Weltbank-Ökonom
„Fed sollte mit Zinsanhebung noch warten”

Der Chefvolkswirt der Weltbank, Kaushik Basu, warnt die US-Notenbank Federal Reserve vor einer Zinsanhebung. Höhere Zinsen könnten da zu Markt-Turbulenzen führen. Er ist nicht der Einzige, der die Bank warnt.

WashingtonDie US Notenbank Fed sollte nach den Worten des Chefvolkswirtes der Weltbank mit einer Erhöhung der Leitzinsen noch warten, bis die Weltwirtschaft stabiler geworden ist. „Ich glaube nicht, dass ein Abheben der Fed eine große Krise auslösen wird, aber es wird sofort einige Turbulenzen verursachen”, sagte Kaushik Basu in einem Interview der „Financial Times”, das am Dienstag veröffentlicht wurde. Die Weltwirtschaft sei noch so voller Probleme, dass ein solcher Schritt der USA einige Länder sehr negativ treffen würde.

An den Märkten wurde lange mit einer Straffung der Geldpolitik in den USA ab September gerechnet. In jüngster Zeit mehren sich aber die Stimmen, die eine Anhebung der Zinsen für verfrüht halten. Weder habe die Konjunktur genug Schwung noch sei die Lage am Arbeitsmarkt so rosig, dass eine Zinsanhabung hilfreich wäre, sagen Kritiker. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Probleme in China, die auch zu Verwerfungen in den globalen Wirtschaftsbeziehungen führen.

Basu ist nicht der einzige Ökonom, der die US-Notenbank zu einer behutsamen Geldpolitik auffordert. Am 3. September warnte bereits der Internationale Währungsfonds (IWF) die Notenbanker vor einer allzu raschen Anhebung der Zinsen. „Unsere generelle Ansicht ist, dass sie Flexibilität haben, noch zu warten“, sagte IWF-Sprecher William Murray.

Angesichts der niedrigen Inflation und des schwachen Lohnwachstums in den Vereinigten Staaten sei eine Anhebung des Leitzinses nicht unmittelbar geboten. Ähnlich wie Basu verwies auch Murray auf die Folgen einer Zinswende in den USA für die Weltwirtschaft, die sich derzeit in einem „ziemlich holprigen“ Zustand befinde.

Dagegen zeichnen die am vergangenen Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen ein weniger düsteres Bild. Zwar sind nach Angaben des US-Arbeitsministeriums im August nur 173.000 anstatt den von Ökonomen erwarteten 220.000 neue Jobs entstanden. Zugleich aber sank die US-Arbeitslosenquote auf gerade einmal 5,1 Prozent – und damit beinahe auf den Stand der Vollbeschäftigung.

Hebt die Fed die Zinsen an, würde es das Ende einer über Jahre hinweg andauernden lockeren Geldpolitik der US-Notenbank bedeuten. Die Federal Reserve hatte die Zinsen Ende 2008 auf das Rekordtief von null bis 0,25 Prozent gesenkt, um die von der Finanzkrise gebeutelte Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen. Die nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses ist Mitte September. Ende Oktober 2014 hatte die Zentralbank bereits ihre milliardenschweren Programme zum Anleihenkauf auslaufen lassen.

Agentur
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