Zinserhöhung der Fed
Die große Wende in der Geldpolitik

Die US-Notenbank nimmt nach Jahren Abschied von der Null-Zins-Politik. Der Leitzins steigt um einen Viertel Prozentpunkt. Der Schritt ist ein Signal, dass die Krise überwunden ist. Entscheidend ist, wie es weitergeht.

New YorkIn einer historischen Entscheidung hat die US-Notenbank (Fed) den Leitzins angehoben. Er soll künftig in einer Bandbreite von 0,25 Prozent bis 0,5 Prozent schwanken. Die Spanne der Zinsen zuvor war mit 0,0 bis 0,25 Prozent vorgegeben, was meist einfach als Nullzins bezeichnet wurde. Nach dem Willen von Fed-Chefin Janet Yellen soll es in vorsichtigen Schritten weitergehen.

Die erste Anhebung seit fast zehn Jahren spiegele Fortschritte am Arbeitsmarkt wider, sagte Yellen am Mittwoch in Washington. Sie stehe auch für die Erwartung, dass es mit der US-Konjunktur weiter bergauf gehe.

Auf dem Arbeitsmarkt gebe es noch immer Verbesserungsmöglichkeiten, ergänzte Yellen. Die Normalisierung der Geldpolitik werde "graduell" erfolgen. Bei stärkeren Wachstumsraten oder einer höheren Inflation werde es deutlichere Schritte geben, im gegenteiligen Szenario langsamere Zinserhöhungen.

Viele Ökonomen und Investoren haben diesen Schritt sehnlichst erwartet. Sie fühlten sich nicht mehr wohl in einer Welt, in der die Kapitalmärkte vor allem von niedrigen Notenbankzinsen getrieben werden. Oft war die Befürchtung zu hören, die Kurse seien letztlich verzerrt und kein Spiegelbild der wirtschaftlichen Verhältnisse. Entsprechend nervös waren Investoren auch im Vorfeld der Entscheidung.

Die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise signalisiert in den Augen der Amerikaner aber auch, dass ihre Wirtschaft endgültig die Intensivstation verlassen hat und wieder gesund wird. Die Fed hatte den Zins vor sieben Jahren als Reaktion auf die Finanzkrise von einem Prozent auf das Niveau nahe Null gesenkt und dort belassen. Die letzte Zinserhöhung hatte im Jahr 2006 stattgefunden.

Bis zuletzt war der Zinsschritt bei Ökonomen und zum Teil wohl auch innerhalb der Fed umstritten. Grund dafür ist, dass die zwei wichtigsten Kennzahlen unterschiedliche Signale sendeten. Der Arbeitsmarkt hat sich trotz eines nur mäßigen Wirtschaftswachstum recht gut erholt. Die offizielle Arbeitslosigkeit liegt bei nur noch fünf Prozent, was in den Augen der Fed schon Vollbeschäftigung bedeutet. Auch der Offenmarktausschuss sei zu der Erkenntnis gekommen, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt noch einmal erheblich verbessert habe, hieß es in einer Mitteilung der Notenbank.

Und selbst noch genauere Kennzahlen, die zum Beispiel den Anteil der Teilzeitarbeit mit berücksichtigen, zeigen an, dass die USA sich wieder auf dem Niveau von vor der Krise befindet. Auf der anderen Seite lag die Inflation hartnäckig bis vor kurzem weit unterhalb der gewünschten Zielmarke von zwei Prozent, die nach Definition der Fed Preisstabilität bedeutet. Doch in der Mitteilung vom Abend zeigte sich die Fed überzeugt, dass sich die Inflation wieder der Zielmarke annähere.

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