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21.07.2008 
Anlegerschützer

An Vorwürfen verdient

von Ralf Drescher

FRANKFURT. Es klingt nahezu unglaublich: Mitglieder der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die seit Monaten mit der TecDax-Firma Wirecard im Clinch liegt, sollen sich mit Finanzwetten gegen das Unternehmen erheblich bereichert haben. Mindestens ein Vorstand der SdK und ein ehemaliges Mitglied haben auf einen Kursverfall der Aktie spekuliert, während die SdK Wirecard mit Vorwürfen der Bilanzmanipulation überhäufte.

Unabhängig davon, ob sich die Vorwürfe gegen Wirecard als berechtigt herausstellen, ist das Verhalten der SdK ein Skandal. Denn klar ist, dass sie früh von den Spekulationen gewusst und diese zumindest geduldet hat. Die SdK lässt jegliches Unrechtsbewusstsein vermissen. Statt den Fehler einzugestehen und sich von den zweifelhaften Geschäften zu distanzieren, rechtfertigt sie diese mit der lapidaren Aussage, das betreffende Vorstandsmitglied habe "detaillierte Recherchen betrieben" und sich obendrein bei Beschlüssen zum Fall Wirecard stets enthalten.

Für eine Organisation, die an Unternehmen höchste Ethik- und Transparenzmaßstäbe anlegt, ist das mehr als dürftig. Es wirft einen Schatten auf die wichtige Rolle, die die SdK in der Vergangenheit gespielt hat. Zu Zeiten des Neuen Marktes haben die Anlegerschützer großen Anteil daran gehabt, dass betrügerischen Firmen das Handwerk gelegt wurde.

Diese Leistungen kann man nicht hoch genug schätzen. Und offensichtlich ist, dass Deutschland auch künftig aktive Anlegerschützer braucht, angesichts immer undurchsichtigerer Märkte vielleicht dringender denn je. Genauso klar ist aber, dass SdK und Co. nur dann als Anwälte der Anleger akzeptiert werden, wenn ihr eigenes Verhalten über jeden Zweifel erhaben ist.

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