Vor der EZB-Ratssitzung Draghis neue Sorgen

Noch Anfang des Jahres sanken die Preise in der Euro-Zone deutlich. Doch dieser Trend hat sich schneller umgekehrt als viele erwartet haben. Für EZB-Chef Mario Draghi bringt dies vor der Ratssitzung ein neues Problem.
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EZB-Sitzung macht die Anleger nervös

FrankfurtMonatelang musste Mario Draghi zittern, wenn die neuesten Daten zur Inflation im Euro-Raum kamen. Trotz der sehr lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stiegen die Preise einfach nicht. Ökonomen sorgten sich vor einem Teufelskreis aus schrumpfenden Preisen und einer wirtschaftlichen Rezession.

Diese Sorge hat sich inzwischen weitgehend erledigt. Noch im Januar schrumpften die Preise in der Euro-Zone gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,6 Prozent. Nun ist die Inflationsrate im Mai erstmals in diesem Jahr wieder positiv. Laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat kletterten die Preise um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Für EZB-Chef Mario Draghi schafft der positive Preistrend allerdings ein neues Problem.

Analysten führen die positive Preisentwicklung nicht zuletzt auf die massive Intervention der EZB zurück. Seit März kauft sie für monatlich 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und Wertpapiere der Euro-Länder auf. Damit will sie die Inflation im Euro-Raum in Richtung ihres langfristigen Zielwerts von knapp zwei Prozent treiben. „Die EZB kann mit Recht behaupten, dass ihre Politik wirkt“, sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Diese Politik habe den Wechselkurs des Euros gedrückt und so zu höheren Importpreisen beigetragen, so Weil. Je schneller aber die EZB Erfolg hat, desto eher rechnen die Märkte mit einem baldigen Ende der ultralockeren Geldpolitik. Bislang hat die EZB angekündigt, dass sie die Anleihekäufe mindestens bis September 2016 ausführen will.

Als im April die Inflationszahlen besser ausfielen als erwartet, löste das bereits ein Beben am Anleihe- und Devisenmarkt aus: Die Kurse von Bundesanleihen brachen so stark ein wie noch nie in so kurzer Zeit – und der Euro wertete gegenüber dem US-Dollar kräftig auf.

Für Draghi sind die Spekulationen über ein baldiges Auslaufen der Anleihekäufe (Tapering) problematisch, denn sie können ihre Effektivität schwächen. Schließlich wirken sie sich vor allem über den Wechselkurs auf die Inflation aus. Wenn der Euro jedoch wieder aufwertet, verpufft dieser Effekt. Gleiches gilt am Anleihemarkt: Hier sind die Zinsen wegen der Tapering-Spekulationen gestiegen, was die Wirtschafts- und Preisentwicklung tendenziell schwächt.

"Der starke Anstieg hat uns überrascht"
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18 Kommentare zu "Vor der EZB-Ratssitzung: Draghis neue Sorgen "

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  • Auch wenn es niemand offen zugibt, so ist das primäre Ziel der Anleihekäufe durch die Notenbanken die Senkung der Zinsen in den Südländern der Eurozone (einschl. Frankreich). Das Geld wirkt als Droge und hat ihre Konsumenten zwar glücklich gemacht aber nicht geheilt. Ein Absetzen ist sehr problematisch und es fehlen die Anreize dies zu wollen.

  • Nachtrag:
    Korrekterweise sollte man hinzufügen, dass die Zentralbanken noch nicht einmal die Hauptverursacher der Geldmengenausweitung sind, sondern die Geschäftsbanken mit ihrer Kredit- / Giralgeldschöpfung via Fractional Reserve Banking. In der Ökonomie wird das als "Kreditmultiplikator" bezeichnet.

  • Draghi hat schon seit Jahren den Überblick verloren. Der Tanker IWF / EZB ist auf Autoplilot ... sonst hätte es schon gekracht

  • @ Ralph Westend, Flash Gordon usw.
    Vollkommen wertfrei geurteilt: selbstverständlich müssen Sie Draghi lieben, denn Sie gehören ja zu den Profiteuren der EZB-"Blähungen".
    Die Wirtschaft dagegen profitiert davon NICHT. Sie profitiert weltweit nicht von den "QE"-Maßnahmen der Zentralbanken.
    "The Forecaster" Marin Armstrong hat kürzlich eine Grafik veröffentlicht, die deren monumentales Scheitern bildlich darstellt: die von der FED gemessene US-Geldumlaufgeschwindigkeit ist auf ein 70-Jahrestief gefallen, und in in den letzten Jahren hat sich die Fallgeschwindigkeit zudem stark beschleunigt:
    http://i1.wp.com/armstrongeconomics.com/wp-content/uploads/2015/06/velocity-1910-2010.png
    Eine ähnlich hohe Fallgeschwindigkeit (jedoch von einem wesentlich niedrigerem Niveau aus) gab es nur noch während der Großen Depression.

