US-Notenbank Fed

Powell ist Trumps bevorzugter Kandidat

Der Fed-Direktor Jerome Powell steht wohl in der Gunst des US-Präsidenten. Einem Bericht zufolge wird Trump den früheren Investmentbanker für den Chefposten nominieren. Powell gilt als idealer Kompromisskandidat.
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Jerome Powell ist Donald Trumps bevorzugter Kandidat für die Fed Quelle: AP
Jerome Powell

Der Fed-Direktor gilt als möglicher Kandidat für den Chefposten der US-Notenbank.

(Foto: AP)

WashingtonIm Rennen um den künftigen Chefposten bei der US-Notenbank Fed kristallisieren sich mit Jerome Powell und Kevin Warsh zwei heiße Kandidaten heraus: Fed-Direktor Powell hat der Zeitung „Politico“ zufolge dabei die Nase vorn. Doch auch das ehemalige Notenbank-Führungsmitglied Warsh gilt weiter als aussichtsreicher Bewerber. US-Präsident Donald Trump will bald entscheiden, auf wen seine Wahl für das wichtige Amt an den geldpolitischen Schalthebeln gefallen ist. Doch hat er sich offenbar noch nicht festgelegt, wie Reuters von einer mit dem Vorgang vertrauten Person erfuhr: „Ich denke, er neigt noch keinem Kandidaten zu.“

Mit dem 64-jährigen Powell würde ein Währungshüter an die Spitze der mächtigsten Notenbank der Welt rücken, der bereits seit Jahren in deren Führungsetage sitzt. „Als Chef dürfte er wohl die Politik der schrittweisen Normalisierung der Geldpolitik fortsetzen, die Amtsinhaberin Janet Yellen eingeleitet hat“, prognostizieren die Volkswirte der Großbank UniCredit. Yellen hat die Zügel nach einer jahrelange Nullzins-Phase angesichts des anhaltenden Aufschwungs in den USA stufenweise gestrafft - auf das aktuelle Leitzins-Niveau von 1,0 bis 1,25 Prozent. Sie will es bis zum Jahresende weiter erhöhen, falls die Konjunkturlage es zulässt.

Diese fünf Kandidaten buhlen um den Fed-Vorsitz
Kandidat 1: Janet Yellen
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Noch ist Janet Yellen Chefin der US-Notenbank Fed. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch zukünftig an den geldpolitischen Hebeln der Zentralbank sitzt, ist eher gering. Yellen gilt als Demokratin und ist daher bei der republikanischen Partei des US-Präsidenten Donald Trump unbeliebt. Im Wahlkampf hatte Trump schweres Geschütz gegen die Währungshüterin aufgefahren und sie als Erfüllungsgehilfin des damaligen demokratischen Präsidenten Barack Obama bezeichnet. Später schlug Präsident Trump weniger harsche Töne an und stellte ihre Führungsrolle in milderem Licht dar. Selbst eine Verlängerung ihres Vertrags schloss er nicht mehr aus. Yellens jüngst aus dem Amt ausgeschiedener Stellvertreter Stanley Fischer empfahl ihm, in der Fed für Kontinuität zu sorgen und sie im Amt zu belassen.

Kandidat 1: Janet Yellen
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Mit ihren 71 Jahren ist Yellen auch die älteste Vertreterin im Kandidatenfeld um den Chefposten der Fed. Ausgerechnet das könnte der derzeitigen Amtsinhaberin zum Nachteil werden. Bereits im Juli zwang eine Harnwegsinfektion sie zu einer Zwangspause in einem britischen Krankenhaus. Vor rund zwei Jahren hatte ein Schwächeanfall schon Spekulationen um ihren Gesundheitszustand ausgelöst.

Kandidat 2: Jerome Powell
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Die besten Aussichten auf den Chefposten räumen Volkswirte dem 64 Jahre alten Jerome Powell aus der Hauptstadt Washington ein. Der Jurist und frühere Investmentbanker gehört bereits seit 2012 zum Führungsgremium der Zentralbank und ist dort momentan der einzige republikanischer Vertreter. Er ist ein langjähriger Weggefährte der derzeitigen Amtsinhaberin Janet Yellen. In seinem Amt als Direktor hat er unter anderem die Weichen dafür gestellt, dass die Wirtschaft nach der Finanzkrise 2008/2009 mittlerweile wieder rund läuft. Da US-Präsident Donald Trump seinen Kandidaten auch vom US-Senat absegnen lassen muss, gilt Powell als idealer Kompromisskandidat, der bei Demokraten und Republikanern gleichermaßen Anklang finden könnte.

Kandidat 2: Jerome Powell
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Wie die derzeitige Chefin der Fed Janet Yellen befürwortet Jerome Powell eine Politik der schrittweisen Zinserhöhungen und ist so ein Kandidat, der geldpolitisch ebenfalls für Kontinuität steht. Gleichzeitig ist er aber auch offen für eine Lockerung der Dodd-Frank-Gesetze: Dieses Regelwerk war die zentrale Lehre aus der Finanzkrise, in der Banken mit Steuermilliarden vor dem Aus bewahrt wurden. US-Präsident Donald Trump hält die Regeln jedoch für überzogen, da sie die Wirtschaft zu stark bremsten.

