US-Geldpolitik: Fed zerstört Hoffnung auf weiteren Lockerungen

US-Geldpolitik
Fed zerstört Hoffnung auf weiteren Lockerungen

Das Ende der Niedrigzinszeit in den USA naht: Das Komitee der US-Notenbank hat sich gegen geldpolitische Entscheidungen ausgesprochen, die die Wirtschaft weiter beleben könnten. Denn die Lage ist besser als erwartet.
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WashingtonDie US-Notenbank hat einem neuen Anleihekaufprogramm vorerst eine Absage erteilt und dadurch den Euro unter Druck gebracht. Wie aus dem Protokoll der letzten Fed-Sitzung am Dienstag hervorgeht, wollen sich die Währungshüter mit weiteren Maßnahmen der geldpolitischen Lockerung bis auf Weiteres zurückhalten. Das Vertrauen in den US-Dollar stieg daraufhin rapide an, der Euro fiel um mehr als einen Cent auf den tiefsten Stand seit sechs Tagen.

Auch den US-Staatsanleihen hat die Federal Reserve damit einen kräftigen Dämpfer verpasst. Weil viele Anleger auf diesen zusätzlichen Nachfrageschub spekuliert hatten, fielen die Papiere im Wert und ihre Renditen stiegen. Das zehnjährige Papier rutschte 30/32 auf 97-14/32, die Rendite kletterte dabei auf 2,29 Prozent. Die dreißigjährige Anleihe fiel sogar um 1-28/32 und rentierte dort mit 3,42 Prozent.

Nachdem Fed-Chef Ben Bernanke Anfang vergangener Woche in einer Rede betont hatte, wie fragil die jüngste Erholung der US-Wirtschaft insbesondere mit Blick auf den Arbeitsmarkt sei, hatten Anleger wieder verstärkt auf eine neue Runde der quantitativen Lockerung (QE3) gesetzt. Die Beschäftigungssituation spielt bei der Geldpolitik in den USA eine entscheidende Rolle.

Das Protokoll der Notenbanksitzung vom 13. März zeigt jedoch, dass die Fed sich mit weiteren solchen Maßnahmen zurückhalten will. Dies gelte zumindest, sofern die US-Wirtschaft nicht wieder an Fahrt verlieren oder sich die Inflationsrate langfristig unter zwei Prozent festsetzen sollte.

Die Lage am Arbeitsmarkt habe sich zuletzt verbessert, stellten die Notenbanker fest. Sie diskutierten auf ihrer letzten Sitzung außerdem die Bedingungen, unter denen das bis 2014 geltende Niedrigzinsversprechen wieder einkassiert werden könnte. Nur eine „signifikante“ Änderung des wirtschaftlichen Ausblicks würde diesen Schritt rechtfertigen, heißt es im Protokoll.

An den Finanzmärkten brachten die Aussagen den Euro stark unter Druck. Im Anschluss an die Veröffentlichung rutschte die Gemeinschaftswährung unter die Marke von 1,33 US-Dollar und fiel zuletzt auf ein Tagestief bei 1,3225 Dollar. An den Aktienmärkten reagierten die Investoren enttäuscht.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " US-Geldpolitik: Fed zerstört Hoffnung auf weiteren Lockerungen"

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  • @Ernst
    Den Luxus der Selbstbestimmung haben die Amerikaner mit der massiven Verschuldung verloren. Wenn die Chinesen wollten, könnte Sie den Dollar als Währung vernichten. Solange das nicht in Ihrem Interesse ist, werden sie das nicht tun, was nicht bedeutet, das es nicht irgendwann in Ihrem Interesse sein könnte.

    Die Hoffnung auf echtes Wachstum in Amerika ist dünn. Wenn alle Liquidität in der Hand von 2% Oberschicht ist, kriegen sie unmöglich irgendeinen Wachstumsmotor ans laufen. Wo sollen die Massen herkommen die sich Dinge kaufen können, wenn nicht auf Pump? Aber die Idee "auf Pump" funktioniert eben nicht mehr." Auf Pump" bedeutet China leiht, aber die wollen nicht mehr leihen, die haben schon zuviel Dollars.

  • @ mono

    Das Hemd ist immer näher als die Hose. Falls die Hoffnung der USA auf Wachstum wie eine Seifenblase platzt, werden sie sich nicht um China scheren.

  • @Ernst
    Die Amerikaner haben kaum Wahlmöglichkeiten. China hält soviel US Staatsanleihen, das Wohl oder Weh des Dollars, speziell im Hinblick auf den Status als World Currency Reserve, nicht mehr im Entscheidungsbereich der USA liegen.
    Wie lange wird sich jemand dem Sie Geld geliehen haben mitspielen, wenn Sie Ihm im Prinzip sagen, du leihst mir heute einen Dollar und bekommst in 2 Jahren den gleichen Dollar zurück, aber in seiner Kaufkraft dezimiert um 20% ?

    Geithner und Bernanke entscheiden hier gar nichts mehr.

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