Trotz Chef-Wechsel
Bank von England bleibt geldpolitisch auf Kurs

Die Bank von England hat einen neuen Chef, doch der wird das geldpolitische Steuer wohl kaum in nächster Zeit herumreißen. Erst in ein paar Monaten trauen Experten dem Neuen zu, eigene Akzente zu setzen.
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LondonDer neue britische Notenbankgouverneur Mark Carney verzichtet auf einen furiosen Start ins Amt. Bei der ersten Zinsentscheidung unter seiner Führung bestätigte die Bank von England am Donnerstag ihren Leitzins bei 0,5 Prozent. Auch die Staatsanleihenkäufe, mit denen die Zentralbank versucht hat, mehr Geld in die darbende Wirtschaft zu pumpen, werden vorerst nicht ausgeweitet. Volkswirte hatten damit gerechnet, dass Carney zu Beginn seiner Amtszeit noch keinen eigenen Akzent setzen wird. Der Kanadier ist seit dem 1. Juli im Amt und folgt Mervyn King, der zehn Jahre an der Spitze der Zentralbank stand.

Allerdings ließ Carney im Anschluss an den Beschluss der Zentralbank einen Begleitkommentar veröffentlichen - ein recht ungewöhnlicher Schritt. Er warnte darin davor, dass der jüngste Anstieg der Anleiherenditen den Konjunkturausblick und die Einschätzung der Notenbank hinsichtlich der Teuerung negativ beeinflussen könne. „Der Anstieg der Marktzinsen ist nach Ansicht des Komitees angesichts der jüngsten Entwicklungen der heimischen Konjunktur nicht gerechtfertigt.“ Im August werde die Notenbankspitze zudem darüber beraten, wie sie den Investoren bessere Hinweise auf ihre künftigen Schritte geben kann. Analysten begrüßten dies.

In der Londoner City drehte der richtungsweisende Gilt-Future nach Bekanntgabe des Zinsentscheids der BoE ins Plus und stieg um 43 Ticks auf 112,78 Zähler. Das britische Pfund fiel dagegen zum US-Dollar auf ein Tagestief von 1,5107 Dollar. Der Euro stieg bis auf 86,15 Pence und damit auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Monaten. Der Leitindex der Londoner Börse baute seine Gewinne aus und lag zuletzt 1,8 Prozent höher bei 6346 Zählern.

Für die kommenden Monate rechnen nicht wenige Fachleute damit, dass Carney die Notenpressen erneut schneller rotieren lassen und noch mehr Anleihen aufkaufen könnte. Unter Carneys Vorgänger King hat die Bank von England bislang insgesamt für 375 Milliarden Pfund Bonds gekauft. Ob sich der neue starke Mann in London auch tatsächlich dafür entscheidet, noch mehr Geld in die Hand zu nehmen, dürfte von den Konjunktur-Daten abhängen. Diese sprachen zuletzt eher gegen eine weitere Lockerung der Geldpolitik: So wuchs beispielsweise die britische Industrie im Juni so stark wie seit mehr als zwei Jahren nicht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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