US-Zinsentscheid
Yellen fährt vorsichtig die Krallen aus

Fed-Chefin Janet Yellen erhöht die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte – und deutet drei weitere Zinsschritte für das kommende Jahr an. Die Anleihe- und Devisenmärkten reagieren deutlich.
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WashingtonDie US-Notenbank (Fed) hat wie erwartet die Zinsen um einen Viertel Prozentpunkt auf eine Spanne zwischen 0,5 und 0,75 Prozent erhöht. Es handelt sich um die zweite Anhebung seit der Finanzkrise nach einem ersten Schritt vor genau einem Jahr. Zusätzlich haben die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses ihre Prognosen, die sogenannten Dots, für das kommende Jahr angepasst. Sie erwarten jetzt drei statt nur zwei weitere Zinsschritte für 2017 und schon für 2019 einen Anstieg auf knapp drei Prozent.

Das sei eine Überraschung, nachdem zuletzt noch zwei Erhöhungen prognostiziert worden seien, erklärte Marktstratege Lee Ferridge vom Vermögensverwalter State Street Global Advisors. Die Fed scheine es angesichts der vom künftigen US-Präsidenten Donald Trump geplanten expansiven Fiskalpolitik sowie Anzeichen eines steigenden Preisdrucks für gerechtfertigt zu halten, ein aggressiveres Ansteigen der Zinsen zu forcieren.

Am US-Rentenmarkt gerieten die Kurse von US-Staatsanleihen unter Druck: Richtungweisende zehnjährigen Papiere notierten deutlich schwächer bei 95 Prozent. Im Gegenzug stieg die Rendite auf 2,6 Prozent. Auch die Devisenmärkte reagierten deutlich auf das Fed-Votum: Der US-Dollar erhielt Rückenwind und schickte den Euro-Kurs auf Talfahrt: Die Gemeinschaftswährung rutschte kurzzeitig unter die Marke von 1,05 Dollar und kostete zuletzt 1,0528 Dollar.

Die Prognosen der Experten zeigen zudem, dass die Geldpolitiker etwas mehr Wachstum und etwas geringere Arbeitslosigkeit als bei den letzten Vorhersagen im September erwarten. Die Fed hält geheim, wer im Ausschuss welche Prognose abgegeben hat. Dem Gremium gehören außer Yellen und ihrem Stellvertreter noch die Fed-Gouverneure und die Präsidenten regionaler Ableger der Notenbank an.

Yellen gilt seit langem als „Taube“, als Vertreterin einer weichen Geldpolitik. Die neue Entscheidung gibt ihr etwas mehr den Anstrich eines „Falken“ – sie wirkt also mehr als Vertreterin einer harten Geldpolitik. Torsten Slok von der Deutschen Bank spricht von einem „hawkish hike“, einer falkenhaften Zinsanhebung. Er erwartet als Reaktion ein Anziehen der kurzfristigen, aber nicht unbedingt der langfristigen Zinsen und einen Aufwärtstrend für Aktien, den Dollar und den Ölpreis.

Die Fed-Chefin fährt die Krallen aber sehr vorsichtig aus. Sie betont, die Geldpolitik unterstütze weiter die US-Wirtschaft. Mit Blick auf die Prognosen spricht sie von „kleinen Veränderungen“, räumt aber ein, dass dabei neben der Verbesserung der wirtschaftlichen Daten auch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten eine Rolle gespielt habe. Seit der Wahl im November gehen die Märkte von mehr Wachstum und höherer Inflation aus, getrieben durch eine steigende Staatsverschuldung.

Während Yellen wie andere Geldpolitiker früher hin und wieder einen stärkeren Beitrag der Finanzpolitik zur Gesundung der Wirtschaft gefordert hat, gibt sie sich jetzt deutlich vorsichtiger. Sie will offensichtlich Trump nicht auch noch dazu antreiben, die USA tiefer in die Verschuldung zu führen. Bei einer Arbeitslosigkeit von 4,6 Prozent sei ein Anschub durch die Finanzpolitik „nicht nötig“, sagt sie.

Kommentare zu " US-Zinsentscheid: Yellen fährt vorsichtig die Krallen aus"

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  • ...... was heißt hier Krallen?.....die alte Dame dort drüben.....wird keinem das Haar krümmen....weil sie weiß, daß bei den zurückliegenden Herrschern am Pult der Deckel der Büchse sich alleine öffnete + der Crash da war.....also nix mehr Crash?....oder ähnliches?.....vielleicht auf Raten, aber immer mit Ansage......und darum rosige Zeiten an der Börsen-Theke?......vielleicht....
    man wird sehen.......

  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

    Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

    das ist unser geliebter

    TRAUTMANN

    Danke

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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