Währung
Die Euro-Weichmacher

Frankreich und Italien sehen den starken Euro als Ärgernis. Sie fordern: Die EZB muss die Währung gezielt abwerten. Der Aufruf zeigt bereits erste Wirkung. Ein gefährliches Spiel hat begonnen.
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DüsseldorfEs waren ungewöhnliche Töne für einen deutschen Finanzminister. „Der Euro ist eine stabile Währung. Zu stabil, überschätzt an den Finanzmärkten“, sagte Wolfgang Schäuble in der vergangenen Woche in Paris. So offen hat er noch nie gesagt, dass er den Euro für überbewertet hält. Ein Stück weit kam er damit seinen französischen Gastgebern entgegen, fügte aber schnell hinzu, eine gezielte Abwertung sei kein geeignetes Mittel, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Genau darauf drängen viele französische Politiker. Im Vergleich zu seinem Tiefpunkt 2012 hat der Euro gegenüber dem US-Dollar mehr als zehn Prozent aufgewertet – von 1,20 auf 1,35 US-Dollar. „Wenn der Euro so stark bleibt, muss die Europäische Zentralbank weitergehen als bisher und staatliche Schuldtitel kaufen“, sagt der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. Der offene Aufruf, den Euro zu schwächen, zeigt bereits Wirkung: In vorauseilendem Gehorsam verkaufen Investoren den Euro. Am Dienstag fiel der Wechselkurs zum ersten Mal seit November 2013 wieder unter 1,35 Euro.

Die Forderungen von Unternehmern wie Airbus-Chef Fabrice Brégier gehen noch weiter. Der Franzose plädierte jüngst im Handelsblatt-Interview für eine Abwertung des Euros um mindestens zehn Prozent. Er könne „das Gerede nicht mehr hören“, dass das unmöglich sei.

Für Airbus ist die Rechnung simpel. Flugzeuge werden am Weltmarkt in Dollar abgerechnet. Die Produktionsstandorte des Flugzeugbauers liegen aber im Euro-Raum. Wenn nun der Wechselkurs des Euro gegenüber dem Dollar um zehn Prozent steigt, verteuert das die Flugzeuge im selben Umfang. Entweder gibt Airbus die Kosten an die Kunden weiter und riskiert einen geringeren Absatz oder das Unternehmen macht weniger Gewinn.

Daher ist der Ruf nach einem schwächeren Euro aus Sicht von Airbus verständlich. Gesamtwirtschaftlich aber ist die Sache viel komplizierter. Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen räumt zwar ein, dass ein schwächerer Euro kurzfristig den Exporten des Euro-Raums und auch der Konjunktur „etwas Rückenwind“ geben würde. „Dieser Effekt ist aber begrenzt und würde sicherlich auch schon bald wieder nachlassen.“  

Kommentare zu " Währung: Die Euro-Weichmacher"

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  • Wenn Preisstabilität in der Eurozone das vorrangige Ziel der EZB wäre, dann müßte Herr Draghi wg. Unfähigkeit fristlos gefeuert werden.

    In Wahrheit inflationiert der Euro seit 10 Jahren real zwischen 4-6 % p.a.

    Seit Einführung des Euro hat sich die Kaufkraft halbiert, während die Löhne durchschnittlich nur um 1% p.a. gestiegen sind.

    Wenn also Meister Draghi und Schulden-Schäuble uns einreden wollen, wir hätten keine Inflation und müßten deswegen durch Neudruck ungedeckten Falschgeldes Inflation erzeugen, haben wir es mit den größten Lügnern der Welt zu tun und müßten die beiden vor Gericht stellen.

    Der Bürger hat Anspruch auf Preisstabilität ohne Inflation und wenn er die nicht vorfindet, muß er die Verantwortlichen fristlos feuern.

    Statt dessen erlauben wir einem durchgeknallten EZB-Präsidenten, uns zugunsten der Pleitiers und Kreditbetrüger im ClubMed planmäßig zu enteignen und unsere Ersparnisse in der Transfer- und Schulden-Union zu unterschlagen.