  • Das Geld in EU-Deutschland wird durch die marktfeindlichen Maßnahmen der Gesetzespolitik von Merkel und CO. mehr und mehr entwertet. Zum einen ist da der ESM und zum anderen das EEG (Energiewende) als politisches Gesetzesdiktat, die in den freien Markt = Wirtschafts-und Wettbewerbsgesellschaft eingreift. Mit diesen Eingriffen der Politik in unsere freie Markt-Gesellschaft durch das EEG und dem ESM werden keine Werte = Wohlstand geschaffen, sondern die wirtschaftliche Wertschöpfungskette in eine vom Staat diktierte Subventionskette umgewandelt. Was dazu führt, dass wir in Zukunft Verhältnisse wie in einen sozialistischen System (siehe DDR System) ohne Wettbewerb und freier Innovationsentfaltung = wirtschafltiche Wertschöpfungskette bekommen. Wenn der Staat dem freien Bürger = Marktgesellschaft diktiert, wie dieser Leben bzw. sich bewegen/verhalten soll, dann haben wir keine Demokratie sonder eine Diktatur, die unter der Grünen Bewegung mit den Sozialisten in Form von Merkel und Co. daherkommt.

  • @ Herbert Maier
    Sie können bei der sogenannten "hedonischen" Berechnungsmethode der Inflation in den Warenkorb rein- und rausnehmen, wie es Ihnen (bzw. den "Ökonomen") beliebt.
    Sehen Sie, als Anhänger der Wiener Schule können Sie mich mit dieser Berechnungsmethode schon mal überhaupt nicht hinters Licht führen.
    Inflation ist hier schlicht und ergreifend die Ausweitund (oder noch besser: Aufblähung) der Geldmenge, wobei die Aufblähung schneller erfolgt, als die Produktivität steigen kann. Steigende Preise dagegen sind lediglich die FOLGE der Inflation:
    http://wiki.mises.org/wiki/Inflation
    "QE" z.B. IST also schlicht und ergreifend ein verschleiernder Begriff für Inflation.
    Wo die Preise letztendlich steigen, ob wie aktuell vor allem bei den Vermögenspreisen (Asset-Inflation) oder bei den Güter- und Dienstleistungspreisen, ist davon abhängig, in wessen "Händen" sich die aufgeblasene Geldmenge letztlich befindet. Dazu habe ich gestern schon einmal geschrieben:
    "Generell gilt: Je höher der Anteil der Weltüberschussliquidität, der im Besitz des Finanzsektors und insbesondere der Investment Banken ist, um so höher die Bewegung der überschüssigen Geldmenge in Richtung einer Vermögenspreisinflation.
    Je geringer der Anteil der Weltüberschussliquidität, der im Besitz des Bürgertums ist, um so geringer die Bewegung der überschüssigen Geldmenge in Richtung einer allgemeinen Inflation von Gütern und Dienstleistungen."
    http://www.macroanalyst.de/afc-5-asset-inflation.htm
    Milton Friedman, obwohl Monetarist, hat es am besten auf den Punkt gebracht: "Inflation ist immer und überall ein monetäre Phänomen!"
    Und die Zentralbanken bekämpfen keine Inflation, sie sind die VERURSACHER der Inflation.

  • Zu verurteilen ist die Naivität, wenn das überhaupt möglich ist, einer EZB
    die meint mit einem 'QE' Programm die Marktmechanismen der Kapitalmärkte
    aushebeln zu können, die Schuldner und Gläubiger zu einem vorsichtigeren
    Verhalten veranlaßt. Die Maßnahmen der EZB sind der direkte Weg in den Bankrott,
    auch wenn die EZB immer noch postuliert eine nicht vorhandene Deflation be-
    kämpfen zu wollen, was in Wirklichkeit eine Aushöhlung der Kaufkraft
    dieser verunglückten EUROsionswährung ist!

  • Würde Draghi so offen darüber reden, dass er die Anleihen kauft, damit die Staaten noch mehr wertlose Anleihen in den Markt drücken können, dann wäre der Effekt futsch.

    Die Menschheit will halt wie immer betrogen sein und bequem leben.

    In der Tat wird es jetzt interessant, wo jetzt das Argument der Inflation nicht mehr vorgeschoben werden kann. Da wird so einges zur Sparchen kommen können.

    In Wirklichkeit haben wir mit dem "Ankauf" der EURO-Anleihen nämlich längst EURO-Bonds, denn niemand wird der EZB diese Anleihen jemals wieder im Sekundärmarkt abkaufen.

    In Wirklichkeit hat die EZB diese Anleihen auch nicht als Sicherheit "angekauft", sondern gekauft. Der EZB wird jedenfalls nichts anderes übrig bleiben, als diese Anleihen nach einem ordentlichen Schuldenschnitt neu am Markt zu emittieren.

  • Rückgrad hätte er bewiesen, wenn er sich an Verträge und Gesetze gehalten hätte. Staatsfinanzierung ist das, was Draghi betreibt, siehe Griechenland. Welche Deutschen profitieren denn von seiner Politik, außer Banken und Spekulanten? Doch wohl nicht die Arbeitneher, doch wohl nicht der kleine Steuerzahler, doch wohl nicht der Rentner. Die werden alle drauf zahlen, von den Arbeitslosen in den Südländer gar nicht zu reden. Draghi betreibt eindeutig Klientelpolitik.

  • "Jeder, der sein Kind so erzieht, schafft einen lebensunfähigen Asozialen."

    Das ist es kurz auf den Punkt gebracht - etwas anderes haben wir in dem Fall nicht vorliegen.

    Egal ob es sich um die "Visonäre" in Brüssel, Berlin oder die Ganoven in Athen handelt.....

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