Inflation steigt – und mit ihr der Druck auf Draghi

Verbraucherpreise
Inflation steigt – und mit ihr der Druck auf Draghi

Es wird teurer für die deutschen Verbraucher: Die Inflation stieg im Dezember auf 1,7 Prozent. Das liegt vor allem an den Energiepreisen. Die deutsche Politik erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen anzuheben.
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Frankfurt/BerlinDie Inflation in Deutschland ist zum Jahreswechsel auf den höchsten Stand seit Juli 2013 geklettert. Vor allem steigende Energiepreise sorgten dafür, dass Waren und Dienstleistungen im Dezember durchschnittlich 1,7 Prozent mehr kosteten als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Allein in Nordrhein-Westfalen stieg die Jahresteuerung im Dezember auf 1,9 Prozent.

Im November lag die Jahresteuerung noch bei 0,8 Prozent. Über das Gesamtjahr 2016 gesehen blieb der Preisdruck allerdings gedämpft – im Schnitt stiegen die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent, nach 0,3 Prozent 2015.

Für das laufende Jahr peilen die Bundesregierung und die Wirtschaftsweisen eine Inflationsrate von 1,6 Prozent an. Es wäre der höchste Wert seit 2012. Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Jahresteuerung im Euro-Raum im Dezember auf 1,0 von 0,6 Prozent erhöht. Die Daten werden am Mittwoch veröffentlicht.

Der Preisantrieb ist vor allem auf Steigerungen in einzelnen Sektoren zurückzuführen, allem voran der Energie. Im Dezember verteuerte sich Energie um 2,5 Prozent und damit erstmals seit drei Jahren. In Nordrhein-Westfalen allein verteuerte sich Heizöl im Dezember um gut 21 Prozent und Tanken kostete 7,4 Prozent mehr. Die Trendwende bei der Energie zeigt sich beim Blick auf die Jahresdurchschnittspreise: Hier sparten die NRW-Bürger 2016 gut 17 Prozent beim Heizöl und fast acht Prozent an der Zapfsäule.

Seit Mitte 2014 wurde der Schmierstoff der Weltwirtschaft vor allem infolge der Überproduktion deutlich billiger. Kurz vor Weihnachten wurde ein Barrel (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent für gut 54 Dollar gehandelt, im Sommer 2014 waren es noch rund 115 Dollar. Doch es könnte sich eine Trendwende abzeichnen, wenn das Ölkartell Opec und andere Förderstaaten ihre Ankündigung wahr machen, 2017 die Produktion zu verringern, um den Preis für das „schwarze Gold“ nach oben zu treiben.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist die anziehende Inflation eine gute Nachricht. Denn sie strebt im gesamten Währungsraum stabile Preise an und sieht dies nur bei Inflationsraten von knapp zwei Prozent gewährleistet. Ihr Chef, Mario Draghi, hält am Ziel der zweiprozentigen Jahresteuerung fest. Im März 2016 hatte die Zentralbank beschlossen, die Leitzinsen weiter zu lockern – unter anderem, um die Inflation steigen zu lassen. Es gebe keine Grenzen für das, was die Bank innerhalb ihres Mandats tun werde, um das Ziel zu erreichen, sagte Draghi damals.

Doch von einem richtigen Erfolg für den EZB-Chef kann trotz der nun etwas höheren Inflation in Deutschland und anderen Ländern der Euro-Zone (zum Beispiel Frankreich, wo die Inflation einen neuen Spitzenwert erreicht hat) nicht die Rede sein. Denn im längeren Vergleich ist die Inflation nach wie vor vergleichsweise gering.

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  • zinsen null und Inflation hoch, das passt doch. um so schneller sind die deutschen Sparer enteignet. wie cool ist das bitteschön denn!!
    jetzt müssen nur noch die Steuern erhöht werden.
    Schwacher Euro und steigender Ölpreis ist genial für den Benzinpreis in Deutschland. Fahren viel zu viele Autos hier rum.

  • Draghi wird nichts dergleichen tun. Er betreibt Staatsfinanzierung und wird nicht davon ablassen. Nur die Begründung wird sich vermutlich ändern, denn die Staatsfinanzierung darf er ja nicht zugeben

  • Draghi wird nichts dergleichen tun. Er betreibt Staatsfinanzierung und wird nicht davon ablassen. Nur die Begründung wird sich vermutlich ändern, denn die Staatsfinanzierung darf er ja nicht zugeben.

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