Vorschlag zur Griechenland-Krise

Sollen wir die griechischen Sparer retten?

Die griechischen Banken sind dem Ansturm verunsicherter Kunden nicht gewachsen. Um einen Bankrun zu vermeiden, hat der Frankfurter Ökonom Jan Pieter Krahnen heute einen kontroversen Vorschlag vorgelegt.
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Griechische Einlagen bis 100.000 Euro sind nur durch die griechische Regierung gesichert. Quelle: Reuters
Geldautomat auf Santorini

Griechische Einlagen bis 100.000 Euro sind nur durch die griechische Regierung gesichert.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Frankfurter Ökonom Jan Pieter Krahnen hat ein kontroverses Diskussionspapier zu Griechenland vorgelegt. Darin fordert er eine Garantie der Euro-Länder für die Einlagen der griechischen Banken bis zu 100.000 Euro. „Die Situation für das griechische Bankensystem dürfte dramatisch werden, wenn der Abfluss griechischer Spareinlagen ins Ausland und das Ausbleiben weiterer ELA-Kredite seitens der Zentralbank dessen Zahlungsfähigkeit bedrohen“, warnt Krahnen.

Das Geld für die Einlagengarantie solle aus dem Rettungsschirm ESM kommen. Für finanzielle Ausfälle des ESM haften die Steuerzahler der Euro-Länder entsprechend des Kapitalanteils ihres jeweiligen Landes.

Professor für Kreditwirtschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt
Jan Pieter Krahnen

Professor für Kreditwirtschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt.

(Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

Der Vorschlag dürfte daher für Diskussionen sorgen. Der deutsche Bankenverband hat sich bisher vehement gegen ein gemeinsames europäisches Einlagensicherungssystem ausgesprochen. Die Idee stamme von Leuten, „die an die Fleischtöpfe wollen“, sagte einst der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer. Wenn der ESM einspringt würden allerdings nicht die Sparer aus anderen Euro-Ländern haften, sondern die Steuerzahler. Aber eine Umsetzung der Idee könnte den Weg zu einer europäischen Einlagensicherung ebnen.

Jüngst haben sich auch die Top-Verantwortlichen der EU in ihrem Zwei-Stufen-Plan für die Vertiefung der Euro-Zone für eine gemeinsame Einlagensicherung ausgesprochen. Autoren sind die fünf Präsidenten Jean-Claude Juncker (EU-Kommission), Mario Draghi (Europäische Zentralbank), Donald Tusk (EU-Ministerrat), Jeroen Dijsselbloem (Euro-Gruppe) und Martin Schulz (EU-Parlament). In dem Präsidenten-Bericht wird eingeräumt, dass dies „einige Zeit“ brauchen werde. Die deutschen Volksbanken und die Sparkassen haben bereits Kritik an dem Vorschlag laut werden lassen.

Eine gemeinsame Einlagensicherung sei der „gänzlich falsche Weg“, erklärte der Bundesverband der Volksbanken. „Es wäre brandgefährlich, wenn bei einer Bankenkrise wie der in Zypern auch Sparer in allen anderen Ländern kalte Füße bekämen und ihre Konten plünderten“, warnte der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon. „Die Gelder, die wir für die Sicherheit der Sparkassenkunden in Deutschland beiseite legen, dürfen nicht für Krisenbanken in anderen Ländern eingesetzt werden.“ In vielen Ländern sei die Einlagensicherung weniger entwickelt als in Deutschland.

„Die bisherige Strategie hat zu einer Kränkung geführt“
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26 Kommentare zu "Vorschlag zur Griechenland-Krise: Sollen wir die griechischen Sparer retten?"

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  • Der Mann kann mit seinem Geld tun was er will. Wenn dies ausreicht, dann kann er auch die Griechen retten.

    Ungeachtet dessen muss er sich auch vorstellen, dass das Geld der griechischen Sparer irgendwo reinvestiert wurde. Wenn er die griechischen Sparer also retten will, dann finanziert er die, die den griechischen Sparern das Geld weggenommen haben.

    Ist das die Absicht?

  • @C. Falk
    Genau so ist es. Die gemachte Krise als Weg in den EU-Zentralstaat.

    Und die Griechen sind wohl die ersten, denen man ihre nationale Souveränität mit Geld abkaufen möchte. Dann sollen andere folgen (nochs Domino-Effekt).
    Ich persönlich glaube aber nicht, dass die Zeit dafür schon reif ist.Zwar hat sich Deutschland schon weitestgehend abgeschafft und seine Institutionen nach Brüssel aufgelöst, aber in anderen Ländern wird es mehr Widerstand geben. Hier ist z.B. so ein Kandidat, der beim EU-Spiel nicht mehr mitspielen möchte.

    http://www.fundresearch.de/Nachrichten/Top-Themen/Heute-Grexit-morgen-der-Brexit-.html

    Und ob die Franzosen da mitmachen. Und die Italiener?

  • Momentan wird ja nur auf den "Deckel" geschrieben. Abgerechnet wird zum Schluss. Dann allerdings richtig!

