Zinsentscheid

EZB erhöht Kredithilfe für griechische Banken

Die Europäische Zentralbank hält den Leitzins im Euro-Raum auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent - und sicherte den griechischen Banken das Überleben, Was Ökonomen von dieser Entscheidung halten.
Update: 16.07.2015 - 16:04 Uhr 11 Kommentare
Die Position der Europäischen Zentralbank zu Ela-Hilfen für Griechenland steht im Fokus. Quelle: ap
Mario Draghi

Die Position der Europäischen Zentralbank zu Ela-Hilfen für Griechenland steht im Fokus.

(Foto: ap)

FrankfurtDie Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen am Donnerstag unverändert auf Rekordtiefs belassen. Und sie gewährt Griechenlands Banken weitere Notkredite. Der Rahmen für die sogenannten Ela-Hilfen sei angehoben worden, sagte EZB-Präsident Mario Draghi nach Beratungen des EZB-Rates am Donnerstag in Frankfurt.

Die Währungshüter stockten den Rahmen für die Gewährung von Notfall-Kredithilfen (ELA) an die Institute um 900 Millionen für eine Woche auf. Die EZB habe eine Anfrage der griechischen Notenbank genehmigt. Die Obergrenze für die ELA-Notkredite lag Insidern zufolge zuletzt bei etwa 89 Milliarden Euro.

Die sogenannten ELA-Hilfen werden von der Athener Notenbank gegen Sicherheiten vergeben. Über die Gewährung entscheidet aber der EZB-Rat. Die Institute benötigen die Liquiditätsspritzen mittlerweile für ihr Überleben. Denn aus Furcht vor einem Ausscheiden des Landes aus dem Euro hatten Bankkunden zuletzt massiv ihre Konten leergeräumt. Den Banken droht daher das Geld auszugehen.

Draghi machte sich zudem für eine Schuldenerleichterung zugunsten Griechenlands stark. "Es ist unbestritten, dass eine Schulderleichterung notwendig ist", sagte er. "Niemand hat das jemals infrage gestellt." Die Frage sei, welche Art die beste sei. Dies sollte in den kommenden Wochen in den Mittelpunkt der Diskussion rücken.

Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist ein Schuldenschnitt nicht mit der Mitgliedschaft Griechenlands im Euro vereinbar. Die Euro-Länder hatten einen Schuldenerlass ausgeschlossen, wollen aber über eine weitere Verlängerung der Kreditlaufzeiten sprechen. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge müssten alle bisherigen und künftigen Hilfskredite auf mindestens 30 Jahre gestreckt werden, um die Schuldenlast tragbar zu machen.

Ungeachtet der Dauerkrise in Griechenland rechnet die EZB mit einem Aufschwung in der Euro-Zone. "Die jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten, die teilweise die größere Unsicherheit widerspiegeln, haben unsere Einschätzung nicht verändert", sagte Draghi angesichts der starken Kursschwankungen an den Börsen. Die Konjunkturerholung werde auf breiteren Beinen stehen. "Der jüngste Rückgang der Ölpreise sollte das real verfügbare Einkommen der Verbraucher und die Profitabilität stützen", so Draghi. Des fördere den Konsum und Investitionen.

"Kaufprogramm wird reibungslos weiterlaufen"
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11 Kommentare zu "Zinsentscheid: EZB erhöht Kredithilfe für griechische Banken"

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  • Ist doch klar, wie es in Griechenland jetzt weiter geht. ... Es kommt eine Neuwahl nach der anderen und die Griechen können schön weiter unser Geld verprassen. Und Merkel hat jedes Mal dann die gleiche Ausrede, warum es in Griechenland bisher mit den Reformen noch nicht klappen konnte. ... Aber nur bis zu den nächsten Wahlen in Deutschland! Dann kommt die Zeit der AfD.

  • Wer befreit uns von der EUROSION. Rechnet doch mal nach. 50 Milliarden pro Jahr, das sind 150 Milliarden in 3 Jahren. Wer soll das bezahlen? Die Griechen werden in einen Schuldturm eingemauert. Leute, das ist Unsinn, da sind sich ja alle einig, nur die Lemminge laufen trotzdem auf den Abgrund zu.

  • also mit Ela werden nun wie schon vorher die kaputten Banken gerettet? und mit OMT dann GR? danach über 100 MRD nachwerfen und 1 Schuldenschnitt? bravo! das ist eine Superleistung, gell?

  • Verträge interessieren doch in der EU keinen, daraus müssen Konsequenzen gezogen werden. Der Dexit ist eher unrealistisch. Aber irgendwie muss die Bundesregierung Wege finden, uns, ihre Bevölkerung, vor den Auswirkungen der permanenten Rechtsbrüche in der EU Zone zu schützen. Ideen wären, die Bildung von Privatvermögen in DE zu stärken und Zukunftsinvestitionen für den Standort DE massiv vorzuziehen. Die "Schwarze Null" im Bundeshaushalt weckt, so hat es den Anschein, in der EU Begehrlichkeiten. Warum wohl, soll es unbedingt jetzt einen Schuldenschnitt geben und nicht erst 2021, wenn man a.) die Entwicklung GR kennt und b.) ein Schuldenschnitt sich für GR erst auswirkt. Entweder hat man Angst ein Schuldenschnitt 2021 muss so groß werden, dass er nicht mehr vermittelbar ist, oder man Angst, dass DE seine Steuern senkt oder gar ins eigene Land investiert, zu tun gäbe es genug.

  • Draghi ist bekannt für seine Rechtlosigkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber seinen gesetzlichen Pflichten. Er kommt aus Italien, erweckt aber den Eindruck, direkt aus Sizilien zu stammen.

    Das vereinbarte Bail-out-Verbot schert ihn den Teufel. Jede Verkürzung der Pflichten von Schuldnern im Euro ist ein Rechtsverstoß. Er sollte seine Rechtsabteilung fragen - selber scheint er auch das nicht zu wissen.

    Gemeinsam mit den üblen Komikern Juncker, dem Lügner und Schultz, dem Buchhändler, sorgt er dafür, daß aus dem Euro und den dazu geschlossenen Verträgen ein Trauerspiel geworden ist.

  • Nur bitte auch dynamisch, damit die allgemeine Wirtschaftsentwicklung Berücksichtigung finden kann. Ob das mit dem IWF geht?

  • Ich denke, dass ein Schuldenschnitt durchführbar wäre mit einer entsprechenden Bonus-Klausel: Schrittweiser Schuldenerlass gegen erreichte Zielvorgaben.

  • Ziel erreicht. Dt. Haftung steigt, ohne dass wir darüber demokratisch wählen durften.
    In Griechenland hat sich nichts verbessert, aber es fließen wieder Milliarden € ohne jegliche Sicherheit ab.

  • Ausverkauf!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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