Kandidat 3: John Taylor
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Der Stanford-Ökonom John Taylor buhlt ebenfalls um den Chefsitz in der Zentralbank Fed. Der 70-Jährige hat eine Regel entwickelt, mit der sich die Geldpolitik nach seiner Ansicht "verlässlich, transparent und berechenbar" steuern lässt. Auch wenn er in der Fachwelt einen tadellosen Ruf genießt, läuft die gesamte Führungsetage der Notenbank sozusagen Sturm gegen die „Taylor-Rule“ als einzige geldpolitische Richtschnur. Doch diese hat unter manchen Republikanern im Kongress ihre Befürworter. doch bei vielen Währungshütern wird Taylor wohl mit seinen Vorstellungen anecken. Diese sehen ihren Bewegungsspielraum durch eine starre Bindung an eine einzige Formel über Gebühr eingeengt. Trump, der den anhaltenden Höhenflug der Wall Street für sich reklamiert, würde mit einer Nominierung des Akademikers möglicherweise weitere Risiken in Kauf nehmen: Denn letztlich birgt ein Bruch mit der bisherigen geldpolitischen Linie der Fed die Gefahr, dass es zu Turbulenzen an den Märkten kommt.

Kandidat 4: Gary Cohn
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Der 57 Jahre alte Gary Cohn, Wirtschaftsberater des US-Präsidenten Donald Trump, galt lange Zeit als Favorit für den Chefposten der Fed. Doch die umstrittenen Äußerungen des Präsidenten zu den rechtsextremen Ausschreitungen in Virginia im Sommer sorgten offenbar für einen Knacks im Verhältnis zu Gary Cohn. Obwohl Neo-Nazis für die Gewalt verantwortlich gemacht wurden, sprach Trump davon, es habe auf beiden Seiten des Konflikts in Charlottesville „sehr anständige Leute gegeben“. Cohn habe dies offensichtlich missfallen, so ein Ex-Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte.

Kandidat 4: Gary Cohn (57 Jahre)
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Gary Cohn ist zugleich auch Vorbild für den „American Dream“: Der 57-Jährige kommt aus kleinen Verhältnissen und hat sich bis zum Goldman-Sachs-Manager hocharbeiten können. Mittlerweile verfügt er über ein Vermögen von mindestens 260 Millionen Dollar. Doch das könnte für ihn auch zum Stolperstein werden: Für manche Demokraten wie auch Republikanern gilt das Investmentbanking als Inbegriff der Exzesse, die letztlich zur weltweiten Finanzkrise führten.

Der frühere Fed-Direktor Warsh gilt als Anhänger eines strafferen geldpolitischen Kurses. Der heute 47-Jährige hatte sich wegen Differenzen über die von der Notenbank im Kampf gegen die Folgen der globalen Finanzkrise eingeführten Geldschwemme 2011 aus dem Führungsgremium zurückgezogen. Warshs Vorliebe für eine eher straffe Geldpolitik dürfte bei Trump jedoch nicht gut ankommen, da er ein erklärter Anhänger niedriger Zinsen ist.

Der Präsident hatte sich zuletzt nicht in die Karten blicken lassen und gesagt, er möge alle fünf Kandidaten für den Chefposten. Darunter ist auch sein Wirtschaftsberater Gary Cohn sowie der Ökonomie-Professor John Taylor. Alle habe bereits im Weißen Haus vorgesprochen. Als letzte Kandidatin hatte er am Donnerstag Yellen empfangen, deren Amtszeit Anfang Februar 2018 abläuft. Das Treffen sei „gut gelaufen“, sagte ein Insider. Dennoch gilt eine zweite vierjährige Amtszeit für Yellen als eher unwahrscheinlich. Trump hatte sie im Wahlkampf hart attackiert, bevor er ihre Leistung später in milderem Licht darstellte.

Trump neige zur Ernennung Powells, berichtete die Zeitung „Politico“ am Donnerstag unter Berufung auf drei Regierungsinsider, die namentlich nicht genannt wurden. Trump hatte am Dienstag erklärt, er werde seine Entscheidung bald bekanntgeben. Es gilt als wahrscheinlich, dass er sich äußert, bevor er am 3. November zu einer Asien-Reise aufbricht.

Als Reaktion auf den „Politico“-Bericht bauten die US-Staatsanleihen ihre Gewinne aus, in den letzten Handelsminuten der Wall Street drehte der S&P-500-Index noch ins Plus. Experten hatten bereits in den vergangenen Tagen Powell als wahrscheinlichsten Kandidaten bezeichnet. Der Jurist und frühere Investmentbanker hat in dem Führungsgremium der Fed als einziger Vertreter ein republikanisches Parteibuch - ebenso wie Trump. Da der Präsident seinen Kandidaten auch vom Senat absegnen lassen muss. Da Powell wohl eher eine Linie wie Yellen fahren würde - die von den Demokraten mitgetragen wurde - gilt er als idealer Kompromisskandidat, der bei in beiden politischen Lagern Anklang finden könnte.

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