    90% Wahlidioten haben Parteien gewählt, die eine Enteignung ihres Volkes billigend in Kauf nehmen.

    Ein paar Prozent Vernünftige, die Alternativ-Parteien gewählt haben, werden als Rechtsradikale und Nazis diffamiert.

    So siehts aus im Land der dummen und zugedröhnten. Brot-und-Spiele-Michel.

  • ...ff...

    weiterhin 100% auf eine oder mehrere Formen der Subventionen verlassen. Nun verlangt die Krisenzone ein weiteres Stück von einem Kuchens, der anderswo gebacken wurde.

    Subventionen finden in vielerlei Formen statt - etwa durch großzügig ausgereichte zinsfreie Mega-Kredite der EZB - in Deutschland wirkt der umgekehrte Effekt zur Finanzierung dieses Luxus: Keine Zinsen mehr auf Ersparnisse, Lebensversicherungen und sonstige Geldanlagen, die obendrein international einer kontinuierlicher Abwertung unterliegen - bei der Altersvorsorge bahnt sich ein Debakel an.

    Geldwertung frisst in Deutschland auch sämtliche nominalen Minimallohnsteigerungen der nächsten Jahre - und zwar gleich mehrfach. Nicht mal innerhalb des kriselnden Europas lässt sich Kapital schlagen. Wir kaufen unsere eigenen Produkte zu steigenden Preisen, da nun außerhalb der Eurozone fortan bessere Preise ernöglicht werden.

    Und so zerbröseln zunehmens die Löhne im Inland. Der Deutsche schuftet, kann sich aber keinen Urlaub mehr in Griechenland, Italien oder der Karibik leisten. Die Leistungsbereitschaft und vergleichsweise gute Ausbildung in Deutschland zahlt sich schlicht nicht mehr aus - im Gegenteil: Sie wird ins Gegenteil verkehrt, macht die Menschen zu Subventionszahlern, Zinsverzichtlern, Armutsrenter und Weichwährungstouristrn. Statt billiger werden Importe aus Asien oder den USA nun immer teurer.

    Ein konstanter Lebensstandardschwnd ist mdie Folge. Lãngst spüren dies die Deutschen massiv am eigenen Leib.

  • ...ff...

    weiterhin 100% auf eine oder mehrere Formen der Subventionen verlassen. Nun verlangt die Krisenzone ein weiteres Stück von einem Kuchens, der anderswo gebacken wurde.

    Subventionen finden in vielerlei Formen statt - etwa durch großzügig ausgereichte zinsfreie Mega-Kredite der EZB - in Deutschland wirkt der umgekehrte Effekt zur Finanzierung dieses Luxus: Keine Zinsen mehr auf Ersparnisse, Lebensversicherungen und sonstige Geldanlagen, die obendrein international einer kontinuierlicher Abwertung unterliegen - bei der Altersvorsorge bahnt sich ein Debakel an.

    Geldwertung frisst in Deutschland auch sämtliche nominalen Minimallohnsteigerungen der nächsten Jahre - und zwar gleich mehrfach. Nicht mal innerhalb des kriselnden Europas lässt sich Kapital schlagen. Wir kaufen unsere eigenen Produkte zu steigenden Preisen, da nun außerhalb der Eurozone fortan bessere Preise ernöglicht werden.

    Und so zerbröseln zunehmens die Löhne im Inland. Der Deutsche schuftet, kann sich aber keinen Urlaub mehr in Griechenland, Italien oder der Karibik leisten. Die Leistungsbereitschaft und vergleichsweise gute Ausbildung in Deutschland zahlt sich schlicht nicht mehr aus - im Gegenteil: Sie wird ins Gegenteil verkehrt, macht die Menschen zu Subventionszahlern, Zinsverzichtlern, Armutsrenter und Weichwährungstouristrn. Statt billiger werden Importe aus Asien oder den USA nun immer teurer.

    Ein konstanter Lebensstandardschwnd ist mdie Folge. Lãngst spüren dies die Deutschen massiv am eigenen Leib.

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