Wirtschaftsforscher Belke
„EZB-Bazookas sorgen für Börsen-Strohfeuer“

Der DIW-Ökonom Belke hält die EZB-Pläne zur Eindämmung der Schuldenkrise für wirkungslos. Im Interview schlägt er stattdessen vor, die Feuerkraft des Euro-Rettungsschirms durch eine Golddeckung von Anleihen zu erhöhen.
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Handelsblatt Online: Jüngste Zahlen zeigen: Die Abhängigkeit spanischer Banken von der EZB steigt, gleichzeitig gehen die Kundeneinlagen aber zurück. Was heißt das mit Blick auf die gegenwärtige EZB-Politik?

Ansgar Belke: Da allein im Juli Einlagen in Höhe von etwa 75 Milliarden Euro von Spanien abflossen und teilweise in Deutschland landeten, handelt es sich klar um Kapitalflucht, die mit EZB-Geld finanziert wird. Ein großer Teil der in den Süden injizierten Liquidität gelangt in den Norden, vor allem nach Deutschland. Dort wird sich die Inflationsrate erhöhen, als Teil des Anpassungsprozesses im Rahmen der gegenwärtigen Zahlungsbilanzkrise. Insofern ist durch die EZB-Politik nichts gewonnen.

Das heißt: die EZB-Interventionen sind kontraproduktiv?

In gewisser Weise ja. Denn die Probleme, mit denen wir es heute zu tun haben, liegen teilweise lange zurück. Spanien beispielsweise hatte bereits Ende der achtziger Jahre eine strukturelle Arbeitslosigkeit von 20 Prozent. Eine weitere Schwierigkeit, mit der die Südländer zu kämpfen haben, ist der durch wichtige Fundamentaldaten, wie zum Beispiel die sinkende Wettbewerbsfähigkeit,  begründete längerfristige Investorenstreik. Angesichts dieses Versiegens der grenzüberschreitenden Kapitalflüsse geht für einige südliche Euro-Mitglieder per Definition kein Weg daran vorbei, ihr Leistungsbilanzdefizit zu schließen.

Mit welchen Mitteln?

Hierzu müssen sie kurzfristig ihren privaten und staatlichen Konsum reduzieren. Spanien muss dem Beispiel Irlands folgen und seine Bauinvestitionen endlich stark drosseln. Keineswegs bedingt dies aber einen noch expansiveren Kurs der europäischen Geldpolitik. Längerfristig lässt es sich nicht vermeiden, dass diese Staaten ihre Ressourcen durch niedrigere Löhne und Strukturreformen in den Exportsektor lenken.

Und worin liegt der Fehler der derzeitigen Geldpolitik?

Völlig falsch wäre es, die Politik der EZB einfach nur als Spiegelbild der expansiven Geldpolitik der US-Notenbank zu sehen. Die EZB hat ihre Geldregeln gelockert, weil die Banken in den Peripherie-Ländern des Euro-Währungsgebiets faktisch vom Interbankenmarkt abgeschnitten wurden. Sie hat sich damit aber auch einem erheblichen Risiko ausgesetzt.

Kommentare zu " Wirtschaftsforscher Belke: „EZB-Bazookas sorgen für Börsen-Strohfeuer“"

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  • Das ist nur Wichtigmacherei Draghis. Der von Brüssel und den Schuldenstaaten gedeckt wird. Man will mit legalen und illegalen Mitteln an neues Geld kommen. Ohne Auflagen! Marktwirkung haben Draghis Aktionen nie gehabt. Das waren immer nur Strohfeuer. Aber leider wurde das Geld der deutschen Steuerzahler dabei unsinnigerweise verbrannt! Unter dem Einverständnis der deutschen Politik! Es wird Zeit umzudenken.

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