US-Geldpolitik
Zwischen Vollbeschäftigung und Konjunktursorgen

Der US-Arbeitsmarkt brummt, der Höhepunkt des Zyklus ist fast erreicht, sagen Ökonomen der Deutschen Bank. Das hat Folgen für die Inflationsaussichten – und bringt die Geldpolitiker der Fed in ein Dilemma.

New YorkWas heißt Vollbeschäftigung? Die Frage klingt philosophisch, die Antwort hat aber sehr konkrete wirtschaftliche Auswirkungen. Die Geldpolitiker der US-Notenbank (Fed) interessiert vor allem, wann der Arbeitsmarkt so gesättigt ist, dass Unternehmen beginnen, sich die Leute gegenseitig mit höheren Löhnen und Gehältern abzuwerfen. Anders gesagt: Gesucht wird der Punkt, an dem vom Arbeitsmarkt Impulse für eine steigende Inflation ausgehen.

Nach der Meinung des Ökonomen Peter Hooper und zweier einer Kollegen von der Deutschen Bank ist dieser Punkt fast erreicht. Ein wichtiges Anzeichen dafür ist, dass die Kurve neuer, zusätzlich geschaffener Jobs abflacht. Diese Kennzahl war zwar, wie am Freitag bekannt wurde, im Juni mit 287.000 Jobs erstaunlich hoch. Aber wenn man den Durchschnitt mehrerer Monate nimmt, wird doch deutlich, dass die Dynamik zurückgeht. Zum Teil wird dies als neue wirtschaftliche Schwäche gedeutet. Aber wenn man andere Kennzahlen hinzuzieht, liegt die Deutung näher, dass nur deshalb weniger neue Stellen geschaffen werden, weil der Arbeitsmarkt nicht mehr hergibt.

Ein Indiz dafür ist, dass immer weniger Arbeitnehmer den Markt verlassen und Firmen ihre Leute festhalten, wo sie nur können. Mit gut 6,3 Millionen lag diese Zahl im Sechs-Monatsdurchschnitt niedriger als je zuvor seit der Finanzkrise. Vor der Krise war der Durchschnitt freilich niedriger als sechs Millionen.

Als zweites Indiz geben die Ökonomen an, dass prozentual weniger Amerikaner, die nicht aktiv auf Jobsuche sind, trotzdem eine Stelle annehmen. Diese Quote war seit Ende 2012 angestiegen, ist aber zuletzt wieder gesunken.

Noch anschaulicher ist eine weitere Kennzahl: Rund 19 Prozent der Amerikaner ab dem Alter von 65 Jahren arbeiten. Das ist ein Rekord im Zeitraum seit 1965. Er sagt freilich auch etwas darüber aus, wie schlecht die Amerikaner mit ihrer Altersvorsorge auskommen.

Als weiteren Indikator nennen die Ökonomen, dass laut Umfragen die Amerikaner deutlich höhere Löhne erwarten. Außerdem sinkt der Anteil der Arbeitnehmer, die aus wirtschaftlichen Gründen nur Teilzeit-Jobs haben, und auf Stellenangebote melden sich im Schnitt jetzt wieder so wenig Leute wie vor der Krise. Im Jahr 2009 gab es sechs Arbeitslose pro offener Stelle, inzwischen sind nur noch 1,2.

Die offizielle Arbeitslosigkeit liegt jetzt bei 4,9 Prozent – doch dies kommt einer Vollbeschäftigung schon recht nahe. Denn klar ist, dass diese wirtschaftlich besehen nie erst bei null Prozent Arbeitslosigkeit erreicht wird: Es gibt immer Arbeitnehmer, die sich gerade zwischen zwei Jobs befinden.

Und ebenso klar ist, dass die Fed ihre Geldpolitik vorausschauend steuern muss. Wenn sie erst abwartet, bis sich die positiven Arbeitsmarktzahlen in steigender Inflation niederschlagen, kommt sie zu spät und riskiert, später deutlicher die anziehende Teuerung bekämpfen zu müssen und damit das Wirtschaftswachstum zu bremsen.

Damit stecken die US-Geldpolitiker in einem Dilemma: Vollbeschäftigung zu Hause und Chaos in der Weltwirtschaft. Mit dieser Situation müssen sich die US-Geldpolitiker künftig auseinandersetzen.

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