Trump will sich bis November entscheiden
Fünf Kandidaten für das Amt des Fed-Chefs übrig

US-Präsident Donald Trump will am 3. November einen neuen Kandidaten für die Leitung der US-Notenbank Fed vorschlagen. In der Auswahl sind offenbar nur noch fünf Kandidaten – darunter auch Amtsinhaberin Janet Yellen.
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New YorkAm 3. November soll es so weit sein: Dann schlägt US-Präsident Donald Trump einen neuen Kandidaten für die Leitung der US-Notenbank (Fed) vor, wie das „Wall Street Journal“ erfahren hat. In der Auswahl sind offenbar definitiv nur noch fünf Kandidaten: Janet Yellen, die bisherige Chefin, Fed-Gouverneur Jerome Powell, die Professoren Kevin Warsh und John Taylor von der Stanford Universität und Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn.

Wer hat die größten Chancen? Diese Frage wurde in den vergangenen Wochen unterschiedlich beantwortet – je nachdem, wer gerade am Eingang des Weißen Hauses gesichtet wurde. Trump hat mit allen fünf Kandidaten in der letzten Zeit mindestens ein persönliches Gespräch geführt, zuletzt auch mit Yellen.

Rein wirtschaftlich und auch für Trumps Politik wäre es die beste Wahl, Yellen eine zweite vierjährige Amtszeit ab Februar 2018 zu gönnen. Sie hat sehr große Erfahrung, ist angesehen und überaus vorsichtig bei der Normalisierung der Geldpolitik, um die gute US-Konjunktur nicht zu gefährden.

Für einen US-Präsidenten, der den Wählern Wachstum versprochen und sich mehrfach für niedrige Zinsen ausgesprochen hat, wäre das eine gute Perspektive. Das Problem ist nur: Yellen gilt als Demokratin und ist daher bei den Republikanern, also Trumps Partei, unbeliebt. Außerdem würde sie bei der Deregulierung der Finanzbranche möglicherweise mehr Widerstand leisten als einige der anderen Kandidaten.

Powell wiederum ist seit langem ein hoch angesehener Fed-Gouverneur, gehört also auch schon dem innersten Leitungsgremium der Notenbank an. Er hat Erfahrung in der privaten Wirtschaft, was Trump gefallen könnte. Seine akademischen Meriten sind nicht so ausgeprägt wie die von Yellen, trotzdem dürfte er allgemeine Anerkennung finden. Außerdem gilt er als Republikaner und einer Deregulierung der Bankbranche gegenüber als aufgeschlossen, wenn sie mit Augenmaß betrieben wird.

Warsh und Taylor sind dagegen Anhänger einer härteren Geldpolitik, also höherer Zinsen. Warsh hat sich in der Finanzkrise als Fed-Gouverneur Lorbeeren verdient, weil er früh auf gefährliche Entwicklungen hinwies. Trotzdem gilt er nicht unbedingt als erfahrener Geldpolitiker. Angeblich sind seine Chancen zuletzt wieder etwas gesunken. In Reden und Gastbeiträgen hat er Kritik an der Fed geübt, die aber von Ökonomen zum Teil als wenig konsistent gewertet wurde und offensichtlich dazu dienen sollte, sich bei den Republikanern beliebt zu machen, die der Fed recht kritisch gegenüberstehen.

Taylor wiederum ist für seine „Taylor-Formel“ bekannt, eine Gleichung, die die optimale Geldpolitik beschreiben soll. Die Republikaner, wenn auch nicht unbedingt Trump, haben eine Vorliebe für die Idee, die Fed mittels einer solchen Regel quasi zu kontrollieren. Die meisten Geldpolitiker lehnen die Bindung an eine starre Formel ab. Taylor hat aber hin und wieder deutlich gemacht, dass er seine Gleichung auch gar nicht als starre Vorgabe ansieht.

Bei der Fed sind noch weitere Posten zu besetzen. Vor kurzem wurde Randal Quarles vereidigt. Er soll im Rang eines stellvertretenden Fed-Präsidenten für die Finanzaufsicht zuständig sein und wird damit der wahrscheinlich wichtigste Finanzaufseher der USA. Außerdem hat Yellens anderer Stellvertreter Stanley Fischer, ein sehr renommierter Geldpolitiker, gekündigt. Dessen Posten muss also besetzt werden. Der Senat muss den Vorschlägen Trumps jeweils zustimmen.

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