Zahlen für Mai
Inflation sinkt auf Vier-Jahres-Tief

Die Preise in Deutschland steigen kaum noch. Im Mai sank die jährliche Teuerungsrate auf 0,9 Prozent – der niedrigste Stand seit Juni 2010. Das liefert den Befürwortern einer lockeren Geldpolitik weitere Munition.
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WiesbadenSinkende Energiepreise haben die Inflation in Deutschland auf den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren gedrückt. Insgesamt ging die jährliche Teuerungsrate überraschend deutlich auf 0,9 Prozent zurück - nachdem sie im Ostermonat April auf 1,3 Prozent angezogen hatte. Die Verbraucherpreise stiegen so schwach wie seit Juni 2010 nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Von April auf Mai 2014 sanken die Preise um 0,1 Prozent. Mit diesen Zahlen bestätigte die Behörde vorläufige Angaben.

Der Auftrieb der Verbraucherpreise in Deutschland liegt zwar noch deutlich über der Inflationsrate für den gesamten Euroraum, die im Mai 0,5 Prozent betrug. Er ist aber weit entfernt vom Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Rate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt.

Die Notenbank hatte Anfang Juni mit einem historischen Notfallpaket auf die Mini-Inflation reagiert: Der extrem niedrige Leitzins wurde nochmals gesenkt auf jetzt 0,15 Prozent. Außerdem müssen Banken nun 0,10 Prozent Strafzinsen auf Geld zahlen, das sie bei der EZB parken. Das soll die Institute dazu bringen, mehr Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu vergeben und so die Konjunktur anzukurbeln. Das würde in der Regel auch den Preisauftrieb stärken.

In ihrem jüngsten Monatsbericht betont die EZB, sie sehe trotz der extrem niedrigen Inflation weiterhin nicht die Gefahr einer Deflation im Euroraum - also einem Preisverfall auf breiter Front, der dazu führen könnte, dass Verbraucher und Unternehmen Investitionen aufschieben, weil sie weiter sinkende Preise erwarten. Die Hälfte des Rückgangs der Gesamtinflation im Euroraum seit Ende 2011 ist nach Angaben der EZB auf die Entwicklung der Energiepreise zurückzuführen.

Die Entwicklung in Deutschland bestätigt das: Wie in den Vormonaten dämpfte die Preisentwicklung bei Energie die Gesamtteuerung. Würde man die Energiepreise herausrechnen, hätte die Teuerungsrate im Mai nach Angaben der Statistiker bei 1,1 Prozent gelegen. Insgesamt lagen die Energiepreise im vergangenen Monat um 0,8 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Autofahrer durften sich über günstigere Spritpreise freuen, Hausbesitzer und Mieter über sinkende Heizölpreise.

Zudem schwächte sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln deutlich ab: Zwar mussten Verbraucher in Deutschland im Mai für Nahrungsmittel 0,5 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Der Preisanstieg in dieser Warengruppe lag aber erstmals seit drei Jahren unter der Gesamtteuerung.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @Dissident,
    bitte mal bei Verbraucherzentrale Hamburg, www.vzhh.de, nachschauen. Bei Gütern des täglichen Bedarfs liegen die versteckten Preiserhöhungen teilweise über 60%.
    Auch die teilweise gigantisch zu nennenden versteckten Preiserhöhungen sind im "hedonisch" manipulierten Warenkorb nicht enthalten.
    Übrigens das BIP wird demnächst auch, ganz nach US-Vorbild, mit "weichen Faktoren" hedonisch kreativ manipuliert. Dann gehts auf dem Papier auf wundersame Weise wieder aufwärts mit den EU-Volkswirtschaften!
    In der DDR wurden diese Schweinereien alle schon praktiziert.

  • Zitat: "Die Leute wissen schon gar nicht mehr, wohin mit dem vielen Geld."

    Wenn Sie mit "die Leute" die 20 % der Bevölkerung meinen, denen 80 % des Geldvermögens gehört, dann haben Sie mit Ihrem ursprünglich ironisch gemeinter Anmerkung völlig recht.

  • Klar. Die Preise sinken auf breiter Front; die Löhne steigen. Die Leute wissen schon gar nicht mehr, wohin mit dem vielen Geld. Manche kaufen in ihrer Not schon griechische Staatsanleihen, nur um keinen Strafzins zahlen zu müssen fürs Geldanlegen. Mann, gehts uns gut! Kaum noch auszuhalten....

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