Widerstand gegen Erdogan

Türkische Zentralbank senkt Leitzins nicht

Der Kursverfall der türkischen Lira macht Präsident Recep Tayyip Erdogan wütend – für ihn ist die Zentralbank schuld, die einfach den Leitzins nicht weit genug senken will. Anleger sind allerdings auf Seiten der Bank.
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Mit ihrer Entscheidung den Leitzins weiter unangetastet zu lassen, trotzt die türkische Znetralbank weiter den öffentlichen Attacken durch Präsident Erdogan. Quelle: ap
Zentralbank vs. Präsident

Mit ihrer Entscheidung den Leitzins weiter unangetastet zu lassen, trotzt die türkische Znetralbank weiter den öffentlichen Attacken durch Präsident Erdogan.

(Foto: ap)

IstanbulIn der Türkei trotzt die Notenbank dem anhaltenden Druck von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Sie beließ bei ihrer Sitzung am Dienstag den Leitzins unverändert bei 7,5 Prozent. Die Zentralbanker fürchten, dass die Inflation weiter anziehen wird.

Ein Grund dafür ist der Kursverfall der heimischen Währung Lira, die zuletzt auf ein Rekordtief gefallen war. Erdogan dagegen will vor der Parlamentswahl im Juni mehr wirtschaftliche Dynamik und pocht daher aggressiv auf Zinssenkungen. Vergangenen Monat hatte die Notenbank die Zinsen zwar herabgesetzt, dies war der Regierung aber zu wenig.

An den Finanzmärkten hat der Streit Unruhe ausgelöst und die Lira zusätzlich unter Druck gesetzt. Anleger sorgen sich um die Unabhängigkeit der Zentralbank. Daher stieß die aktuelle Entscheidung auf Beifall. „Wir sind der Auffassung, dass die Zentralbank das Richtige getan hat und mit dem Beschluss einen Teil der verloren gegangenen Glaubwürdigkeit wiedergewonnen hat“, konstatierte Ozgur Altug, Chefvolkswirt von BGC Partners.

So lästert das Netz über die skurrile Kostümshow
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Das Bild ist keine Montage, sondern Realität: Vor der Haupttreppe im neuen türkischen Präsidentenpalast in Ankara stehen Recep Tayyip Erdogan und sein Gast, Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, schütteln sich die Hände und blicken ernst in die Kamera. Ein skurriles Bild, das auch Grünen-Chef Cem Özdemir amüsiert.

Quelle: @cem_oezdemir

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Mit Schild und Speer standen die Wächter Spalier auf der Haupttreppe des 500 Millionen Euro teuren neuen Amtssitzes in Ankara, den der türkische Staatspräsident erst im Oktober vergangenes Jahr bezogen hatte. In den sozialen Medien bleiben die Reaktionen nicht aus – wie in diesem Screenshot bei Twitter zu sehen ist.

Quelle: @CansuOezdemir

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Bei den Kostümen der Schauspieler handelt es sich um militärische Kostüme aus jenen 16 Reichen, die nach offizieller Darstellung als Vorfahren der heutigen Türken gesehen werden, darunter das Reich der Hunnen, der Seldschuken und natürlich das Osmanische Reich. Sie sind der Stolz der Türken. Montage entdeckt bei @EmmiBruddler

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Auf Twitter kursieren Bilder Erdogans mit Klonfiguren oder Foto-Montagen, die ihn mit Figuren wie dem Superhelden Hulk zeigen.

Quelle: @satrayni

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Die Reaktionen aus der Türkei kommen ziemlich humorvoll daher. Die türkische Internetseite „Zaytung“, die mit Berichten, die meist sehr übertrieben sind, amüsiert stellt den türkischen Staatschef gleich in mehreren Rollen dar: hier mal als Ritter...

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...hier mit den Fantasiewesen Pokémon und Pikachu...

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...hier schauen auch die Teletubbies im „Weißen Palast“ vorbei...

Im Februar war die Inflation angezogen. Für den weiteren Jahresverlauf gehen Experten von einem verschärften Preisdruck aus. Sie sehen die Teuerung Ende 2015 nun fast bei sieben Prozent, zuletzt lautete die Schätzung noch auf 6,77 Prozent.

  • rtr
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