Türkische Lira fällt
Türkische Zentralbank tastet Leitzins nicht an

Seit Jahresbeginn hat die Lira acht Prozent an Wert verloren. Dennoch haben sich die Währungshüter entschlossen, den Leitzins nicht anzuheben. Präsident Erdogan will niedrige Zinsen um die Konjunktur anzukurbeln.
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Ankara/IstanbulDie türkische Zentralbank hat ihren Leitzins ungeachtet der starken Abwertung der heimische Lira nicht angehoben. Sie beließ ihn am Dienstag bei 8,0 Prozent. Die Hälfte der von Reuters befragten Ökonomen hatten mit einer Erhebung auf 8,5 Prozent gerechnet. Die Landeswährung Lira, die 2015 und 2016 jeweils im zweistelligen Prozentbereich abgewertet hat und seit Jahresbeginn noch einmal acht Prozent verlor, gab nach der Entscheidung erneut nach.

Höhere Zinsen könnten die Währung für Investoren attraktiver machen und so den Abwertungsdruck dämpfen. Präsident Recep Tayyip Erdogan will dagegen den Zins niedrig halten, um mit günstigen Darlehen die Konjunktur anzukurbeln.

Die Zentralbank entschied aber nur, die Banken für kurzfristig benötigtes Geld (Übernachtkredite) stärker zur Kasse zu Bitten. Dieser Zins steigt von 8,5 auf 9,25 Prozent. „Das hat die Märkte nicht überzeugt“, sagte Analyst William Jackson von Capital Economics in London. „In den kommenden Monaten sind Zinserhöhungen wahrscheinlich.“ Die Zentralbank will ihre künftigen Kurs von der Inflationsentwicklung abhängig machen. "Bei Bedarf wird eine geldpolitische Straffung geliefert", erklärte sie. Durch die schwache Lira verteuern sich Einfuhren, was wiederum die Verbraucherpreise nach oben treiben kann.

Dass die Zentralbank ihren Leitzins in dieser Situation nicht angehoben hat, weckt unter Experten Zweifel an ihrer Unabhängigkeit. Erdogan hat sich lange gegen Zinserhöhungen gestemmt und den Lira-Verfall mit Attacken von außen auf die türkische Wirtschaft erklärt. Analysten sehen als Ursache für den Kursverfall unter anderem die Verunsicherung nach dem gescheiterten Militärputsch und das scharfe Vorgehen Erdogans gegen erklärte Gegner als Reaktion darauf. Zudem drückt die Aussicht auf steigende US-Zinsen und die Tourismusflaute nach den Bombenanschlägen auf die Währung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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