Trotz EZB-Entscheid
Schweizer Notenbank rüttelt wahrscheinlich nicht an Referenzzins

Die Schweizer Notenbanker wollen einen Höhenflug des Franken unbedingt vermeiden – doch die lockere EZB-Politik macht es ihnen schwer. Experten rechnen dennoch damit, dass die SNB nicht so schnell am Leitzins rüttelt.

ZürichDie Schweizer Nationalbank wird nach Einschätzung von Experten trotz der lockeren Geldpolitik der EZB vorerst nicht an ihrem Referenzzins rütteln. 19 der 27 von Reuters befragten Volkswirte erwarten, dass die Währungshüter bei ihrer Lagebeurteilung am 10. Dezember an dem Libor-Ziel von minus 0,75 Prozent festhalten. Dafür hat die SNB eine Spanne von minus 0,25 bis minus 1,25 Prozent ausgegeben. Nur knapp ein Drittel rechnet damit, dass die Notenbank die Negativzinsen ausweitet. Diese sind für die SNB ein wichtiges Instrument im Kampf gegen eine weitere Aufwertung des Franken, um die Wirtschaft zu stützen.

Großen Einfluss auf die künftige Schweizer Geldpolitik dürfte das weitere Vorgehen der Europäischen Zentralbank haben: Viele Börsianer erwarten, dass die EZB ihre Geldschleusen noch weiter öffnet, etwa indem sie ihr Anleihenkaufprogramm ausweitet oder die Strafzinsen für Banken erhöht. Das wiederum könnte den Euro im Vergleich zum Franken unter Druck bringen – und folglich die SNB auf den Plan rufen. Denn sie will einen weiteren Höhenflug des Franken verhindern und setzt dafür unter anderem auf tiefere Zinsen als in der Eurozone. Eine weitere Zinssenkung der SNB am kommenden Donnerstag erwarten allerdings nur acht der 27 Experten. Zudem rechnen die Experten weiterhin mit Strafzinsen für die Einlagen der Banken bei der Notenbank. Diese liegen derzeit bei minus 0,75 Prozent.

Die SNB hat zudem angekündigt, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren: Dabei kauft sie beispielsweise Euro, um den Franken zu schwächen. Die von Reuters befragten Volkswirte erwarten im Mittel, dass sich die SNB ab einem Euro-Kurs von 1,05 Franken zu solchen Schritten genötigt fühlt. Derzeit kostet ein Euro gut 1,08 Franken. Nachdem die SNB im Januar nach mehr als drei Jahren ihre Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken aufgegeben hatte, war die eidgenössische Währung zum Euro kräftig gestiegen. Zeitweise lag ein Euro bei 0,85 Franken.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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