Währungspolitik
G20 wollen sich gegen Risiken absichern

Die G20 malen ein graues Bild der aktuellen Lage in der Weltwirtschaft. Neben dem lahmenden Wachstum bereiten ihnen die vielen Risiken Sorgen. Nun wollen sie sich für den Fall wappnen, dass diese Risiken Realität werden.

ShanghaiDie führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) wollen nach den kräftigen Wechselkursschwankungen der vergangenen Monate enger in der Währungspolitik zusammenarbeiten. „Wir werden uns eng abstimmen in Hinblick auf die Devisenmärkte“, hieß es in der Abschlusserklärung eines G20-Finanzministertreffens in Shanghai, die der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag vorab vorlag. Die Länder wollen dabei ausdrücklich keine Zielmarken für die jeweiligen Wechselkurse setzen, mit denen Vorteile im Handel erlangt werden könnten. Sie erneuerten ihre Zusage, sich keine Abwertungswettläufe liefern zu wollen. Um das Wachstum dauerhaft zu stärken setzen die G20 vorrangig auf Strukturreformen, die sie beschleunigen wollen.

Die G20 malten ein graues Bild der aktuellen Lage in der Weltwirtschaft. Das Wachstum bleibe hinter den Zielsetzungen zurück und sei sehr ungleichmäßig, hieß es in der Erklärung. Hinzu kämen wachsende Risiken. Dazu zählen die G20 die Möglichkeit eines Ausstieges Großbritanniens aus der EU (Brexit) und die Flüchtlingsströme in mehreren Regionen der Welt, darunter auch Europa. Belastend seien auch die geopolitische Krisenherde, etwa in Nahost, sowie der Einbruch von Rohstoffpreisen wie beim Öl. Die Sorge, dass die jüngsten Abwärtsrevisionen bei den weltweiten Wachstumsraten noch nicht das Ende darstellten, sei gestiegen.

Was allerdings die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten angehe, so ständen die nicht im Einklang mit den tatsächlichen Entwicklungen, hieß es weiter. Große und ungeordnete Schwankungen an den Devisenmärkten werden als Gefahr für die finanz- und wirtschaftspolitische Stabilität eingestuft.

Die G20 wollen gewappnet sein, um zu reagieren, wenn Risiken für die Weltwirtschaft Realität werden. „Wir werden weiterhin Politik-Optionen prüfen, die die G20 nutzen könnte, um gegebenenfalls Wachstum und Stabilität zu unterstützen“, versicherten sie in ihrer Abklärung. Von etwaigen neuen Konjunkturprogrammen, wie sie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Shanghai erneut ablehnte, ist allerdings nicht die Rede.

Die Befürchtungen an den Finanzmärkten um den Zustand der Weltwirtschaft sind nach Einschätzung von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann übertrieben. „Vielleicht könnte man sagen, die konjunkturellen Perspektiven sind besser als ihr Ruf“, sagte Weidmann am Samstag beim Treffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Shanghai. „Aus meiner Sicht besteht kein Anlass, die Wirtschaftsaussichten allzu schwarz zu sehen.“ Viele Experten hatten zuletzt angesichts schwächerer Wachstumsraten in Schwellenländern wie China ihre Schätzungen nach unten revidiert. „Auch für China gibt es trotz gestiegener Risiken keinen Hinweis auf einen scharfen Wirtschaftseinbruch“.

Die G20-Staaten wollen mehr tun, um das weiterhin relativ gemächliche Wachstum anzukurbeln. Dabei geht es den großen Industrie- und Schwellenländern vor allem darum, die schon beschlossenen Strukturreformen schneller umzusetzen, um auf einen dauerhaft höheren Wachstumspfad zu kommen. „Die Geldpolitik alleine kann nicht zu einem nachhaltigen Wachstum führen“, heißt es in der Erklärung. Sie werde aber weiterhin die Konjunktur stützen. Auch mit der Finanzpolitik wollen die G20 dieses Ziel verfolgen. Die Steuer- und staatliche Ausgabenpolitik solle so wachstumsfreundlich wie möglich ausfallen und die Rahmenbedingungen für Investitionen verbessern.

Die G20 erneuerte ihr Bekenntnis zu den Reform-Zielen ihres Gipfels 2014 im australischen Brisbane. Danach soll mit einer Fülle von Reformmaßnahmen das weltweite Wachstum binnen fünf Jahren auf einen um zwei Prozent höheren Zuwachspfad geführt werden. Allerdings sind derzeit gerade die Hälfte der damals versprochenen über 800 nationalen Reformmaßnahmen umgesetzt worden, wie aus G20-Kreisen verlautete.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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