Verschärfte Konditionen: Fed wird immer vorsichtiger

Verschärfte Konditionen
Fed wird immer vorsichtiger

Bill Dudley, Präsident der Federal Reserve New York und damit einer der maßgeblichen Entscheidungsträger der US-Notenbank, warnt vor härteren Finanzierungsbedingungen und stellt eine rasche Zinserhöhung in Frage.

New YorkWenn die Märkte verrücktspielen, lässt die US-Notenbank (Fed) das theoretisch kalt. Aber praktisch besehen muss sie sich immer die Frage stellen, was diese Turbulenzen über die reale Wirtschaftsentwicklung aussagen.

Bill Dudley, Präsident der Fed New York und damit einer der wichtigsten Entscheidungsträger zusammen mit Fed-Chefin Janet Yellen und ihrem Stellvertreter Stanley Fischer, hat sich zu dem Thema noch etwas besorgter geäußert als seine Kollegen. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur MNI stellte er die entscheidende Frage: „Tun die Finanzmärkte, was sie tun, als Reaktion auf reale Entwicklungen in der Weltwirtschaft?“ Wenn ja, muss die Fed davon ausgehen, dass die Probleme anhalten. Und dann wird sie sich schwertun mit weiteren Zinserhöhungen nach dem ersten, kleinen Schritt im Dezember.

Laut Dudley ist es noch zu früh, diese Frage zu beantworten. Fest steht seiner Meinung nach aber, dass sich die Finanzierungskonditionen bereits verschärft haben. Zwar sind die Zinsen im langfristigen Bereich kaum gestiegen, doch durch die Panik an den Märkten haben sich die Risikoaufschläge, die Unternehmen auf ihre Anleihen zahlen müssen, deutlich ausgeweitet. „Wenn die Finanzierungskonditionen so bleiben, müssen wir das bei unserer nächsten Sitzung im März berücksichtigen“, sagte Dudley und gab damit einen relativ klaren Hinweis auf die Diskussionslage innerhalb der Fed.

Die Notenbank hatte noch im Dezember die Erwartung gehegt, im Jahr 2016 die Zinsen viermal anzuheben, was einem Anstieg in Viertelschritten auf 1,25 Prozent entsprechen würde. Die Investoren gehen eher von zwei Schritten aus, nach den jüngsten Turbulenzen möglicherweise von noch weniger.

Nach ihrer Januar-Sitzung hatte die Fed in ihrem Statement bereits betont, sie beobachte sehr sorgfältig die wirtschaftliche Entwicklung. Außerdem stellte sie dort erstmals klar heraus, sie erwarte kurzfristig keinen Anstieg der Inflationsrate. Weil die weit unter der gewünschten Marke von zwei Prozent liegt, hatte die Fed damit de facto schon die Zinserhöhung im März abgesagt. Fischer äußerte sich vor Kurzem ebenfalls sehr vorsichtig.

Ökonomen fragen sich inzwischen nicht nur, inwieweit die Turbulenzen an den Märkten reale Entwicklungen widerspiegeln. Sie sorgen sich auch, dass die Kurseinbrüche selbst auf die breite US-Wirtschaft zurückwirken. Torsten Slok von der Deutschen Bank etwa verweist auf eine Studie von Roger Farmer, nach der Kurseinbrüche im Endeffekt häufig zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt haben. Sollte das eintreten, wäre die Fed endgültig in der Sackgasse, weil sie ihre Zinserhöhungen nur mit dem bisher starken Arbeitsmarkt begründet hat. In dem Zusammenhang stimmt auch bedenklich, dass es in den USA erste Anzeichen für ein Übergreifen der wirtschaftlichen Schwäche im Industriesektor auf den Dienstleistungssektor gibt.

Die Fed steht vor schwierigen Entscheidungen. Yellen möchte endlich die Jahre anhaltende sehr weiche Geldpolitik normalisieren. Sie will sich damit Spielraum verschaffen, um bei künftigen Krisen reagieren zu können – je höher der Leitzins ist, desto deutlicher kann er im Bedarfsfall gesenkt werden.

Hinzu kommt, dass die Geldpolitik gerade im Wahljahr unter Beschuss der Politik steht. Republikaner wie der Präsidentschaftskandidat Ted Cruz stehen der Fed feindlich gegenüber. Vor dem Hintergrund wäre es wichtig, die Kritik an einer angeblich zu weichen Zins-Politik entkräften zu können. Auf der anderen Seite werden die Fed-Granden aber seit der Finanzkrise von der Angst getrieben, das Land könnte in eine Deflation abrutschen, die mit real steigender Schuldenlast und einer Lähmung der Wirtschaft verbunden ist.“

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