US-Notenbank
Fed erhöht das Risiko für Risikopapiere

Nach der Sitzung der US-Notenbank erwarten Investoren jetzt mehr als zuvor eine Zinserhöhung im Dezember. Das Ende der expansiven Geldpolitik hat längerfristig weitreichende Folgen für die Märkte.
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WashingtonAlle reden von Zinsen, wenn es um die US-Notenbank (Fed) geht. Und in der Tat ist nach der Fed-Sitzung am Mittwoch die Erwartung gestiegen, dass die Notenbank sie im Dezember noch einmal erhöht, dann auf eine Spanne zwischen 1,25 und 1,5 Prozent. Die Märkte glauben jetzt mehr als zuvor, dass die Geldpolitiker es ernst damit meinen. Sie hatten ein Zeichen erwartet, dass der Termin möglicherweise noch einmal verschoben wird – und es nicht bekommen.
Aber es geht um mehr als Zinsen, sagt Mike Collins, Anlagestratege bei PGIM Fixed Income. „Wenn die Fed ihre Bilanzsumme abschmilzt, hat das meiner Meinung nach mehr Einfluss auf die Bewertung Aktien und Kreditrisiken als auf die Renditen“, sagt der Experte der Anlagegesellschaft des US-Versicherers Prudential. Anders gesagt: Er ist vor allem „besorgt“, dass Aktien und Anleihen mit höheren Kreditrisiken unter Druck kommen könnten.
Die Fed hat am Mittwoch wie erwartet angekündigt, von Oktober an nach einem festen Plan mit steigendem Tempo ihre Bilanzsumme zu verkürzen, in dem sie auslaufende Zinspapiere in ihrem Portfolio immer weniger durch Neukäufe ersetzt. „Die expansive Geldpolitik der letzten Jahre hat die Risiken an den Märkten gut gedämpft, und das fällt jetzt weg“, warnt Collins.

Hinzu kommt: Er erwartet, dass Europäische Zentralbank (EZB) im Oktober ankündigt, ihre Käufe von Zinspapieren nach und nach zu drosseln. „Die EZB kauft, anders als die Fed, ja auch Unternehmensanleihen“, erklärt er. Deswegen könnte die Wende in Europa möglicherweise einen deutlichen Effekt auf diesen Bereich haben. „Die Spreads in Europa sind sehr eng“, sagt der Experte. Sprich: Unternehmen müssen nur wenig höhere Zinsen auf Anleihen zahlen als Staaten, obwohl bei ihnen die Risiken deutlich höher sind. Dieser Rückenwind für die Unternehmen wird seiner Meinung abflauen, wenn EZB-Chef Mario Draghi die lang ersehnte Ankündigung macht, seine milliardenschweren Ankäufe einzuschränken.

Nach Einschätzung von Collins gibt es immer noch Differenzen zwischen den Erwartungen der Märkte und dem, was die Fed tatsächlich tun wird. Er glaubt, dass die Notenbank kurzfristig die Zügel etwas schneller anziehen wird als erwartet, aber langfristig etwas langsamer. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir in den kommenden Jahren in die Nähe von drei Prozent kommen“, sagt er. Weil die Kurse von Zinspapieren sich stets gegenläufig zu den Zinsen bewegen, lautet seine Schlussfolgerung: Langfristige Papiere, von zehn Jahren aufwärts, haben noch gutes Kurspotenzial, bei kurzfristigen rät er zur Vorsicht.
Insgesamt hat die Fed-Sitzung kaum neue Erkenntnisse gebracht. Dass die Anleihen trotzdem etwas unter Druck standen, während Bank-Aktien zulegten, liegt gerade daran, dass Fed weitgehend bei ihrem Kurs zu weiteren Zinserhöhungen geblieben ist und keine Anzeichen macht, vorsichtiger zu werden. Manchmal ist offenbar auch überraschend, wenn sich nichts verändert.

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  • Sehr geehrter Herr Wiebe,

    sehen Sie mir nach, dass ich nach der Lektüre Ihres Artikels verwirrt zurückbleibe. Da haben wir einerseits den amerikanischen Staat, der zur Finanzierung seines Haushalts Jahr für Jahr für rund 1 Billion Dollar neue Anleihen ausgeben muß ("Nettoneuverschuldung"). Und andererseits haben wir die FED, die ihre Bilanzsumme von 4,5 Billionen Dollar durch schrittweise Verkäufe von Staatsanleihen abschmelzen will.

    Und dann haben wir drittens Heerscharen hochmögender Analysten, die zu dem gesamten Thema bestenfalls eine Randbemerkung von sich geben. Natürlich könnte ich deren Arbeit übernehmen. Aber kennen Sie jemand, der mich bezahlt?

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