Zentralbankchef
Japan will noch mehr Geld drucken

Die Angst vor einer Deflation treibt Japan zu umstrittenen Entscheidungen: Die Inflationsrate liegt derzeit nur bei etwa einem Prozent, der Zentralbankchef schließt auch den Kauf japanischer Staatsanleihen nicht aus.
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TokioDie japanische Zentralbank will ihre Geldschleusen im Kampf gegen die niedrige Inflation notfalls noch weiter öffnen. „Es gibt keine Grenzen für unsere geldpolitischen Instrumente, das gilt auch für den Kauf japanischer Staatsanleihen“, sagte Notenbankchef Haruhiko Kuroda am Mittwoch in Tokio.

„Um die chronische Krankheit der Deflation zu überwinden, muss die gesamte Medizin eingenommen werden. Eine unausgegorene Behandlung wird nur die Symptome verschärfen.“ Ziel bleibe es, die Inflationsrate so schnell wie möglich auf zwei Prozent zu hieven. Derzeit liegt sie nur etwa halb so hoch.

Die nach den USA und China drittgrößte Volkswirtschaft der Welt steckte Jahre in einer Spirale fallender Preise, die die Wirtschaft lähmte.

Erst vorige Woche hatte die Zentralbank in einem überraschenden Schritt beschlossen, bis zu 80 Billionen Yen (572 Milliarden Euro) pro Jahr an Wertpapieren aufzukaufen. Bislang waren nur 60 bis 70 Billionen Yen geplant. Die Entscheidung war allerdings stark umstritten: Fünf Notenbanker stimmten im Vorstand dafür, vier dagegen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Zentralbankchef: Japan will noch mehr Geld drucken"

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  • @Tom Schmidt

    "Der Begriff "New Normal" interessiert mich aber? Was ist das? Sind das realwirtschaftlich sinnvolle Zahlengrößen in Wachstum (ohne Geld drucken) und Inflation?"

    Vielleicht habe ich mich da verplappert. "New Normal" habe ich geschrieben, aber "New Neutral" habe ich gedacht. Beides sind Konzepte, mit denen der (bis vor kurzem?) weltgrösste Bondinvestor PIMCO die neue Wirklichkeit nach der Finanzkrise beschreibt und in Investmentstrategien umsetzt.

    New Neutral ist die im Sommer 2014 entwickelte These, dass Inflation, Zinsen und Realzins auf lange Zeit niedrig bleiben, und es keine Rückkehr zu den 2%-Zielsetzungen von FED, EZB og BOJ geben wird oder geben kann.

    Am besten vom Meister selbst erklären lassen - Keiner beschreibt es kürzer, fundierter und witziger als der Bondkönig selbst:

    http://www.pimco.co.uk/EN/Insights/Pages/One-Big-Idea.aspx

  • Naja... mit Zitaten aus 1945 wäre ich vorsichtig, da gäbs aus Deutschland auch jede Menge dummes Zeug. Und ganz offensichtlich ist der Glaube an den "Endsieg" in unserer Finanzwelt bis heute zu Hause.

    Ich finde das auch gut: 1 % Inflation sind also eine chronische Deflationskrankheit, 2 % Inflation sind dann super!

    Naja unsere EZB ist da intellektuell auch nicht weiter.

    Der Begriff "New Normal" interessiert mich aber? Was ist das? Sind das realwirtschaftlich sinnvolle Zahlengrößen in Wachstum (ohne Geld drucken) und Inflation?

  • Armer Kuroda! Anstatt sich über die 1% Inflation zu freuen und sich entsprechend feiern zu lassen, legt er die Messlatte unrealistisch hoch auf 2%. Vielleicht weil er Abes eiskalten Atem im Nacken spürt?

    Der Verlust der Unabhängigkeit der Zentralbanken ist das eigentliche Finanzdrama dieser Tage. Kuroda und Draghi machen Wirtschafts- und Fiskalpolitik, obwohl sie wohl wissen, dass das über kurz oder lang schiefgehen muss.

    Abe, Hollande und Letta betätigen sich derweil auf dem Gebiet der Geldpolitik. Davon haben sie zwar nicht den blassesten Schimmer, aber Selbstbewusstsein und Gottvertrauen sind für einen Politiker nun mal wichtiger als volkswirtschaftliche Detailkenntnisse.

    Pech nur, dass Abes Wahlprogramm zu einem Zeitpunkt geschrieben wurde, als das "New Normal" noch kein gängiger Begriff war.

    Der Geld-Tsunami, der notwendig wäre, um 2% Inflation in Japan zu schaffen, würde ganz ungefragt auch noch 5%, 10% und 150% Inflation schaffen. Dabei sind selbst die jetzigen 1% völlig untragbar hoch, wenn sie erst einmal auf das japanische Zinsniveau durchschlagen (N.B.: Staatsschulden bei 250% BNP). Und wenn Abes Hochzinspolitik ohnehin auf den Staatsbankrott hinausläuft, warum dann nicht gleich die Waffen strecken?

    Es ist der 1. August 1945, aber Kaiser Abe befiehlt seinem Generalstabschef Kuroda, keinen Zentimeter japanischen Bodens aufzugeben.

    Aus dem Volk werde mal einer schlau...



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