Vor der EZB-Ratssitzung
Draghis Kopfschmerzen

Trotz massiver Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank steigen die Preise im Euro-Raum nicht. Was Verbraucher freut, bereitet EZB-Präsident Draghi Kopfschmerzen. Sollte die Zentralbank sich ein neues Ziel suchen?
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FrankfurtMario Draghi steht auf der EZB-Ratssitzung am heutigen Donnerstag vor einem schwierigen Balanceakt. Die Turbulenzen in China gefährden sein primäres Ziel, nämlich die Preisstabilität. Mit massiven Anleihekäufen von 1,1 Billionen wollte er die Preise in der Eurozone wieder in Richtung des mittelfristigen EZB-Ziels von knapp zwei Prozent anschieben. Doch dies gerät in immer weitere Ferne, wie aktuellen Zahlen der europäischen Statistikbehörde (Eurostat) von Montag zeigen.

Die Inflation im Euroraum verharrte demnach im August bei gerade mal 0,2 Prozent – deutlich entfernt vom EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent. Für Verbraucher sind gleich bleibende Preise eigentlich etwas Gutes. Für Notenbanker ist das aber anders.

Sie müssen auf der Hut sein, dass es nicht zu fallenden Preisen kommt (Deflation). Denn eine Abwärtsspirale wird etwa deswegen gefürchtet, da Verbraucher und Unternehmen Investitionen und Käufe in Erwartung weiter fallender Preise Anschaffungen verschieben. Es droht so ein Teufelskreis aus wirtschaftlichem Niedergang und sinkenden Preisen.

„Niedrige oder negative Inflationsraten sind zwar ein Segen für die Konsumenten. Sie dürften der EZB aber Kopfschmerzen bereiten,“ sagt der Ökonom Carsten Brzeski von der ING-Diba. Aktuell gibt es gleich mehrere Abwärtsrisiken für die Inflation:

  • die drastisch gefallen Öl- und Rohstoffpreise, die man auch an der Tankstelle bemerkt
  • die jüngste Euro-Aufwertung und
  • die Konjunkturrisiken durch die Turbulenzen in China.

Die aktuelle Entwicklung wirft allerdings die Frage auf, ob ein Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent noch realistisch ist. Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, glaubt, dass die EZB nach wie vor über genug Mittel verfügt, um die Inflation wieder anzutreiben. Sie könne ihr Anleihekaufprogramm noch erheblich ausweiten. Bisher bleibe dies weit hinter den Kaufprogrammen zurück, die die Notenbanken in den USA und Großbritannien gestartet hatten.

Gleichzeitig warnt er: „Das Inflationsziel deshalb absenken zu wollen, weil die EZB es derzeit nicht erreicht, wäre für die Glaubwürdigkeit der EZB eine Katastrophe.“

Kommentare zu " Vor der EZB-Ratssitzung: Draghis Kopfschmerzen"

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  • Draghi ist es ja nicht alleine.Alle Notenbanken der G7 + China fahren eine expansive Geldpolitik,um den Zins zu drücken,die eigene Währung zu schwächen und so den Export anzutreiben.Nur,wenn alle das Gleiche machen,dann hebt sich der Effekt auf.Was bleibt ist der billige Zins.Damit werden Schulden leichter finanzierbar für die überschuldeten Staaten.
    Die andere,wichtige Frage wird sein,was können Notenbanken effektiv in der Realwirtschaft bewirken?Können sie Konjunkturzyklen steuern?

  • Draghi wird sich einmal darauf hinaus reden, der Direktoriumsrat habe mit Mehrheit für diese Politik gestimmt, die er nur in derem Sinne umgesetzt habe. Er wird, einschließlich Griechenland, eine ökonomische Wüste hinterlassen, die uns alle, als Steuerzahler, teuer zu stehen kommen wird.

  • Also auf die nette Art:
    Herr Draghis vorrangiges Ziel ist es, unsere Währung zu schwächen.
    Er druckt Billionen ungedecktes Geld und erzeugt damit Aktien- und Vermögensgüterblasen und enteignet somit Sparer und Policen-Inhaber.
    Sein Keller ist voll mit wertlosen Ramschanleihen.

    Liebe Zensur, kann das jetzt so durchgehen?

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