Verzweifelte Geldpolitik
Die Lautsprecher der EZB

Erst Draghi, dann Praet, heute setzt der nächste Währungshüter noch einen drauf – kein Tag vergeht, an dem nicht ein Notenbanker über Zinssenkungen oder negative Einlagezinsen spekuliert. Die Verzweiflung muss groß sein.
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DüsseldorfDer Notenbanker an sich galt einst als verschwiegener Zeitgenosse. Wenn überhaupt, drückte er sich vage aus – damit ja keiner auf die Idee kommen könnte, Rückschlüsse auf die Geldpolitik zu ziehen. Das Verhalten, dass die Mitglieder der Europäische Zentralbank gerade an den Tag legen, ist allerdings das genaue Gegenteil davon.

Wohl orchestriert verrät ein Top-Notenbanker nach dem anderen, mit welchen geldpolitischen Schritten die Finanzmärkte zu rechnen haben. Den Anfang machte der Chef selbst. Mario Draghi erklärte am Rande der EZB-Sitzung in der vergangenen Woche, der Rat „fühle sich wohl damit“, im kommenden Monat zu handeln. Das bedeutet: Draghi will möglichst viel Geld unter das Volk bringen, er will den Euro abwerten und die Inflation antreiben – all das soll wiederum der Konjunktur in der Euro-Zone auf die Sprünge helfen.

Wenn es danach noch irgendeinen Zweifel an den Absichten der Notenbank gegeben haben sollte, dann räumte ihn der Chefvolkswirt der EZB, Peter Praet, aus. Gestern kündigte er in einem Interview sogar konkrete Maßnahmen an: Eine weitere Senkung der Leitzinsen und Strafzinsen für Banken, die Geld bei der EZB parken. Von groß angelegten Anleihekäufen war bei Praet noch nicht die Rede. Anschließend erklärte Vitor Constancio, der Vizepräsident der EZB, die Währungshüter seien zu weiteren Konjunkturmaßnahmen bereit.

Den vorläufigen Höhepunkt setzte EZB-Ratsmitglied Yves Mersch am heutigen Donnerstag. „Wir arbeiten an einer breiten Palette von Instrumenten, die sogar die blühende Fantasie von Journalisten und Analysten übertreffen könnten“, sagte Mersch in Krakau. „Sie werden nach der nächsten Ratssitzung eine sehr genaue Vorstellung von diesen Instrumenten haben.“

Kommentare zu " Verzweifelte Geldpolitik: Die Lautsprecher der EZB"

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  • die sind doch nur darum Bemüht all´ unser Geld zu nehmen, und wissen nicht wie sie uns das beibringen sollen.

  • @SayTheTruth
    Man kann auch sagen....Die USA saniert sich auf Kosten der EU.

  • Egal wieviel Geld die EZB druckt, ich wette es wird immer zu wenig sein. Es ist auch ein Irrtum zu glauben die Probleme in der Eurozone könnten mit Geld gelöst werden. Dieses Geld wird nämlich an der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit nichts ändern, sondern es subventioniert nur ein Preisniveau über der Produktivität. Die Folge ist Arbeitslosigkeit. Lediglich eine Oberschicht aus Spekulanten verdient daran.

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