US-Geldpolitik
Die Fed lädt nach

Mit einem milliardenschweren Programm zum Ankauf von Staatsanleihen will die US-Notenbank die Konjunktur in Gang bringen und die Arbeitslosigkeit senken. Auch eine steigende Inflation nimmt die Fed dafür in Kauf.
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WashingtonFed-Chef Ben Bernanke schießt frisches Geld in den Markt. Die amerikanische Notenbank hat angesichts der schwachen US-Konjunktur weitere geldpolitische Lockerungen beschlossen. Die Fed will vom nächsten Jahr an langfristige Staatsanleihen in Höhe von monatlich etwa 45 Milliarden Dollar (34,8 Mrd Euro) aufkaufen, teilten die Zentralbanker zum Abschluss ihrer zweitägigen Zinssitzung am Mittwoch mit.

Überraschend setzten sich die US-Notenbanker auch konkrete Zielmarken, die sie mit ihrer Geldpolitik anpeilen. So soll der Leitzins, der seit vier Jahren bei quasi null Prozent liegt, so lange nicht steigen, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent sinkt und auf Sicht von ein bis zwei Jahren eine Inflationsrate von höchstens 2,5 Prozent erwartet wird. Bis dato hatte die Fed erklärt, der Schlüsselzins werde voraussichtlich nicht vor Mitte 2015 wieder erhöht. Fed-Chef Ben Bernanke wird die Gründe für die Beschlüsse um 20.15 Uhr (MEZ) vor der Presse in Washington erläutern.

Der im September beschlossene Ankauf von Hypothekenpapieren in Höhe von 40 Milliarden Dollar (rund 31 Mrd Euro) monatlich soll ebenfalls fortgesetzt werden, wie die Fed weiter bekanntgab.
Die neue Selbstverpflichtung der Zentralbanker könnte dazu führen, dass der Niedrigzins noch viel länger bestehen bleibt, sollte die Wirtschaft zwischen Chicago und Los Angeles nicht Tritt fassen. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote in den USA bei 7,7 Prozent und war damit weit entfernt vom Ziel.

Sollte die Wirtschaft jedoch in Schwung kommen, könnte es in den Vereinigten Staaten viel schneller zu einer Zinswende kommen als von vielen Fachleuten bislang erwartet. Im Gegensatz etwa zur Europäischen Zentralbank (EZB), die ausschließlich das Ziel stabiler Preise verfolgt, muss die Fed wegen ihres gesetzlichen Auftrages auch dafür sorgen, dass möglichst Vollbeschäftigung herrscht.

Das könnte sich nach Ansicht der Fed noch länger hinziehen. Die Arbeitslosenquote für 2012 beziffert die Notenbank auf 7,8 bis 7,9 Prozent. Im September war sie davon ausgegangen, dass die Rate nicht unter 8,0 Prozent sinkt. Für 2013 erwartet die Fed eine Spanne von 7,4 bis 7,7 Prozent. Erst für 2014 sieht sie die Möglichkeit, dass die Quote unter sieben Prozent sinkt.

Die Wachstumsprognose für das zu Ende gehende Jahr wurde ebenfalls nach unten korrigiert. Nach der am Mittwoch veröffentlichten aktualisierten Schätzung erwartet die Fed für 2012 ein Wachstum der US-Wirtschaft von 1,7 bis 1,8 Prozent. Bei ihrer vorausgegangenen Prognose im September war die Notenbank von 1,7 bis 2,0 Prozent ausgegangen.

Für 2013 wird nunmehr erwartet, dass die Wirtschaft um 2,3 bis 3,0 Prozent zulegt, vor drei Monaten lag die geschätzte Spanne zwischen 2,5 und 3,0 Prozent. Für 2014 rechnet die Fed dann mit einem Wachstum in den USA von 3,0 bis 3,5 Prozent.

Kommentare zu " US-Geldpolitik: Die Fed lädt nach"

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  • "Insgesamt habe sich das Portfolio der Notenbank durch die verschiedenen Ankäufe auf derzeit 2,9 Billionen Dollar (2,2 Billionen Euro) erhöht, berichteten US-Medien. Es sei damit rund dreimal so groß wie vor Ausbruch der Finanzkrise 2008."

    Und was sagt der "kluge Krugmann " dazu?

    "Laut Paul Krugman haben die USA gar kein Billionen-Defizit. Vom gegenwärtigen Defizit von rund $1 Bio US-Dollar müsse man den aus der Depression resultierenden Output-Gap von geschätzten $900 Mrd abziehen.
    Das wirkliche Defizit sei also viel kleiner bzw. wahrscheinlich nicht einmal vorhanden - man müsse eben nur die Wirtschaft zum Laufen bringen.
    (20:41) - Echtzeitnachricht"

    Alles verstanden, oder wohl doch nicht?

  • es heisst DAS FED.... DAS System!!! Nicht die System!!!

  • und wer das System bekämpft oder bekämpfte, wird umgebracht. Das zeigt uns die geschcihte wieder und wieder!
    So einfach ist das!

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