Yellen als Fed-Chefin nominiert
Mit Zuckerbrot und Peitsche

Janet Yellen ist offiziell als US-Notenbankchefin nominiert. Obwohl sie als Garant für eine lockere Geldpolitik gilt: Eine Freundin der Banken ist sie nicht. Viel Sympathie zeigt sie dagegen für den „kleinen Mann“.
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San FranciscoEs war der übliche Auftritt, routiniert und souverän präsentiert. Der US-Präsident am Rednerpult in der Mitte, die neue Kandidatin rechts von ihm, der scheidende Amtsvorgänger links. Höflichkeiten werden ausgetauscht, artig geklatscht für erbrachte Leistungen, ein Händeschütteln, ein Lächeln.

Vergessen sind verbissenen Streitigkeiten und Intrigen hinter den Kulissen. Janet Yellen ist nur noch einen Schritt vom Ziel ihres beruflichen Lebens entfernt. Am Mittwochnachmittag nominierte der US-Präsident die heutige Vize-Chefin der US-Notenbank als designierte Nachfolgerin von Fed-Chef Ben Bernanke.

Eigentlich hatte er den früheren Finanzminister Larry Summers favorisiert. Doch Yellen mobilisierte zum richtigen Zeitpunkt ihre politischen Truppen und Mitte September war der Obama-Kandidat aus dem Rennen.
Jetzt heißt es gute Mine machen zum bösen Spiel. Barack Obama ist voll des Lobes für Yellen: „Sie hat keine Kristallkugel, aber was sie hat, ist ein tiefes Verständnis davon wie Wirtschaft und Märkte funktionieren.“ Was die 67-jährige studierte Ökonomin in den Augen des amerikanischen Präsidenten zur idealen Nachfolgerin Bernankes macht, ist für andere schlicht der Weg in den finanziellen Untergang Amerikas. „Sie hat sich der liberalen Schule verschrieben, die glaubt, der beste Weg die finanziellen Probleme unseres Landes zu lösen ist, immer mehr Geld hinein zu pumpen“, warnt der republikanische Senator John Cornyn.
Bei ihrer kurzen Ansprache betonte die Kandidaten, sie sei überzeugt, die Notenbank „könne und müsse“ mehr machen, um die wirtschaftliche Erholung zu beschleunigen. Dabei müsse klar sein, dass die Fed für „alle Amerikaner“ da sei. Arbeitslosigkeit ist für sie, die einen Großteil ihrer akademischen Tätigkeit mit der Erforschung der Gründe und Kosten von Arbeitslosigkeit verbracht hat, noch immer das brennendste Problem im Land: „Während wir Fortschritte gemacht haben, bleibt noch ein langer Weg zu gehen. Zu viele Menschen können immer noch keinen Job finden und wissen nicht, wie sie all die Rechnungen für sich und ihre Familien bezahlen können. Die Fed kann helfen, wenn sie ihren Job richtig macht.“

Nur was richtig ist, da gehen die Meinungen weit auseinander. Yellens allseits gerühmte Fähigkeit der Konsensfindung wird als Fed-Chefin bis an ihre Grenzen ausgetestet werden. Während sie für aggressive Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft wie Niedrigst-Zinspolitik und Ankauf von Staatsanleihen votiert, wird sie vor der schweren Aufgabe stehen, zum richtigen Zeitpunkt diese Maßnahmen wieder auslaufen zu lassen, um einer ausufernden Inflation entgegenzuwirken. Dabei sollten ihre Gegner die kleine Frau mit den weißen Haaren nicht unterschätzen. „Sie ist eine erfahrene Führungspersönlichkeit und sie ist zäh“, scherzte Obama bei ihrer Ernennung, „und das nicht nur, weil sie aus Brooklyn stammt.“
„Angesichts der drängenden wirtschaftlichen Herausforderungen denen sich unser Land gegenübersieht, empfehle ich dem Senat Janets Berufung ohne Verzögerung zu bestätigen“, wandte sich Obama eindringlich in Richtung des Senats, in dem seine Kandidatin alle demokratischen und acht Stimmen aus dem Nicht-Regierungslager benötigt, um gewählt zu werden.

Unbeeindruckt bis unentschieden zeigten sich die Finanzmärkte am Mittwoch. Der Dow-Jones-Index zog leicht an, was aber allseits eher aufkeimenden zarten Hoffnungen auf eine mögliche Lösung der Haushaltskrise zugeschrieben wird. Sie geht in ihren neunten Tag und am 17. Oktober müssen sich Senat und Congress auf eine neue Schuldenobergrenze einigen. Sonst droht dem Staat die Zahlungsunfähigkeit.

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Freundin klarer Regeln

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  • auf dem papier hört sich die dame ja gut an.
    mag die banken nicht, sympathie für die büger.
    ich denke aber, dass die auswirkungen verheerend sein werden, wenn sie wirklich so verfährt wie angedeutet.
    kann rokober nur recht geben.
    wer mehr zu der dame erfahren möchte:
    http://www.nur-nachrichten.de/Yellen

  • Yellen wird Dollars drucken und die Märkte damit überfluten ... bis diese Blase mal platzt!
    Cui bono - das ist die Frage!
    Warum kämpfte Yellen um diesen Job, wollte ihn haben?
    Für wen ist Yellen der verlängerte Arm?
    Kann nur böse enden .... für den Normalbürger!

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