?
Das Geld hat sie ohnehin schon gegeben. Es ist weg.

Kommentare zu " Thomas Mayer zu Euro und Parallelwährung: Griechenland könnte Montenegro nacheifern"

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  • @Herr C. Falk

    Nach meinem Kenntnisstand gehören beide zum gleichen Verlag, die Moderation der Kommentare könnte also kostensparend zusammen gelegt werden.
    Oder spräche ein internes Kompetenzproblem dagegen?!

    Ich habe eindeutig festgestellt, das absolut gleich lautende scharfe Kommentare auf identische Artikel in der Wirtschaftswoche ignoriert und im Handelsblatt moderiert bzw. ganz gelöscht wurden. Im Prinzip der gleiche “Verein“, aber mit unterschiedlich ausgelegter Netiquette.

  • ein Target-Schuldsaldo kann doch wohl nur entstehen, wenn mehr Kapital ins Ausland fleißt, als von dort reinkommt bzw. mehr importiert als exportiert wird. Die EZB hat somit Forderungen gegen die griechische Nationalbank. Ob die Nationalbank noch Reserven hat, läßt sich aus dem Target-Saldo nicht ersehen. Wenn die EZB die Forderung abschreiben muß, ist aber davon aus zu gehen, dass keine verwertbaren Werte vorhanden sind. Die EZB schreibt also z.L. des Gewinns oder des EK ab. Die grieschische Nationalbank "schreibt" ihre Verbindlichkeiten auch ab, da sie aber auch die Forderungen massiv abschreiben muß, entsteht ihr kein Gewinn. Wo da was in der Volkswirtschaft verbleibt, erschließt sich mir nicht.

  • Dieses phantasielose Herumgemache der europäischen Politiker von Merkel über Juncker bis Tsipras ist wirklich erbärmlich.

    Thomas Meyer ist zuzustimmen. Es gibt noch ganz andere Möglichkeiten mit der entstandenen Krise rational umzugehen.

    Auf das Beispiel Montenegro habe ich schon vor Tagen hingewiesen, wie ein europäischer Staat, der weder EU-Mitglied ist noch der Euro-Zone angehört, diese Währung erfolgreich benutzt

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