US-Notenbank Federal Reserve

Was hat Janet Yellen vor?

In Washington tagt bis morgen die US-Notenbank und beratschlagt über den Kurs für die Geldpolitik. Der Brexit hat eine Leitzinsanhebung in die Ferne rücken lassen. Nur wie weit? Experten rätseln über die Federal Reserve.
Am Mittwochabend informiert die US-Notenbankchefin Janet Yellen über das Ergebnis der Zinssitzung. Quelle: AP
Zweitägige Zinssitzung

Am Mittwochabend informiert die US-Notenbankchefin Janet Yellen über das Ergebnis der Zinssitzung.

(Foto: AP)

Washington/FrankfurtEgal wie rund die amerikanische Wirtschaft läuft: Für die US-Notenbank Fed gab es seit der Finanzkrise fast immer einen Grund, die Leitzinsen nicht anzuheben. Das dürfte angesichts des Brexit-Votums bei der Notenbanksitzung an diesem Mittwoch nicht anders sein.

Aber das Rätselraten über den künftigen Kurs ist wieder in vollem Gange. Wann werden die Währungshüter an der Zinsschraube drehen? In letzter Zeit schwanken die Erwartungen an den Finanzmärkten stark. Klare Signale gibt die Fed schon lange nicht mehr. Sehr zum Unmut von Experten.

Nur einmal seit der Finanzkrise hat sich die Fed getraut: Im Dezember hoben die US-Notenbanker erstmals seit dem Lehman-Crash den Leitzins von der Nulllinie leicht an. Doch was als Einleitung der Zinswende gefeiert wurde, als Startsignal für eine schrittweise Abkehr vom Niedrigzins, blieb ein isoliertes Einzelereignis ohne Folgen. Denn ob Brexit-Votum oder Wachstumsschwäche in China, ob schwache Konjunkturdaten oder ein starker Dollar: Für die US-Währungshüter gibt es scheinbar immer einen Grund, die Fortsetzung der Zinswende zu verschieben.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

Daran dürfte sich auch bei der Fed-Sitzung am Mittwoch nichts ändern. „Zwar haben sich die Wirtschaftsdaten in den letzten Wochen merklich verbessert, so dass die Angst vor einer Verlangsamung der US-Wirtschaft zerstreut wurde“, sagt Harm Bandholz, US-Chefvolkswirt bei der Bank Unicredit. Doch die Währungshüter hätten schon signalisiert, dass sie abwarten wollen, wie sich der Brexit auf die USA auswirken wird. „Ursache für die zögerliche Haltung sind vor allem die dominierenden globalen Unsicherheiten“, meinen auch Experten der Bank HSBC Trinkaus.

Allerdings sehen Ökonomen nur geringe Auswirkungen des Brexit auf die US-Wirtschaft und selbst aus der Euro-Zone gibt es erste Hinweise durch Konjunkturdaten, dass sich die Auswirkungen wohl auf Großbritannien konzentrieren werden und weniger den Rest der Welt betreffen dürften. Zudem zeigten sich Fed-Mitglieder zuletzt erleichtert über die eher geringen Auswirkungen des Votums auf die globalen Finanzmärkte.

Ein andauerndes Missverständnis
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