US-Bankenaufsicht

Behörde räumt Versagen bei Wells Fargo ein

Wells Fargo eröffnete jahrelang unautorisierte Spar- und Kreditkarten-Konten. Die US-Bankenaufsicht blieb untätig. Nun zeigt sich die Behörde erstmals einsichtig und bezeichnete ihre Kontrollen als unzureichend.
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Die US-amerikanische Bank Wells Fargo belastet ein Skandal um fingierte Konten. Quelle: AP
Wells Fargo

Die US-amerikanische Bank Wells Fargo belastet ein Skandal um fingierte Konten.

(Foto: AP)

WashingtonDie US-Bankenaufsicht hat sich in der Affäre um fingierte Konten beim Geldhaus Wells Fargo ein mangelhaftes Zeugnis ausgestellt. Die Kontrolle sei unzureichend gewesen, es seien etliche Gelegenheiten verpasst worden, den dubiosen Praktiken auf die Schliche zu kommen, heißt es in einem internen Untersuchungsbericht der mit der Bankenregulierung betrauten Bundesbehörde OOC.

Aus dem am Mittwoch veröffentlichten Dokument geht hervor, dass die Aufseher bereits im Januar 2010 über 700 Hinweise von Whistleblowern erhielten. Zwar hätten sich die Beamten bei Wells Fargo wegen der Masse an Beschwerden erkundigt, richtig ermittelt worden sei aber nicht.

Obwohl US-Medien bereits seit Jahren über die Machenschaften bei Wells Fargo berichteten, hatte die unautorisierte Eröffnung von rund zwei Millionen Spar- und Kreditkarten-Konten erst im September 2016 Konsequenzen. Da verhängten US-Behörden Bußgelder von mehr als 185 Millionen Dollar (rund 173 Millionen Euro) gegen die Großbank.

So viel mussten Banken für ihre Fehler hinblättern
Deutsche Bank – 202 Millionen Dollar
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Mai 2012: Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro
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Dezember 2013: Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Rabobank – 774 Millionen Euro
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Oktober 2013: Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund
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August 2013: Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Commerzbank – 1,45 Milliarden Dollar
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März 2015: Die Commerzbank muss wegen des Streits mit US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar. Die USA warfen der Commerzbank vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

UBS – 1,5 Milliarden Dollar
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Dezember 2012: Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar
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April 2015: Die Deutsche Bank muss im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro) in Großbritannien zahlen.

Seitdem wurden über 5000 Mitarbeiter gefeuert, auch Vorstandschef John Stumpf musste seinen Hut nehmen. Zuletzt einigte sich Wells Fargo mit Sammelklägern auf einen Vergleich über 110 Millionen Dollar. Weitere Strafen könnten folgen, die Ermittlungen der US-Behörden sind noch nicht abgeschlossen.

  • dpa
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