Zinserhöhung
Die gespaltene Notenbank

In der amerikanischen Geldpolitik zeichnet sich ein Richtungsstreit ab. Gegner des raschen Handelns plädieren für Abwarten, Befürworter für eine baldige Zinserhöhung. Fed-Chefin Yellen behält derzeit jedoch die Oberhand.

New YorkWohin steuert die amerikanische Geldpolitik? Die führenden Notenbanker des Landes geben sich in diesen Tagen betont uneinig. Fed-Chefin Janet Yellen hatte vergangene Woche in New York vor globalen Risiken gewarnt und ihren Kurs der behutsamen Zinsanhebungen bekräftigt. Doch eine ganze Reihe von Notenbankern hat sich gegen ihre Fahrtrichtung ausgesprochen und damit zu Verunsicherungen an den Märkten geführt.

Auf ihrer jüngsten Sitzung Mitte März haben die Mitglieder des Zinsausschusses intensiv über den richtigen Kurs diskutiert, wie aus dem Protokoll des Treffens hervorgeht, das am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Sorgenkind Weltkonjunktur

Eine kleinere Gruppe von Notenbankern plädierte laut dem Protokoll für eine geldpolitische Straffung im April. Letztlich setzte sich allerdings Yellen mit ihrer Meinung durch, mit der nächsten Zinsanhebung noch eine Weile zu warten. Mehrere Ausschuss-Mitglieder hätten sich dafür ausgesprochen, bei der Anhebung vorsichtig vorzugehen oder hätten Bedenken geäußert, dass eine Zinssteigerung im April „eine Dringlichkeit signalisieren würde, die nicht angemessen wäre“, heißt es in dem Protokoll, das keine genaue Auskunft darüber gibt, wer welche Position vertreten hat.

Die Gegner raschen Handelns führten insbesondere die schwächelnde globale Konjunktur und die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten für ihre Bedenken an.

Die Fed hat die Geldpolitik im Dezember 2015 erstmals seit fast zehn Jahren gestrafft. Seither hält sie den Schlüsselsatz zur Versorgung der Finanzinstitute mit Geld in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent und peilt für dieses Jahr zwei Erhöhungen von jeweils einem Viertel Prozentpunkt an. Im Dezember hatte Yellen noch vor, die Zinsen vier Mal in diesem Jahr anzuheben. Analysten stellen sich nun darauf ein, dass die Fed im Juni und im Dezember Zinserhöhungen verkünden könnte.

Eine Anhebung bei der nächsten Sitzung im April ist nicht ganz vom Tisch. Einige Notenbanker hatten sich in den vergangenen Tagen noch einmal dafür stark gemacht, darunter der Präsident der regionalen Notenbank von Atlanta, Dennis Lockhart.

Die Notenbanker sind sich uneins darüber, wie nah man dem Ziel der Vollbeschäftigung ist und ob der jüngste Anstieg der Inflationsrate nur ein vorübergehender Effekt ist. Auch gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, wie sehr sich die Probleme in anderen Teilen der Welt auf die US-Wirtschaft auswirken könnten. Yellen macht sich darüber große Sorgen. „Andere Mitglieder wiederum finden, dass die Risiken zurückgegangen sind, weil einige Zentralbanken zusätzliche Schritte unternommen haben“, sagt Ökonomin Sara Johnson vom Analysehaus IHS. So hatte die Europäische Zentralbank im März die Zinsen erstmals auf Null gesenkt. Die Notenbank in Japan hatte im Januar gar einen negativen Zinssatz eingeführt

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
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