US-Arbeitsmarktbericht
Noch mehr Zahlen, noch mehr Verwirrung

Die jüngsten Daten zum US-Arbeitsmarkt senden ein gemischtes Signal an die Fed. Die Börsianer sind auch nicht erleichtert, im Gegenteil. Die Märkte rutschen weiter ins Minus.

WashingtonWer gehofft hat, dass die Arbeitsmarktdaten für August ein Signal für oder gegen eine Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) Mitte dieses Monats geben würden, hat sich getäuscht. Im August wurden laut Statistik nur 173.000 neue Stellen geschaffen. Die meisten hatten Experten hatten wenigstens 200.000 erhofft. Zugleich ist aber die Arbeitslosigkeit auf 5,1 Prozent gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit April 2008. Außerdem ist er etwas niedriger, als zuvor erwartet war

Hinzu kommt: Zugleich mit den neuen Daten wurden die revidierten Werte von Juni und Juli bekanntgegeben. Und diese sind beide um rund 10.000 auf nunmehr jeweils 245.000 neue Stellen angehoben worden.

Die Fed kann sich jetzt aussuchen, auf welche Zahlen sie schauen möchte, um eine Zinsanhebung im September, oder – was wohl etwas wahrscheinlicher ist – eine weitere Verschiebung zu begründen. Sie richtet sich nach eigener Darstellung in ihrer Politik streng nach Daten. Aber die werden ständig revidiert, so wurde etwa das Wachstum des zweiten Quartals letzte Woche deutlich auf annualisiert 3,7 Prozent nach oben korrigiert.

 

Die Ökonomen sehen nach ersten Reaktionen in dem relativ schwachen Wert für den August kein großes Problem für die Fed. Die Experten der US-Bank BBH glauben, dass die Märkte die Zahl nicht so ernst nehmen, weil der August häufig einen enttäuschenden Wert bringe. Sie verweisen darauf dass 5,1 Prozent Arbeitslosigkeit laut Definition der Fed Vollbeschäftigung ist.

Nariman Behravesh von der Beratungsfirma IHS glaubt, dass die Fed rein von den Daten her im September die Zinsen erhöhen könnte, dass sie aber wegen der Marktturbulenzen möglicherweise doch davor zurückschreckt. Die Experten der NordLB sehen den jüngsten Bericht zum Arbeitsmarkt trotz der gemischten Signale darin als weiteren „Schritt in Richtung baldiger Zinsanhebung“.

 

Am US-Arbeitsmarkt sind im August weit weniger Jobs entstanden als erwartet. Die Zahl der neuen Stellen stieg um lediglich 173.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Ökonomen hatten mit bis zu 220.000 neuen Jobs gerechnet. Doch wer glaubt, dass Anleger angesichts der schlechten Zahlen erleichtert aufatmen, irrt. Zwar werden sie als ein wichtiger Hinweis auf den Zeitpunkt für die US-Leitzinswende gehandelt. Und anders als etwa die Europäische Zentralbank (EZB) sieht sich die US-Notenbank Fed nicht bloß der Geld- sondern auch der Stabilität am Arbeitsmarkt verpflichtet.

Doch der Mangel an neuen Jobs trübt das Bild einer sich erholenden US-Wirtschaft nur minimal. Die getrennt von den neuen Jobs ermittelte Arbeitslosenquote fiel auf 5,1 Prozent – das ist der niedrigste Stand sei fast siebeneinhalb Jahren. Die US-Notenbank (Fed) will vor der ersten Zinserhöhung seit fast zehn Jahren Fortschritte am Jobmarkt sehen. Zuletzt hatten die Börsen-Turbulenzen in China allerdings Zweifel an einer Zinswende noch in diesem Monat geschürt. Am 17. September wir die Fed über den Leitzinssatz in den USA entscheiden. Fed-Chefin Janet Yellen hat vor einigen Monaten angekündigt, die Zinsen noch in diesem Jahr anheben zu wollen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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