Zinsentscheid EZB tastet Leitzinsen nicht an

Die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank endet ohne Paukenschlag: Beim Leitzins bleibt alles beim Alten. Die Europäer entfernen sich damit weiter vom Kurs der US-Zentralbank Fed. Diese hatte die Zinsen erneut erhöht.
Update: 14.12.2017 - 16:47 Uhr 3 Kommentare
EZB: Europäischen Zentralbank tastet Leitzinsen nicht an Quelle: dpa
Europäische Zentralbank in Frankfurt

Die Notenbanker haben auf ihrer Sitzung die zukünftige Geldpolitik festgelegt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Europäische Zentralbank (EZB) lässt sich nicht beirren. Trotz steigenden Drucks, den Ausstieg aus der Politik des ultra-billigen Geldes zu beschleunigen, hält die Notenbank Kurs. Den Leitsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld beließen die Währungshüter erwartungsgemäß auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Auf diesem Niveau liegt er bereits seit März 2016.

Der Einlagensatz steht weiterhin bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen also Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der Notenbank parken. Sparer, die kaum noch Zinsen bekommen, müssen sich also weiter gedulden. Den Leitzins will die EZB erst dann anheben, wenn die Anleihekäufe schon längere Zeit beendet sind. Volkswirte rechnen gegen Ende 2019, möglicherweise sogar erst 2020, mit einem ersten Zinsschritt.

Auf ihrer Zinssitzung in Frankfurt am Donnerstag hielten sich die Notenbanker auch die Tür offen, notfalls die besonders in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe erneut auszuweiten. Einen konkreten Endpunkt für die Transaktionen nannte die Notenbank nicht. Sie sind momentan das schärfste Schwert der Euro-Wächter. Im Oktober hatte die Europäische Zentralbank beschlossen, ihre Anleihekäufe ab Januar 2018 auf 30 Milliarden Euro zu halbieren und zunächst auf diesem Niveau bis September weiterlaufen zu lassen. Das Gesamtprogramm ist damit inzwischen auf 2,55 Billionen Euro angelegt.

Aus Deutschland kamen abermals kritische Stimmen: „Die extrem expansive Kombination von Nullzinsen und Anleihekäufen ist eine Notfallmaßnahme, für welche die Rechtfertigung abhandengekommen ist“, sagte Friedrich Heinemann vom Wirtschaftsinstitut ZEW. Ähnlich äußerte sich auch der Chefvolkswirt der Landesbank LBBW, Uwe Burkert: „Es könnte gut sein, dass es in der Ära Draghi überhaupt keine Zinserhöhung geben wird.“ Draghis Amtszeit endet im Herbst 2019.

Den Ratsmitgliedern lagen zur Sitzung neue Konjunktur- und Inflationsprognosen der hausinternen Volkswirte für die Euro-Zone vor, die erstmals auch das Jahr 2020 einschlossen. Sowohl Gegner als auch Befürworter der jahrelangen Geldschwemme erhofften sich dadurch bessere Argumente für ihre Forderungen. Vor allem die neuen Inflationsprognosen dürften diskutiert worden sein. Sie dürften den EZB-Kurs maßgeblich beeinflusst haben. Entscheidend ist dabei, wie nah die Europäische Zentralbank ihrem Ziel einer Teuerung von knapp zwei Prozent kommen wird.

Anders sieht die Entwicklung auf der anderen Seite des Atlantiks aus. Die US-Notenbank Fed hatte am Mittwoch gegen Ende der Ägide ihrer Chefin Janet Yellen die Zinsen ein drittes Mal in diesem Jahr angehoben und will die Zügel unter ihrem Nachfolger Jerome Powell weiter straffen. Die Fed setzte den Schlüsselsatz um einen Viertelpunkt hoch - auf die neue Spanne von 1,25 bis 1,50 Prozent. 2018 sollen drei weitere Anhebungen folgen. Die mächtigste Notenbank der Welt reagiert damit auf die brummende Wirtschaft in den USA.

Die britische Zentralbank bestätigte am Donnerstag ihren Leitzinssatz. Alle neun Mitglieder des Entscheidungsgremiums der Bank of England stimmten dafür, den Leitzins bei 0,5 Prozent zu belassen. Der Zinssatz war im November erhöht worden. In den kommenden Jahren dürften allmähliche moderate Zinserhöhungen angebracht sein, so die Währungshüter.

Details zum Zinsentscheid wird EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz ab 14.30 Uhr erläutern. Das Handelsblatt berichtet in einem Live-Blog. Es wird dann auch erwartet, dass der Italiener mehr Einzelheiten zu den vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufen nennen wird.

Die EZB hatte im Oktober beschlossen, die monatlichen Transaktionen ab Januar zu halbieren, dafür aber bis mindestens Ende September 2018 zu verlängern. Wie dabei das genaue Verhältnis von Staatsanleihen zu anderen Wertpapieren sein wird, ist zum Beispiel noch unklar. Manche Volkswirte halten es zudem für möglich, dass Draghi andeuten wird, 2018 den bisherigen geldpolitischen Ausblick anzupassen.

Sorgen bereitet den Zentralbankern nach wie vor die Inflationsrate im Euro-Raum. Diese liegt nach wie vor unter der angepeilten Marke von annähernd zwei Prozent. Nach die Preissteigerung Anfang des Jahres bis auf zwei Prozent angezogen hatte, liegt sie seit Mai zwischen 1,3 und 1,5 Prozent. Im November lag sie bei 1,5 Prozent. Anders sieht die Entwicklung in der größten Volkswirtschaft Europas, Deutschland aus. Nach einem Spitzenwert von 2,2 Prozent im Februar und einem Jahres-Tiefstwert von 1,5 Prozent im Mai stieg sie zuletzt an und lag im November bei 1,8 Prozent.

Mit der vor allem in Deutschland umstrittenen ultralockeren Geldpolitik versucht die Notenbank seit Jahren, Konjunktur und Inflation anzuschieben. Die Wirtschaft im Euroraum wächst mittlerweile robust. Die Preisentwicklung bedarf aus Sicht der EZB aber weiter Unterstützung. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben – das würde die Konjunktur abwürgen.

Während Sparer und Banken unter der Zinsflaute leiden, profitieren Kreditnehmer von günstigen Konditionen, zum Beispiel beim Kauf von Häusern und Wohnungen.

Mit Material von Reuters und dpa.

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3 Kommentare zu "Zinsentscheid: EZB tastet Leitzinsen nicht an"

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  • Die EZB lieben wir, sie finanziert den Finken-Sozialismus, sie forden den Proll und fördern die Finken, so muss es sein, sagt der Fink Ha Ha Ha

  • Die Frage ist nicht ob Draghi sich vor Gericht für den millionenfachen Betrug verantworten muss, sondern nur wann. Vor oder nach dem Euro Crash.
    ...Jetzt hat die EZB sogar Anleihen von insolventen Solarherstellern in den Büchern. Man stelle sich vor. Die Bank der Banken wird zum Gläubiger von potentiellen Kriminellen. Von den maroden Papieren aus Italien ganz zu schweigen.

  • Weiter Richtung Abgrund...vor der Landung meldete der Pilot Sonnenschein über den Wolken...

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