Trotz steigender Preise Londoner Notenbank tastet Leitzins nicht an

Seit dem Brexit-Votum steigen die Preise in Großbritannien kontinuierlich – dennoch hat sich die Londoner Notenbank am Donnerstag gegen eine straffere Geldpolitik entschieden. Der Leitzins wurde nicht verändert.
Update: 14.12.2017 - 16:36 Uhr Kommentieren
Die Londoner Notenbank reagiert nicht auf die steigenden Preise: Der Leitzins bleibt unberührt. Quelle: Reuters
Bank of England (BoE)

Die Londoner Notenbank reagiert nicht auf die steigenden Preise: Der Leitzins bleibt unberührt.

(Foto: Reuters)

London

Trotz kräftig steigender Preise im Sog des Brexit-Votums hält die Londoner Notenbank vorerst die Füße still. Die Bank of England (BoE) entschied am Donnerstag, den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geldinstitute bei 0,5 Prozent zu belassen. Die Entscheidung fiel einstimmig.

Die Währungshüter äußerten sich zugleich zuversichtlich, dass ein ungeordneter EU-Ausstieg durch die jüngsten Fortschritte bei den Brexit-Gesprächen weniger wahrscheinlich geworden sei: "Dies dürfte das Vertrauen der Verbraucher und Firmen stärken." Unerwartet gute Einzelhandelsdaten aus dem Weihnachtsgeschäft stützten den Optimismus der Notenbank. Die Umsätze legten im November um 1,6 Prozent zu. Keiner der von Reuters befragten Experten hatte ein solch dickes Plus auf dem Zettel.

Die Notenbank hat den Leitzins Anfang November von dem historisch niedrigen Wert von 0,25 Prozent auf das jetzt gültige Niveau gehievt - der erste Schritt nach oben seit zehn Jahren. Sie reagierte damit auf die ausufernde Inflation: Seit dem EU-Austrittsvotum vom Juni 2016 hat das Pfund deutlich abgewertet, was Importe verteuert und so die Preise anheizt. Mittlerweile ist die Teuerungsrate mit 3,1 Prozent weit über die Zielmarke der BoE von zwei Prozent hinausgeschossen. Eine straffere Geldpolitik stärkt tendenziell die Währung und dämpft den Preisauftrieb.

Die BoE signalisierte nun "weitere moderate Zinserhöhungen" in den kommenden Jahren, falls die Konjunktur auf Kurs bleibe. Notenbankchef Mark Carney hatte den Kurs jüngst konkret abgesteckt und von zwei Schritten nach oben in den nächsten Jahren gesprochen. Doch der für März 2019 geplante EU-Austritt des Vereinigten Königreichs, dessen handelspolitische Auswirkungen noch nicht absehbar sind, hängt wie ein Damoklesschwert über der britischen Wirtschaft.

Die konservative Premierministerin Theresa May will ihre Kollegen aus den anderen Ländern auf dem laufenden EU-Gipfel überzeugen, in die zweite Phase der Brexit-Gespräche einzutreten. Sie geht jedoch geschwächt in die nächste Runde: Die Abgeordneten des Unterhauses in London haben mit knapper Mehrheit beschlossen, das Parlament über die endgültige Austrittsvereinbarung entscheiden zu lassen. Mays Lager hatte sich vergeblich gegen ein solches Veto-Recht der Abgeordneten gestemmt. Dadurch wird nach Ansicht der Regierung der Zeitplan zur rechtzeitigen Verabschiedung der Brexit-Gesetze enger. An dem Vorhaben, den 29. März 2019 als Austrittstermin gesetzlich festzuschreiben, werde aber nicht gerüttelt, sagte ein Sprecher der Premierministerin.

  • rtr
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