    Ich finde es jedoch schon bemerkenswert, daß alle guten Vorschläge von jedlichen Experten immer zur Folge haben, daß die bekloppten Deutschen am Ende des Tages für alle guten Ideen die diese Gutmenschen so haben, das Bill bezahlen dürfen. Scheinbar wurde die EU nur zu dem Zweck gegründet, so scheint mir....

    Lesen Sie den mal hier, im HB ist das "Premium", kostet also Geld. Der Herr Stiglitz hat eine andere Empfehlung für die griechischen Bürger:

    http://www.fundresearch.de/Nachrichten/Top-Themen/Nobelpreistraeger-Stiglitz-Ich-weiss-wie-ich-waehlen-wuerde-.html

  • Herr Krahnen als typischer Vertreter derjenigigen, die "die Krise als Chance" versuchen zu lancieren, um ihren zentralistischen Vorstellungen hin zu den "Vereinigten Staaten von Europa" Zucker zu geben.

    Natürlich funktioniert eine Währungsunion letzlich nicht ohne politische Union mit all den Instrumenten die Herr Krahnen für unabdingbar hält.

    Es hat allerdings mit Demokratie überhaupt nichts zu tun, wenn man die Krise als Vehikel benutzt, um den europäischen Wahlbürgern Dinge zu verordnen, die sie bei geordneten Abläufen nie und nimmer akzeptieren wüden, wie zum Beispiel eine gesamteuropäische Einlagensicherung.

  • @ R. Faiden: Tja, das Spiel wird natürlich auch in D gespielt, das Dumme ist nur, dass kein anderer da ist, der noch für D zahlen könnte! Konsequenz: eine Enteignungswelle jagt die andere!

  • Herr Jan Pieter Krahnen fordert eine Garantie der Euro-Länder für die Einlagen der griechischen Banken bis zu 100.000 Euro.
    Na ja, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:
    Eine Garantie für etwas, was bereits "kaputt" ist.
    Das ist somit keine Garantie sondern ein Ersatz.
    Warum nennt Herr Krahnen es nicht so?
    Er will jedem, der zuvor 100.000 Euro hinterzogen hat, und jedem der sie erarbeitet hat, diese Summe schenken.
    Lieber Herr Banker: Sie haben ein Unternehmen. Übernehmen Sie auch bitte selbst die Verantwortung, wie alle anderen auch.
    Wenn Sie was humanitäres tun wollen, dann geben Sie jedem hilfsbedürftigem Griechen 150 EUR pro Monat EU-Sozialhilfe. Die 7.2 Mrd langen für 4 Mio Griechen ein Jahr.

  • Die Griechenland-Krise kann nur noch im Chaos enden: Können Griechenland keine weiteren Kredite gewähren,sagt der IWF, Schäuble sagt, ohne IWF gibt es keine weiteren Hilfen, was nun? Das derzeitige Wirtschaftswachstum Griechenlands liegt bei 0,0%, wahrscheinlich ist es sogar niedriger, wer traut sich da, Griechenland noch Geld zu geben? Das können eigentlich nur noch Irre tun! Der Vorschlag von Krahnen geht in diese Richtung: Das würde kein Jahr dauern und die Bankeinlagensicherung müsste einspringen. Die einzige Chance, Griechenland noch über Wasser zu halten, wäre, weltweit sämtliche griechischen Guthaben einzufrieren, zu beschlagnahmen. Nur wer nachweisen kann mittels Steuerbescheid, dass er nicht am Staat vorbei zu seinem Vermögen gekommen ist, kann sich aus seinem Guthaben bedienen. Für alle anderen wird ein durchschnittlicher Steuersatz gebildet, auf das Vermögen angewandt und Griechenland überwiesen...

  • Das Spiel ist einfach und geht ungefähr so:
    1. Verschulde einen Staat bzw. ein Volk mit öffentlichen Krediten
    2. Treibe den Staat in die Pleite
    3. Privatisiere vorhandenes Volksvermögen zum Schnäppchenpreis und schaffe den Sozialstaat ab (heisst entwerte die über Jahrzehnte erworbenen Ansprüche der Arbeitnehmer auf Rente und Sozialversicherung)
    4. Im Falle der EU: lass andere Staaten die Schulden weiter abbezahlen

  • Das soll dann an die Linksradikalen-Wähler zur Belohnung gleich das nächste Rettungspaket durch die Hintertür werden, oder was?
    Nicht mehr ganz richtig im Kopf?

  • Ich vermisse in der Schuldendiskussion folgendes: wenn ein Privatschuldner insolvent geht, wird geprüft, ob er noch irgendwelche Wertgegenstände (Haus, Auto, Fernseher, Gold, Devisen, Grundstücke ... etc.) hat. Wie sieht das denn mit GR aus? Haben die nicht Goldbestände, Grundstücke, Inseln, Erdgasvorkommen und sonstige Aktiva, welche sich zu Geld machen lassen? Warum fragen die Gläubiger & die Regierungschefs nicht danach? Soll Griechenland doch z. B. Kreta an Deutschland abtreten ... ja ich weiß, das ist provokativ! Und das mit Absicht ... Einfach so die Zahlungsunfähigkeit zu erklären und einen Schuldenschnitt erzwingen zu wollen, finde ich zu simpel.

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