Ultralaxe Geldpolitik
Draghis neue Masche

Die konventionelle Geldpolitik ist fast ausgeschöpft, doch im Kampf gegen die Euro-Krise fallen EZB-Chef Draghi immer neue unkonventionelle Maßnahmen ein. Bislang geht seine Strategie auf. Und einen Joker hat er noch.
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FrankfurtDie schlechten Nachrichten aus Portugal schüren die Angst vor einer Rückkehr der Euro-Krise und zwingen die EZB zu nie gekannter Offenheit. In der Sitzung am Donnerstag fasste der Zentralbankrat den bereits sehr niedrigen Zinssatz von 0,5 Prozent zwar nicht an, doch Draghi legte sich mit ungewohnter Klarheit auf einen lang anhaltenden ultralaxen geldpolitischen Kurs fest und schloss eine weitere Zinssenkung nicht aus. "Der EZB-Rat geht davon aus, dass der Schlüsselzins in der Euro-Zone noch für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen oder auch einem niedrigeren Niveau bleibt", sagte Draghi vor der Presse in Frankfurt - und schickte den Euro umgehend auf Talfahrt.

Die Notenbank werde ihren konjunkturstützenden Kurs so lange wie nötig fortsetzen, betonte Draghi. Damit betrat er geldpolitisches Neuland, wie es bislang nur die die amerikanische Fed gewagt hat. Draghi selbst sprach von einem „beispiellosen Schritt“ der Notenbank. Bislang hatte er an der Regel seines Vorgängers Jean-Claude Trichet festgehalten und stets betont, dass sich die EZB „nie im Voraus festlege“. Eine weitere Regel, die im Zuge der Euro-Krise davon geweht wurde.

Jetzt sprach Draghi offen von einer „Forward Guidance“. Mit diesem geldpolitischen Instrument aus dem Werkzeugkasten der Notenbanken sollen die Zinserwartungen gefestigt und die Konjunktur gestützt werden. Das Werkzeug wird seit längerem von der US-Notenbank Fed und seit Frühjahr auch von der japanischen Zentralbank verwendet. Die Bank of England dürfte bald einen ähnlichen Kurs einschlagen, wie die britische Notenbank unter Führung des neuen Chefs Mark Carney kurz vor der EZB-Zinsentscheidung signalisierte.

Mit der„Forward Guidance” will der EZB-Chef die Märkte davon überzeugen, dass die Notenbank nicht daran denke, ihre lockere Geldpolitik aufzugeben. So sollen die längerfristigen Marktzinsen auf niedrigen Niveau gehalten werden, um mit billigem Geld die Konjunktur anzuschieben.

Zwar entschied die EZB-Spitze bei ihrer Sitzung in Frankfurt, den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent zu lassen. Draghi betonte jedoch, das sei "nicht die Untergrenze". Der EZB-Rat habe "intensiv" über eine sofortige Zinssenkung diskutiert und sei "offen für verschiedene Zinsvarianten". Der Ausstieg aus der seit Jahren extrem lockeren Geldpolitik sei in der Euro-Zone im Gegensatz zu den USA, wo sich die Fed langsam auf ein Ende ihrer milliardenschweren Bond-Käufe und auf mittlere Sicht auch eine Zinswende vorbereitet, noch "weit entfernt", sagt Draghi.

Ulrich Wortberg von der Helaba glaubt, dass die EZB bei Bedarf ganz schnell an der Zinsschraube drehen kann: "Neu ist die Ankündigung, das Zinsniveau auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau für einen längeren Zeitraum zu halten. Damit versucht die EZB das Rendite-Niveau zu drücken und sich von den USA abzukoppeln. Zudem ist die Tür für eine Zinssenkung bei einer der kommenden Ratssitzungen weit geöffnet."

Kommentare zu " Ultralaxe Geldpolitik: Draghis neue Masche"

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  • Draghi vertretet Paul Feyerabend ! Wichtig ist Ihre Meinung zu seinem Vorgehen... also bitte diskustieren statt votieren

  • Forschung kennt kein We | Draghi zwinkert ihnen auch noch zu...haben Sie Verständnis!! Der Typ ist eine Kanone und auch noch auf Seiten der Europäer !! Stützen!!! (Paul feyerabend - Erkenntnis für freie Menachen

  • @Rettungswahnsinn - guter Link, thx
    http://www.youtube.com/watch?v=3jw54ZR-Vl8

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