Zentralbank unter Druck
Wenn die EZB zum Krisen-Dauerausputzer wird

EZB-Chef Draghi gibt dem Druck der Märkte nach. Die Zentralbank wird wohl mit der Notenpresse die gigantischen Staatsschulden abtragen. Das ändert die Rolle der Währungshüter in der Krise fundamental.
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DüsseldorfDie Hilflosigkeit der Politik in der Krise setzt die Europäische Zentralbank (EZB) unter Handlungsdruck. Eigentlich wollte die Zentralbank nie auf Dauer die Feuerwehr spielen. Doch inzwischen wird sie dazu regelrecht genötigt – von den Märkten, aber auch von der Politik selbst. Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici nahm am Freitag EZB-Präsident Mario Draghi persönlich in die Pflicht. „Ich vertraue darauf, dass Herr Draghi genau das tun wird, was nötig ist“, sagte Moscovici im französischen Fernsehen. „Das heißt so zu handeln, dass die Märkte beruhigt werden und es eine Entspannung bei den Zinssätzen für Spanien, für Italien geben kann.“

Draghi hatte am Donnerstag gesagt: „Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten.“ Anleger und Experten spekulieren darauf, dass die EZB nun wieder Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien kauft und so deren extrem hohe Zinskosten drückt.

Manche Ökonomen und Politiker sind schon länger der Ansicht, nur die EZB könne die Märkte dauerhaft beruhigen: Indem die Notenbank quasi unbegrenzt Staatsanleihen der Schuldenstaaten kaufe. Die EZB steckte seit Mai 2010 viele Milliarden in Staatsanleihen, betonte jedoch stets, die umstrittene Sondermaßnahme sei zeitlich und vom Umfang her begrenzt.

„Es kann nicht sein, dass am Ende die Notenbank die Aufgabe übernimmt“, hatte daraufhin Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erklärt. Die Rolle der EZB sei in den europäischen Verträgen ausdrücklich anders geregelt, unterstrich er. Demnach ist die Notenbank allein Hüterin einer stabilen Gemeinschaftswährung.

Selbst wenn die EZB zum „lender of last resort“ (Kreditgeber letzter Instanz) würde, würde das nach Schäubles Einschätzung lediglich „vielleicht paar Monate eine gewisse Ruhe“ schaffen. Seine Alternative: Europa müsse wirtschaftlich und politisch enger zusammenrücken und sich verbindlich an die gemeinsamen Regeln halten.

Kommentare zu " Zentralbank unter Druck: Wenn die EZB zum Krisen-Dauerausputzer wird"

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  • De Grauwe - wer solche Berater hat, muß sich nicht mehr selbst die Kugel geben, das erledigt er schneller und besser.

    Warum Staaten Anleihen verkaufen wollen, um das Geld dann nicht in der Wirtschaft auszugebn, das bleibt wohl sein persönliches Geheimnis.

  • „Die Sorge, dass dies zu höheren Inflationsgefahren führt, hält der Ökonom für unbegründet. Denn die Geldmenge, die in der Wirtschaft im Umlauf ist, steige keineswegs automatisch - weil Banken und andere Finanzmarktakteure in der Krise die zusätzliche Liquidität horten und diese nicht nachfragewirksam werde.“

    Das heißt dann wohl im Umkehrschluss, dass das zur Verfügung gestellte „Geld“, ausschließlich für die zockenden Bangster da ist, wir Steuerzahler aber dafür haften! Super System.
    Die EZB wird zur größten Bad Bank aller Zeiten und finanziert auf unsere Kosten die zockenden Banken ganz Europas und wird Dumm-Deutschen füllen die EZB ständig wieder mit unserem Steuergeld auf.

    Schlaf gut, Michel. Dein gesamtes Volksvermögen wird Schritt für Schritt abgesogen, aber Du träumst weiter von einem MORGEN!
    Wähle ruhig weiter CDU, CSU, FDP, SPD, Grüne oder demnächst Piraten!

  • De Grauwe? Bofinger? Diese Nullnummern wachsen ja wie die Giftpilze vom Boden. EZB soll also den ganzen Müll aufkaufen, was es so im südlichen Europa gibt. So viel blödsinn kann doch ken normaler Mensch verzapfen. Sind diese Herren Masoschisten oder werden sie von den Amis gefoltert?

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